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Helfer sein lag den Meiers im Blut

Kyritz Helfer sein lag den Meiers im Blut

Emil Meier, am Mittwoch vor genau 90 Jahren in Gantikow geboren, wandelte einst auf seines Vaters Albert (genannt „Asche-Meier“) Wegen, und zwar in mehrfacher Beziehung: Albert gilt als Begründer des Deutschen Roten Kreuzes in Kyritz, und Sohn Emil leitete später, nachdem er zunächst im väterlichen Fuhrunternehmen mitarbeitete, genau dieses DRK.

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Die Ausbildung der „Jungen Sanitäter“ lag Emil Meier immer sehr am Herzen.

Quelle: Privat

Kyritz. Der Mann im Rollstuhl blättert sorgsam Seite für Seite um. Auf dem Tisch vor ihm stapeln sich Bilderalben, die erkennen lassen, dass sie schon durch die Hände vieler Generationen gegangen sind. Sie dokumentieren auch ein gutes Stück von seinem Leben. Und von dem seiner Vorfahren.

Lange her, dass sich Emil Meier die verblichenen Schwarz-Weiß-Bilder mit gezacktem Rand ansah. Jetzt regen sich Erinnerungen. „Guck an, die Müllers aus Mechow, ach, und die Granzower ...“ Meier erkennt sie alle wieder. Tochter Christine hat den Karton voller Chroniken ins Altenheim mitgebracht. Da sind nicht nur Fotos. Ein aufgeklebtes Dokument von 1924 weist Emils Vater Albert als Mitglied in der „Freiwilligen Sanitätskolonne Kyritz im preußischen Landesverein vom Roten Kreuz“ aus. Der Fuhrunternehmer, bekannt in der Knatterstadt als „Asche-Meier“, weil er mit Pferd und Wagen über Jahrzehnte abholte, was seine Mitbürger in ihre Abfalltonnen schütteten, und der 1916 als Sanitäter in den Ersten Weltkrieg zog – dieser Mann gilt als Begründer des Deutschen Roten Kreuzes in Kyritz.

Im Oktober 1952 wurde das DRK der DDR gegründet

Sohn Emil, an diesem Mittwoch vor genau 90 Jahren in Gantikow geboren, ist sehr viel später auf Vaters Wegen gewandelt, in mehrfacher Beziehung, nicht immer gern. So saß auch Emil viel später auf dem Kutschbock von Vaters Mini-Firma. Meier Junior blieb der zweite große Krieg nicht erspart, samt Kriegsgefangenschaft bis 1949. Heimgekehrt, war er noch ein Jahr Müllmann. In den ersten drei 50er Jahren versuchte er sich dann als selbstständiger Landwirt, später in der MTS. Die Maschinen-Traktoren-Stationen galten als Vorläufer der landwirtschaftlichen Genossenschaften. Man lebte in einer Zeit, in der sich die kleinere deutsche Republik auf allen Gebieten ihre Strukturen schuf, in Wirtschaft, Landwirtschaft, im Bildungs- und auch im Gesundheitswesen.

Meier lebt im Seniorenheim im Wohngebiet „Alt und Jung“

Meier lebt im Seniorenheim im Wohngebiet „Alt und Jung“. Tochter Christine besucht ihn mehrmals in der Woche

Quelle: Wolfgang Hörmann

Am 23. Oktober 1952 wurde das DRK der DDR gegründet. Katastrophen- und Bevölkerungsschutz, Rettungsdienst, schnelle medizinische Hilfe und Gesundheitserziehung sollten einheitlich organisiert werden. In der Ostprignitz wurde mit dieser Aufgabe eine Frau betraut, Dorothea Neubauer. „Mutter Neubauer“, wie sie alle nannten, guckte bei ihrer Arbeit nie auf die Uhr, aber immer auf die Menschen, die sie engagiert von ihrer Idee zu begeistern suchte. Ihr Nachfolger sollte 1961 Emil Meier werden. Er hatte seine Chefin vorher schon zwei Jahre im Moskwitsch durch den Kreis Kyritz kutschiert, sich qualifiziert und das Wissen angeeignet, das ihn befähigte, ihr auf den Platz des Kreissekretärs zu folgen.

Der Wasserrettungsdienst gehörte ebenso zu seinen Aufgaben

Auf Emil Meier kam es nun an, mit hunderten Ehrenamtlichen zu arbeiten. Sie waren nicht nur Rettungssanitäter bei allen öffentlichen Veranstaltungen. Meier kümmerte sich um Breitenausbildung von Ersthelfern ebenso wie um die unvermeidlichen Lehrgänge für Fahranfänger. Die Fotos von damals zeigen, was die Rotkreuzler in den 1960er und 70er Jahren auch noch konnten. In Neustadt gab es einen Bahnhofsdienst. Frauen in Schwesterntracht halfen Behinderten, Schwangeren und Familien mit Kinderscharen beim Ein- und Aussteigen. Emil Meier hatte auch hier ein Auge drauf.

Der Wasserrettungsdienst gehörte ebenso zu seinen Aufgaben. Zunehmend kamen Übungen für „Ernstfälle“ hinzu. Und immer galt: Das Deutsche Rote Kreuz sollte im Kreis Kyritz flächendeckend Flagge zeigen. „Wir wollten in allen Orten mit eigenen Gruppen vertreten sein. Das ist uns aber nicht gelungen“, resümiert der Senior. Dafür schaffte er es, Kinder und Jugendliche für das Helfen zu begeistern. An Wettkämpfe der Jungen Sanitäter erinnert sich der 90-Jährige noch gut. Und natürlich an die Männer vom Krankentransport, der ja auch dem DRK unterstand. Gut möglich, dass er den einen oder anderen Kollegen von damals wieder trifft. Tochter Christine Paethau hat als Geburtstagsüberraschung eine kleine Ausfahrt vorbereitet. Sie führt am Vormittag zur Rettungswache in der Wilsnacker Straße.

Von Wolfgang Hörmann

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