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Heiligengrabe Ein historischer Tag in Blandikow
Lokales Ostprignitz-Ruppin Heiligengrabe Ein historischer Tag in Blandikow
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00:20 17.06.2018
Heitere und mitreißende, aber auch besinnliche Töne schlugen Ina Schwarz und Monika Pehlgrim an. Quelle: Björn Wagener
Blandikow

Wie gut sich Historie mit Musik vereinbaren lässt, erlebten am Mittwochabend viele Besucher in der gut gefüllten Dorfkirche in Blandikow. Dort fand der Auftakt zum bevorstehenden Festwochenende statt. Schließlich feiert das Dorf 725 Jahre Ersterwähnung.

Historiker Wolfgang Dost aus Wittstock unternahm eine etwa zweieinhalbstündige Reise in die Vergangenheit des Dorfes. Dabei begleiteten ihn „Die 2 von Nebenan“, ein musikalisches Duo, das aus Ina Schwarz und Monika Pehlgrim besteht.

Historie und Gesang im Wechsel

Beide lieferten im Wechsel mit Wolfgang Dost eine Show, die ganz auf die Themen zugeschnitten war, die dieser in seiner Rede gerade beleuchtete.

Wolfgang Dost unternahm eine Reise in die Vergangenheit. Quelle: Björn Wagener

Ging es um Krieg, sangen sie „Ein bisschen Frieden“; ging es um die Einführung des elektrischen Lichts, erklang „Lili Marleen“, in dem bekanntlich eine Laterne eine Rolle spielt. So wurde es ein abwechslungsreicher Abend , mal nachdenklich, mal heiter und mitreißend. Zwischendurch gab es eine knapp halbstündige Pause. Ein Imbisswagen stand vor der Kirche.

Blandikow sei am 9. August 1293 erstmals in einer Urkunde worden. Damals verkauften die Markgrafen Otto und Konrad von Brandenburg das Dorf an den Bischof Johann von Havelberg – „mit Gehölzen, Äckern und Weideland“, wie es darin heißt.

70 bis 100 Jahre älter

Daraus schließt Wolfgang Dost, dass Blandikow „mindestens 70 bis 100 Jahre älter sein muss“ als 725 Jahre. Schließlich waren die genannten Strukturen damals bereits vorhanden, mussten zuvor also entwickelt worden sein. Blandikow sei ähnlich alt wie Blesendorf. Älter hingegen seien Blumenthal oder Schweinrich, jünger dagegen Maulbeerwalde oder Liebenthal.

Die Geschichtsschreibung habe für Blandikow lange Zeit keine großen Ereignisse genannt. „Es gab keine aufsässigen Bauern, keine Grenzstreitigkeiten, keine Schmuggler und keine großen Persönlichkeiten, die dort einmal verweilt hätten.

Und dann geschah es

Und doch ereignete sich in dem Dorf etwas, das es auf einen Schlag weithin bekannt machte“, so Dost. Am 28. Oktober 1940 wurde der Kaufmann Ernst

Birgit Nikolowius mit dem Bildband über den Ort. Quelle: Björn Wagener

Schulze von zwei aus dem Gefängnis getürmten Verbrechern ermordet. Zehn Monate hätten die Ermittlungen gedauert. Schließlich seien die Übeltäter gefasst und zum Tode verurteilt worden. Der Fall finde sich in einem Buch, das der Kriminalkommissar August Quooß, der in dem Mord ermittelte, kurz nach dem Krieg herausgebracht habe. Es beschreibe die bedeutendsten Kriminalfälle der letzten 40 Jahre.

Diesem dunkelen Kapitel steht ein wahrhaft erhellendes gegenüber: Am 17. August 1921 hielt das elektrische Licht Einzug – und zwar im örtlichen Gasthof. Die Dorfbewohner hätten daraufhin aber festgestellt, dass sie sich nicht mehr so oft vor ihren Häusern treffen.

Milliarden und Billionen

Die unglaublichen Auswüchse der Inflation in den 1920er Jahren machte Wolfgang Dost anhand einiger Preise für ein einziges Ei deutlich. Da seien Milliarden- und Billionenbeträge fällig gewesen.

1939 habe es 13 Autobesitzer in Blandikow gegeben, was dafür spricht, dass

Blick ins Publikum in der Kirche. Quelle: Björn Wagener

es zur „Spitzengruppe der gehobenen Prignitzdörfer“ gehört habe. Auch sei zunehmend Hochdeutsch statt Platt gesprochen worden, um vornehmer zu klingen.

Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) sei 1953 mit sieben Mitgliedern gegründet worden. 1972 schloss die örtliche Schule.

Das Kulturdorf der Gemeinde

Heute sei Blandikow das „Kulturdorf der Gemeinde Heiligengrabe“, wie Wolfgang Dost sagte. Denn in der Dorfkirche gastierten schon viele Stars – unter anderem Ivan Rebroff, Angelika Milster, Gaby Albrecht oder Michael Hirte. Birgit Nikolowius stellte einen Bildband vor, der mit der Unterstützung vieler Helfer aus dem Dorf ermöglicht worden sei. Pfarrer Schirge verwies auf die Broschüre „725 Jahre Blandikow – eine Chronik bis 1900“, erstellt von Margitta Schirge.

Die Feier zum Jubiläum beginnt am Samstag, 16. Juni, um 10 Uhr an der Dörbb-Tenne. Am Sonntag geht es von 10 bis 14 Uhr weiter.

Von Björn Wagener

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