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Heiligengrabe Landwirt Grünhagen: Trockenheit ist echte Katastrophe
Lokales Ostprignitz-Ruppin Heiligengrabe Landwirt Grünhagen: Trockenheit ist echte Katastrophe
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12:55 30.08.2018
Hans-Heinrich Grünhagen erzielt in diesem Jahr bei beregneten Kartoffelbeständen drei Mal so hohe Erträge. Quelle: Christamaria Ruch
Wernikow

„Die Beregnung ist in diesem Jahr ein großes Thema“, sagt Landwirt Hans-Heinrich Grünhagen aus Wernikow. Seit 20 Jahren setzt er auf einem Teil seiner Anbauflächen Beregnungsanlagen ein und erzielt damit weitaus höhere Erträge als ohne künstliche Bewässerung.

Kreisregner sind nun auf 650 Hektar im Einsatz; das ist fast die Hälfte der Gesamtfläche auf dem Hof Grünhagen. Der Landwirt bewirtschaftet mit seinen 15 Mitarbeitern vor allem Sandböden mit durchschnittlich 27 Bodenpunkten. Schrittweise baute er im Laufe der Jahre den Anteil der Bewässerungsflächen aus. „Weitere Flächen sind dafür aber zur Zeit nicht geplant“, sagt er.

Guter Ertrage durch Beregnung bei Kartoffeln, Mais und Erbsen

Besonders Kartoffeln, Mais und Erbsen profitieren von dem zusätzlichen Wasser. „Mit der Beregnung haben wir bei Kartoffeln in diesem Jahr drei Mal so hohe Erträge. Ohne die Beregnung reicht die Ernte auf leichten Böden nicht aus, um das Saatgut zu bezahlen.“

Er rechnet in diesem Jahr auf den 850 Hektar ohne Bewässerung mit einem Verlust im sechsstelligen Bereich. „Damit müssen Investitionen in Baumaßnahmen und Technik verschoben werden“, sagt er. Die Nässe im vergangenen Jahr wirkt auch jetzt nach. „50 Hektar anmoorige Böden konnten wir nicht bestellen und liegen brach.“ Anbaupläne mussten verändert werden.

Die Trockenheit in diesem Jahr „ist eine echte Katastrophe“, sagt Hans-Heinrich Grünhagen. 2,5 Monate kein nennenswerter Regen – das ist auch für ihn eine neue Erfahrung. „Zusätzlich holt der Wind die letzte Feuchtigkeit aus den Böden. Die Verluste lassen sich nicht über den Preis regulieren.“

Doch beim Verbraucher kommt kaum etwas von diesen Ernteausfällen an. „Wir kaufen uns unser Essen woanders“, sagt er. Die Globalisierung der Märkte macht das möglich und der Verbraucher spürt die Einbußen auf dem heimischen Acker kaum. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner schnürte nun wegen der Dürreschäden ein Hilfspaket.

Reaktion nach der Dürre: Kartoffeln ohne Beregnung keimen infolge des Regens. Quelle: Christamaria Ruch

340 Millionen Euro stehen für 100 000 betroffene landwirtschaftliche Unternehmen bereit. „Das macht 3400 Euro pro Betrieb, da lohnt kaum ein Antrag“, so Grünhagen. Der Schaden in der Landwirtschaft durch die Trockenheit liegt aber bei gut 3,5 Milliarden Euro. Das Hilfspaket deckt somit nur zehn Prozent der Einbußen ab. Hilfen und Entlastungen sähe Hans-Heinrich Grünhagen in einer steuerfreien Risikorücklage. „In anderen Ländern gibt es auch eine Dürreversicherung, in Deutschland noch nicht“, sagt er.

Beregnungsanlage nach 2 Jahren amortisiert

„Viele Landwirte haben bisher die Investitionskosten für die Beregnung gescheut“, sagt Grünhagen. Nun erhält er mehr Anfragen von Berufskollegen. „Bei zwei so trockenen Jahren hat sich die Investition schon amortisiert“, sagt er. Bei normaler Witterung sind nach acht bis zehn Jahren die Anschaffungskosten für Beregnungsanlagen bezahlt.

Der Ertrag von jeweils drei Kartoffelpflanzen mit Beregnung (l.) und ohne zusätzliches Wasser zeigt die Unterschiede in Quantität und Qualität. Quelle: Christamaria Ruch

Hans-Heinrich Grünhagen bewirtschaftet Flächen in den Gemarkungen Wernikow, Heiligengrabe, Horst und Zaatzke. „Die Kreisregner sind eine seit 50 Jahren bewährte Technik“, sagt er. Für die Bewässerung holt er sich wasserrechtliche Genehmigungen beim Landkreis ein und nutzt dann Grundwasser.

Maisernte begann 7 Wochen eher

Weil die Maisernte bereits sieben Wochen eher als sonst begann, sind dort alle Mitarbeiter vom Hof Grünhagen gebunden. Damit steht der Beginn der Kartoffelernte in der Warteschleife. Normalerweise werden ab 20. August die Kartoffeln gerodet.

Am 25. August unternahm Hans-Heinrich Grünhagen eine Proberodung bei den Kartoffeln. Während ein Großteil des Bestandes in der Gemarkung Zaatzke schon gelbe Blätter und damit Reife zeigt, stehen am Rand grüne, unterentwickelte Pflanzen.

„Da ist deutlich zu sehen, wie weit die Beregnung reicht“, sagt Hans-Heinrich Grünhagen. 95 Prozent der Kartoffelflächen profitieren von den Kreisregnern. „Fünf Prozent werden nicht bewässert, dort kommt die Beregnung nicht hin“, sagt er.

Kartoffeln in der Gemarkung Zaatzke mit gelben und grünen Pflanzen. Quelle: Christamaria Ruch

Dann zieht Hans-Heinrich Grünhagen die Handschuhe an und zieht jeweils drei Kartoffelpflanzen auf Flächen mit und ohne Beregnung aus dem Boden. In den Kisten fallen die Unterschiede sofort auf: Große und viele Erdäpfel bei Bewässerung. Die Knollen ohne zusätzliches Wasser sind klein und in geringer Anzahl.

„Nach dem Regen in den letzten Tagen bilden die Kartoffeln ohne Bewässerung Keime. Damit büßen die Knollen den Stärkegehalt und Qualität ein“, sagt Hans-Heinrich Grünhagen.

Von Christamaria Ruch

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