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Heftiger Kritik ausgesetzt – und doch erfolgreich

Rheinsberg Heftiger Kritik ausgesetzt – und doch erfolgreich

Die Rheinsberger wollten „Flüchtlingskasernen“ vermeiden – und setzten sich mit ihrem Modell am Ende durch. Bevor sie jedoch den Bundesintegrationsperis in den Händen hielten, haben sie schwere Zeiten durchgemacht.

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Die Rheinsberger haben den Bundesintegrationspreis in der vergangenen Woche in Hamburg entgegengenommen.

Quelle: Jann Wilken

Rheinsberg. Harsche Kritik hagelte es lange Zeit für das Rheinsberger Modell. Eine gute soziale Betreuung, Wohnungen, die nicht dicht an dicht liegen, eine vernünftige Busanbindung – diese Forderungen bei der Flüchtlingsunterbringung hielten viele zu der Zeit, als sehr viele Asylsuchende nach Deutschland kamen, für schlicht überzogen. Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin erteilte an die „Lex Rheinsberg“ vorerst eine klare Absage. Später griff der Kreis doch noch darauf zurück – und nun wurde das Modell sogar mit dem Bundesintegrationspreis ausgezeichnet (die MAZ berichtete).

„Das zeigt uns, dass unser Weg doch richtig war“, sagt Stephan Greiner-Petter. Der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Rewoge hat gemeinsam mit Rheinsbergs Bürgermeister Jan-Pieter Rau das Modell ersonnen. Durch dieses wollten sie die mögliche Ghettoisierung eines Stadtviertels vermeiden, in dem ein Flüchtlingswohnheim steht, und gleichzeitig die Neuankömmlinge von Anfang an bestmöglich integrieren, anstatt sie zu kasernieren. „Statt aber Verständnis dafür zu bekommen, wurden damals Steine nach uns geschmissen“, erinnert sich Greiner-Petter. „Kleinteiligkeit war in der Flüchtlingskrise nicht erwünscht.“

Der OPR-Landrat Ralf Reinhardt wollte lieber einen abrissreifen Wohnblock in der Stadionsiedlung haben, um eine schnelle Bleibe für zumindest einen Teil von hunderten wartenden Asylsuchenden zu finden. „Die Stadt wurde vehement unter Druck gesetzt“, sagt der Rewoge-Geschäftsführer. Und blieb standhaft. Die drei großen Flüchtlingsunterkünfte, die auf ihrem Gebiet entstanden sind, wurden von privaten Vermietern dem Kreis angeboten. Der hat zugegriffen. Am Ende lebten laut offiziellen Zahlen etwa 450 Asylsuchende in Hotels von Rheinsberg, Luhme und Zechlinerhütte. Die Rheinsberger arrangierten sich – zähneknirschend – mit der Situation. Ein Netzwerk aus ehrenamtlichen Helfern entstand und bewältigte schnell und unbürokratisch alle Probleme. Genau das Überstülpen der zentralen Gemeinschaftsunterkünfte mit 340 Asylsuchenden in der Spitze habe aber dazu geführt, dass die Stimmung in der Stadt irgendwann zu kippen drohte, erinnert sich Greiner-Petter. Die Menschen haben sich allein gelassen gefühlt, due Unterstützung des Landkreises fehlte. Aber auch an dieser Stelle wurden die Rheinsberger trotz aller Probleme, die sie von überfüllten Bussen und Kitas oder Problemen an den Schulen hatten, aktiv und haben die rechtsgerichteten Aufmärsche „einfach weggetanzt“.

Der Landkreis hat sehr wohl eine andere Sicht auf die Dinge. Rheinsberg hatte laut Kreissprecherin Britta Avantario bei der dezentralen Unterbringung eine Bedingung gestellt: Die Stadt wollte lediglich Familien und nicht Alleinereisende aufnehmen. Zu diesem Zeitpunkt habe es aber kaum Familien gegeben, für die der Kreis nach Wohnungen gesucht hatte. Einen Einfluss darauf, welche Gruppe von Asylsuchenden in die Region kommt, habe der Landkreis schlicht nicht gehabt, sagt Britta Avantario. Indes habe sich der Landkreis sehr wohl um die Probleme in den von Flüchtlingszustrom betroffenen Kommunen gekümmert. So setzte er zum Beispiel wesentlich mehr Sozialarbeiter ein, als vom Land vorgegeben und blieb dadurch auf den Kosten dafür sitzen.

Trotz aller Kritik gratuliert der Landkreis den Rheinsbergern zu der Auszeichnung. Sowohl die dezentrale Unterbringung als auch das gut funktionierende Netzwerk der Ehrenamtlichen haben zu „erfolgreichen Integrationsergebnissen“ beigetragen, heißt es von der Pressestelle.

Von Celina Aniol

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