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Herbert Brandt will Leitung aufgeben

“Weißer Ring“ sucht Nachfolger Herbert Brandt will Leitung aufgeben

Seit nunmehr elf Jahren leitet der Kyritzer Herbert Brandt die Ostprignitz-Ruppiner Außenstelle der Opferhilfevereinigung „Weißer Ring“. Jetzt soll für ihn Schluss sein. „Mit 80 will ich kein Außenstellenleiter mehr sein“, sagt der 74-jährige – und begibt sich frühzeitig auf Nachfolgersuche. Denn die gestaltet sich gar nicht so einfach.

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Herbert Brandt leitet seit elf Jahren die Ostprignitz-Ruppiner Außenstelle des „Weißen Rings“.

Quelle: Josephine Mühln

Kyritz. Im kommenden Jahr feiere er seinen 75. Geburtstag, erzählt Herbert Brandt. Es sei dann an der Zeit, kürzer zu treten. Der 74-jährige Kyritzer leitet seit elf Jahren die Ostprignitz-Ruppiner Außenstelle der Opferhilfevereinigung „Weißer Ring“ – und sucht nun nach einem Nachfolger. Alle Mitarbeiter, die infrage kämen, seien jedoch selber schon 70 Jahre oder älter. „Der neue Leiter sollte das Ziel vor Augen haben, dass er noch zehn bis 15 Jahre für die Außenstelle tätig sein kann“, sagt der ehemalige Elektromeister.

Außerdem solle der Nachfolger bereits eine gewisse Persönlichkeitsentwicklung durchgemacht haben und kein sensibler Mensch sein. „Derjenige sollte also nach einem Anruf, bei dem eine Straftat geschildert wurde, auch wieder einschlafen können“, sagt Brandt. „Auch ein gutes Allgemeinwissen und Gesetzeskenntnisse sind von Vorteil. Ebenso ist Teamfähigkeit wichtig und nicht diktatorisch vorzugehen.“

Die Tätigkeit des Außenstellenleiters ist ein Ehrenamt. „Aber Telefon-, Porto- und Fahrtkosten werden erstattet“, sagt Brandt. Investieren müsse der Neue vor allem Zeit. Drei Mal im Jahr zum Außenstellenleiter-Lehrgang, Kontakt zu Behörden und Polizeidienststellen halten, die Öffentlichkeitsarbeit vorantreiben – kurzum: präsent sein. „Mein Nachfolger kann auch noch im Beruf stehen, wenn der Arbeitgeber mitspielt. Ich denke aber beispielsweise an jemanden aus dem Polizeidienst, der mit 60 Jahren in den Ruhestand geht“, sagt Brandt. Er sei bereits in Gesprächen mit dem Leiter der Polizeidirektion Nord, der seine Hilfe bei der Nachfolgersuche zugesagt habe.

Der Nachfolger sollte noch zehn bis 15 Jahre im Amt bleiben können

Gänzlich von der Bildfläche des Vereins verschwinden werde auch Brandt wahrscheinlich nicht, sagt er. „Es kann schon sein, dass ich Mitarbeiter für den Bereich Kyritz bleibe.“ Schließlich sei die Aufgabe der Stelle auch für ihn eine Umstellung: „Ich bin ja voll im Geschäft. Aber mit 80 will ich kein Außenstellenleiter mehr sein“, sagt Brandt lachend. Zu seinen Mitarbeitern habe er schon gesagt: „Wenn ihr denkt, ich wäre bei der Muppet-Show besser aufgehoben, dann sagt mir das bitte.“

Der einstige Vize-Bürgermeister von Kyritz ist seinerzeit durch einen Zeitungsartikel auf die offene Stelle aufmerksam geworden. Das war im Januar 2005. Drei Monate vorher habe er seinen Vorsitz beim Kyritzer Heimatverein aufgegeben – Zeit für die neue Aufgabe habe er also gehabt. „Ich habe schon immer Menschen geholfen. Erst als Rettungsschwimmer und später auch bei der freiwilligen Feuerwehr“, erzählt Brandt, der sich insgesamt bereits seit 59 Jahren ehrenamtlich engagiert.

Die Opferhilfe wünscht sich mehr Unterstützung von Polizei und Ärzten

Die Opferhilfe sei leider bei vielen Menschen noch nicht ausreichend bekannt. Hier brauche es noch mehr Unterstützung von Krankenhäusern und der Polizei. Außerdem ist Brandt der Meinung, dass in jeder Polizeidirektion ein hauptamtlicher Opferschutzbeauftragter ernannt werden sollte. „Jemand, der Zugriff auf alle Straftaten hat und einwirken kann, dass die Opfer die bestmögliche Beratung bekommen. Denn wenn wir einen Tierschutzbeauftragten bezahlen können, sollten wir auch den Mut haben, Opfer einer Straftat zu betreuen.“

Eine weitere Forderung seitens des Vereins sei die Versorgung des Landkreises mit mehr kassenärztlich zugelassenen Psychologen, sagt Brandt. Aktuell müsse ein Patient mit Wartezeiten zwischen sechs und 18 Monaten rechnen. „Dieser Zustand ist unhaltbar“, befindet Brandt. Brandenburg sei außerdem das einzige Bundesland, das keine Traumaambulanzen habe. „Damit können wir nicht zufrieden sein.“

Von Josephine Mühln

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