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Hertha BSC kauft Schiff in Wusterhausen

Verein einst auf dem Boot gegründet Hertha BSC kauft Schiff in Wusterhausen

Das Gründungsschiff des Fußballvereins Hertha BSC, auf dem dieser in Berlin vor fast 125 Jahren gegründet wurde, schippert seit Jahrzehnten schon über die Kyritzer Seenkette. Dorthin gelangte das Boot einst dank eines Liebhabers, der es vor dem Schrott rettete. Nun soll es zurück nach Berlin. Der Verein selbst hat es gekauft – zu einem offenbar recht interessanten Preis.

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Schon mitgefahren: Die Hertha-Profis als Leichtmatrosen legen auf „ihrem“ Schiff im August 2002 in Wusterhausen an.

Quelle: Archiv Wolfgang Hörmann

Wusterhausen. Fußball-Berlin schwelgt noch immer im Glück. Bundesligist Hertha BSC hat eine tolle Saison abgeliefert. Gar nicht despektierlich ist es also, wenn man in der Hauptstadt und im Umland von der „alten Dame“ schwärmt. Sie wird bald 125 Jahre alt. Schon vor diesem Jubiläum 2017 hat sie sich nun selber reich beschenkt: Jubelnde Herthaner feierten bei der Mitgliederversammlung vor wenigen Tagen die Anschaffung der „Hertha“.

Von einem Kaufpreis über 400 000 Euro ist die Rede

Das Fahrgastschiff, das über Jahrzehnte im Besitz der Wusterhausener Familie Dentler war, dann 2012 mit der gesamten Fahrgastschifffahrt an die Putlitzer Firma Prignitzer Leasing AG verkauft wurde, wird also in diesem Sommer seine letzten Fahrten auf der Kyritzer Seenkette unternehmen. Wie Berliner Boulevardzeitungen berichteten, geht die „Hertha“ für 400 000 Euro „inklusive Notar und Sanierung“ an den Fußballverein, der gerade erst Aufsehen damit erregte, sich ein eigenes Stadion zulegen zu wollen. Das erwies sich aber als Theaterdonner vor Verhandlungen über den Mietpreis für die Spiele im Olympiastadion.

Die Begehrlichkeiten aus der Hauptstadt auf das Traditionsschiff sind nicht neu. Schon Skipper Peter Dentler sah sich mit einem Angebot konfrontiert, das er aber ausschlug. Mit dem Eigentümerwechsel hin zur Prignitzer Leasing AG kamen die Pläne gerüchteweise wieder an die Öffentlichkeit. Sie wurden konkreter, weil die „Hertha“ aus Sicht der AG, die auf Unter- und Klempowsee unter der Flagge „Fahrgastschifffahrt Wus­terhausen (FGS)“ unterwegs ist, nie den erwarteten Run auslöste. MAZ berichtete bereits im Februar 2014 von Sorgen mit dem Schiff. Geschäftsführer Steffen Hahlweg beklagte damals: „Die ‚Hertha’ macht uns alles kaputt.“ Das Schiff rufe weniger Fans auf den Plan als randalierende Gegner, die Schaukästen zerstören und Infozettel abreißen würden. Dabei gebe es an die 30 000 organisierte Hertha-Fans. In zwei Jahren seien aber höchstens um die 100 da gewesen.

Museum, Kneipe oder Spreewasser: Die Zukunft der „Hertha“ ist offen

Wie das als „Gründungsschiff“ von Hertha bekannte blau-weiße Gefährt künftig präsentiert wird, ist offen. Es könnte auf dem Trockenen bleiben und als Museum oder Kneipe dienen, oder auf Havel und Spree unterwegs sein – wenn es denn die dafür erforderlichen Zulassungen gibt. Als sicher gilt die Überführung im kommenden Winter.

Wusterhausens Bürgermeister Roman Blank bedauert den Verlust. „Die ‚Hertha’ war immer ein Anziehungspunkt und etwas Besonderes auf dem See. Dass sie bald nicht mehr da ist, finde ich traurig, war aber irgendwie abzusehen.“ Realistisch sieht die Situation Jens Dentler, der wie Vater Peter und Großvater Walter lange als Schiffsführer am Ruder stand. „Klar hatte das Schiff auf dem Gewässer zwischen Wusterhausen und Stolpe Tradition. Aber noch mehr gilt das doch für den Fußballverein.“

Von Wolfgang Hörmann

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