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Heiligengrabe Besonderes Erlebnis: Kraniche auf Zwischenstation
Lokales Ostprignitz-Ruppin Heiligengrabe Besonderes Erlebnis: Kraniche auf Zwischenstation
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00:22 01.03.2019
Kraniche fliegen vom Futter- zum Schlafplatz. Quelle: Privat
Blumenthal

Der Staffelstab ist längst übergeben. Setzen sich wärmere Temperaturen durch, verlassen die Singschwäne die Region. An ihrer Stelle legen Kraniche eine Zwischenstation ein, bevor sie auf ihrem Rückflug von Spanien weiter in Richtung Skandinavien ziehen.

„Am 9. Februar habe ich in Vehlow und Wutike die ersten Kranichringe abgelesen“, sagt der Hobbyornithologe Volkmar Schenk aus Blumenthal bei Heiligengrabe. Das ist viel zu früh - die Ursache ist das zu warme Wetter. Normalerweise sichtet er Ende Februar die ersten Tiere.

Volkmar Schenk beobachtet täglich das Verhalten der Kraniche. Quelle: Christamaria Ruch

Am 23. Februar zählte Volkmar Schenk bereits 2950 Exemplare in Blandikow, Christdorf, Karstedtshof sowie Blumenthal und Horst. „In diesem Jahr sind sehr viele Kraniche hier“, sagt er. Gut 4000 Kraniche registrierte er im März 2014 – das ist der bisherige Rekord von Volkmar Schenk. Derzeit ist er täglich drei und vier Stunden mit dem Auto unterwegs und geht auf eine Pirsch der besonderen Art.

Spektiv und Fotoapparat

Der Ornithologe steht meist im Schatten von Bäumen, um die Kraniche durch das Spektiv zu beobachten. Oder er hält die Vögel mit Fotoapparat oder Kamera fest.

Schenks Herz schlägt für viele Vogelarten, aber der Kranich steht ihm besonders nah. „Das ist ein seltener Vogel und das Verhalten der Tiere gefällt mir“, sagt der 78-Jährige. Egal ob Trompetenschreie oder Warnrufe durch die Luft hallen, sie klingen unverwechselbar. Bis zu zwei Kilometer weit sind die Vögel mit ihrem Stimmvolumen zu hören.

Volkmar Schenk beobachtet die Kraniche in einem großen Radius. Von der Gemeinde Heiligengrabe über Röbel und Vipperow in Mecklenburg bis hin nach Manker (Ostprignitz-Ruppin) sowie Rhinow und Strodehne im Havelland ist er unterwegs.

Die Vögel tanken Energie für den Weiterflug. Quelle: Privat

„Die Stimmungen in der Natur sind immer wieder etwas besonderes. Abhängig von der Witterung verlassen die Vögel morgens zu verschiedenen Zeiten ihre Schlafplätze auf den Seen“.

Dabei gehen sie immer auf Nummer sicher und wählen Schlafplätze im knietiefen Wasser. Denn der Fuchs als größter Feind kann ihnen an dieser Stelle nicht zu nahe kommen.

Die Zwischenrast in Brandenburg und Mecklenburg ist lebenswichtig. Denn die Kraniche nehmen Nahrung auf, tanken Energie, um die nächste lange Etappe bis nach Skandinavien zu schaffen. Allein von Spanien bis in die Region umfasst die Luftlinie gut 2500 Kilometer. Und das ist Kräfte zehrend.

Unbedingt Abstand halten

„Wer Kraniche beobachten möchte, sollte unbedingt einige Regeln beachten. Abstand halten ist ganz wichtig“, sagt Volkmar Schenk. Kaum wittern die Tiere Gefahr, fliegen sie auf und verlieren dadurch Energie. Diese kann am Ende fehlen, um sicher an den Brutplatz in Schweden, Norwegen oder Finnland zu gelangen.

„Kranichtrupps können vom Auto aus beobachtet und fotografiert werden“, empfiehlt Schenk. „Es genügt, die Autoscheibe aufzumachen. Jede hektische Bewegung oder laute Geräusche müssen vermieden werden“, sagt er.

Wer mit Hunden unterwegs ist, sollte sie unbedingt anleinen und in Sichtweite der Kraniche andere Wege nehmen. Wer sich an diese Empfehlungen hält, trägt zum Schutz der Kraniche bei.

Ringe aus Schweden und Estland

Bis zu 800 Meter entfernt steht Volkmar Schenk von den Vögeln des Glücks, wie sie auch genannt werden. Er beobachtet das Verhalten oder liest Ringe ab. Dazu zählen auch einige Exemplare aus Schweden und Estland, bei denen er kürzlich die Ringe und damit die Personalausweisdaten erfasst hat.

Seine Beobachtungen trägt er in der Kranichdatenbank Icora ein. Das alles geschieht im Auftrag vom Kranichschutz Deutschland, in dem er ehrenamtlich mitarbeitet.

Besonders gefährdete Art

Kraniche sind in Europa durch die EU-Vogelschutzrichtlinie als besonders gefährdete Art geschützt.

Dennoch gilt der Mensch als Gefahr für sie. Werden Feuchtgebiete trocken gelegt, haben sie keine Schlafplätze mehr. „Derzeit finden die Kraniche schlecht Nahrung“, sagt Volkmar Schenk. Seit drei bis vier Jahren beobachtet er, dass die Zugvögel allgemein „kaum noch das Wintergetreide aufsuchen.“

Außerdem fliegen sie im Moment oft hin und her, suchen Wasser zum Trinken und Baden. Wegen der Trockenheit und Hitze im vergangenen Jahr bieten noch nicht alle Gräben wieder ausreichend Wasser.

Von Christamaria Ruch

Kraniche wählen die Region zwischen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Havelland zweimal jährlich für die Zwischenrast. Sie tanken Energie für den Weiterflug. Wer die Vögel des Glücks beobachten möchte, sollte immer auf Abstand gehen.

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