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Heiligengrabe Goldsuche in den Baumwipfeln
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18:06 31.08.2018
Revierleiter Reinhard Helm beaufsichtigt die Zapfenernte in der Natteheide. Quelle: Christamaria Ruch
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Natteheide

Das Waldgebiet Natteheide beherbergt einen Forstschatz. Ein 0,75 Hektar großer Weißtannenbestand ist einer von sechs anerkannten Saatgutbeständen im Land Brandenburg. Zapfenpflücker stiegen in dieser Woche an den Bäumen empor und ernteten.

Das Waldgebiet Natteheide umfasst 650 Hektar und wird von Papenbruch, Karstedtshof, Christdorf, Charlottenhof, Grabow und Blandikow umschlossen. Die Weißtannen dort sind 109 Jahre alt und seit 2006 ein anerkannter Saatgutbestand. 2009 erfolgte die erste Zapfenernte. „Erst wenn der Zapfenbehang 25 Kilogramm pro Baum umfasst, sprechen wir von einer Vollmast“, sagt Reinhard Helm, Revierleiter Königsberg.

Alle zehn Jahre wird der Bestand begutachtet

Diese Zapfenernte gehört zu den Ausnahmen im Alltag eines Försters. Alle zehn Jahre wird der Bestand erneut begutachtet. „Mindestens zehn Bäume müssen beerntet werden, 20 sind das Ziel“, sagt Helm. Alle fünf bis sechs Jahre erfolgt in der Regel eine Ernte. Hier sind nun neun Jahre seit der letzten Ernte vergangene.

Stefan Teschke ist ausgebildeter Zapfenpflücker und erntet erstmals die Weißtannen im Waldgebiet Natteheide. Quelle: Christamaria Ruch

„Wann es letztlich zur Vollmast kommt, ist nicht genau erklärbar“, sagt Stefan Teschke. Der 39-jährige Forstwirt und Landschaftsarchitekt aus der Uckermark ist ausgebildeter Zapfenpflücker und übernahm in dieser Woche erstmals die Ernte in der Natteheide. An seiner Seite stiegen Matthias Nickel und Marcel Hegenbarth in die Bäume.

„Die Weißtanne rückt zunehmend in den Fokus der forstlichen Öffentlichkeitsarbeit“, sagt Reinhard Helm. Diese Baumart verträgt sehr gut Schatten.

Weißtannen sind sturmfest

Der Stamm hat einen geraden Schaft, deshalb ist das helle und gelbliche Holz im Baugewerbe gefragt. Weißtannen sind Tiefwurzler und somit sturmfest. Sie wachsen bevorzugt im Mittelgebirge und haben in der Region kein natürliches Verbreitungsgebiet. Sie kamen aber in der Nacheiszeit über eine südliche Rückwanderungslinie in die Natteheide zurück.

Auch wenn dieser Weißtannenbestand zur Landesforst gehört, liegt die Aufsicht beim Hoheitsförster Reinhard Helm. „Das ist hier ein Kleinod im Wald“, sagt er. Die Landesforstbehörde unterhält eine eigene Forstbaumschule in Lübbesee (Uckermark). Dort entwickeln sich aus dem Saatgut junge Bäume und kommen dann in die Natteheide zurück, weil sie dort die besten Wachstumsbedingungen vorfinden. Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg.

An den Schuhen sitzen Dornen, die den Zapfenpflückern als Steigeisen dienen. Quelle: Christamaria Ruch

Stefan Teschke und seine beiden Kollegen tragen an ihren Schuhen Dornen, die als Steigeisen dienen. Mit Seilen ausgestattet klettern sie bis zu 30 Meter an den Weißtannen hoch.

Zapfen in der Krone

Oben in der Krone sitzen die Zapfen. „Wir bewegen uns wie eine Katze oder Schlange“, sagt Teschke. Kein Ast darf abgeknickt werden, ansonsten leidet die Vitalität der Bäume. Die Dornen hinterlassen beim Klettern kleine Löcher an den Baumstämmen, doch diese Wunden verschließen sich wieder.

„Wir pflücken die Zapfen nur mit der bloßen Hand“, sagt Stefan Teschke. Dabei zieht er die Äste vorsichtig zu sich heran, Zapfen für Zapfen wandert in den Sack. Im Schnitt sind die Säcke 33 bis 35 Kilogramm schwer, bevor sie hinunter geworfen werden. Die gesamte Ernte läuft wie in einem Hochsicherheitstrakt ab; das Forstvermehrungsgutgesetz regelt diesen Ablauf.

Säcke werden verplombt

Reinhard Helm weist die Zapfenpflücker ein, überwacht die Ernte, kontrolliert die Säcke und bringt sie zur trockenen Lagerung. „Die Säcke werden gewogen, mit der Registernummer des Bestandes versehen, verplombt und zur Samendarre nach Annaburg (Sachsen-Anhalt) gebracht“, sagt Helm.

Bei der Darre handelt es sich um eine Trocknung, bei der aus den Zapfen das Saatgut gewonnen wird. „Über einen Zeitraum von mehreren Jahren wird dann ausgesät“, sagt Reinhard Helm. „880 Kilogramm Zapfen sind jetzt von 21 Bäumen geerntet, im Jahre 2009 waren es 1240 Kilogramm“, sagt Reinhard Helm am Freitag.

Die Weißtannenzapfen sind die Zukunft des Waldes.   Quelle: Christamaria Ruch

„Wir hatten 1000 Kilogramm anvisiert, aber die Zapfen waren teilweise jetzt schon so trocken, dass die Samen heruntergefallen sind.“ Am Freitag folgte der Transport nach Annaburg.

Wenn die Zapfen getrocknet sind, werden sie in Tüten luftdicht verpackt und eingefroren. „Schon im Dezember kann das erste Saatgut in Lübbesee ausgesät werden“, sagt Reinhard Helm.

Von Christamaria Ruch

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