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Ostprignitz-Ruppin Heißmann und Rassau erstmals in Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Heißmann und Rassau erstmals in Neuruppin
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11:05 07.03.2018
Klassische Verführung: Gigolo Volker Heißmann (oben) und Martin Rassau als korrupte Bürgermeisterin im Stadtgarten Neuruppin Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Wo andere schleimen, ätzen sie. Gut – auch Volker Heißmann, der als erster kommt und seinen Kostümkoffer auf die Bühne wuchtet, versucht es erst einmal mit so kampferprobten Sätzen, wie sie jeder Comedian im Repertoire hat: „Woah, nur junge, hübsche Frauen hier – okay, einige schon etwas länger jung.“ Sein Compagnon Martin Rassau reißt rasch mit dem Hintern wieder ein, was sein Kollege mühsam aufgebaut hat. „Hat der wieder das mit den jungen, hübschen Frauen erwähnt? Ich sag dem immer: ‚Geh zum Optiker‘“, plaudert er trocken.

Was Neuruppin betrifft, sind sich die beiden ohnehin einig. „Neuruppin? Das ist, wo sich Hund und Katze gute Nacht ... Fuchs und Hase habts ihr hier ja nicht.“ Das ist mal etwas anderes, wenn einem von der Bühne aus die eigene Stadt madig gemacht wird – meist ist es ja umgekehrt, selbst wenn die Komiker das Kompliment mit einem satten Zungenschlag Ironie würzen. Heißmann und Rassau sind immerhin mit wachem Sinn durch die Fontanestadt gegangen – sie erwähnen das Café Stoye und die großen Plätze, die Seeperle und das antike Buckelpflaster.

Heißmann (r.) und Rassau in ihren Glanzrollen Waltraud und Mariechen. Quelle: Regine Buddeke

Einer hat sogar seine Übernachtung im Hotel Cramer gebucht. „Cramer?“, uzt der andere. „Das ist doch der Bestatter.“ „Ach, deswegen hat der gefragt, ob ich hier länger liegen will“, gibt der andere zurück. Und klar, Neuruppin hat schon auch was. „Wenn man sich alles anschauen will, muss man sich schon ne halbe Stunde Zeit nehmen“, sagt Heißmann. „Obwohl – so lange braucht man ja hier, wenn man nur mal übern Platz geht.“

Heißmann und Rassau stammen aus Franken. Das hört man auch – man muss sich konzentrieren, dem Dialekt zu folgen. „Sollten Sie uns nicht verstehen, habns Pech ghabt“, sagt Rassau. 350 Gäste sind am Samstagabend in den Neuruppiner Stadtgarten gekommen, um die beiden zu erleben, die sich bei der Fränkischen Fastnacht und im Musikantenstadl einen Ruf erarbeitet haben.

Politsatiriker sind sie nicht, betont Heißmann, der sich schon ins erste Sakko geschwungen hat. Nur guten alten Klamauk. „Wenn Sie hier raus gehen und sagen: ‚Schöner Blödsinn, hat aber Spaß gemacht‘ – dann wars genau richtig“, erklärt Heißmann. Das Publikum lacht, es ist genau das, was es will. „Sie klatschen aber auch bei jedem Scheiß“, belehrt Rassau, der lediglich den Vorhang zugezogen und sich in ein zu enges Sakko gezwängt hat. Die Leute lachen. Der trocken-fränkische Humor der beiden kommt gut an – fernab von aktueller Tagespolitik.

Karnevals-Doktor Rassau erklärt die Kunst des Reimes. Quelle: Regine Buddeke

Stattdessen geht es um vegetarisches Essen. „So schlimm ist das gar nicht, wenn man bissel Speck reinschneidet“, lässt Rassau wissen. Schlimmer wäre es mit den Veganern, die „nur runtergefallenes“ essen. Okay – er meint Frutarier. Heißmann ist derweil in der Rolle des Stadtgartenhausmeisters wieder erschienen und beide lästern heiter weiter. „Ich hatte mal zu Weihnachten einen Veganer zu Gast und nix für den zu essen. Da hat der meinen Weihnachtsbaum gfresse“, flachst der eine.

„Die esse ja auch kei Huhn, weil da Ei drin ist“, der andere. Die haben ja auch nen eigenen Gott: Kräuterbuddha“, sinniert Heißmann. „Ich seh mich schon mit meiner Wurst draußen frierend bei den Rauchern stehen“, klagt Rassau.

Im Standesamt-Sketch hecheln die beiden genüsslich heutige Vornamen durch: etwa den Trend, den Nachwuchs nach der Stätte der Zeugung zu benennen. „Dann heißt ja jedes zweite Gör Eckkneipenscheißhaus“, wird moniert.

Noch kann sich die Bürgermeisterin auf ihrem Stuhl halten. Quelle: Regine Buddeke

Schön auch die Verführungsnummer, wo Heißmann im Gigolo-Outfit mit geballtem Testosteron in der Stimme die korrupte Bürgermeisterin wortwörtlich flachlegt. Das Rollenspiel ist etwas, was den Charme der beiden ausmacht. Etwa ihre Glanzrolle als Witwen-Doppel Waltraud und Mariechen.

Heißmann gibt Mariechen: in ihrem Blümchen-Rüschen-Hängerkleid ist sie die etwas unbedarfte, die schnell mal auf dem Schlauch steht. Rassau, im rassigen Zebra-Look, der straffe Schwarz-Weiß-Mentalität suggeriert, gibt die taffe Waltraud mit ihren betonharten Ansichten. Was die beiden da zusammen lästern, bringt den Saal immer wieder zum Lachen.

„Die harmonieren so toll miteinander“, schwärmt Lutz Manthey, der samt Frau vor allem wegen der Mariechen-Nummer gekommen ist. „Das haut genau hin.“

Ein kabarettistisches Glanzstück ist die Nummer, wo Heißmann in fünf Rollen zugleich schlüpft – jede mit einem anderen Sprachfehler-Tick. Dass er am Ende keinen Knoten in Zunge und Genick hat, ist ein Wunder und wird vom Publikum mit euphorischem Beifall honoriert.

Von Regine Buddeke

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