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Ostprignitz-Ruppin Herzsprung-Schilde weiter rätselhaft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Herzsprung-Schilde weiter rätselhaft
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00:17 15.04.2016
Die Herzsprung-Schilde. Quelle: LDA Sachsen-Anhalt, Juraj Lipták
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Herzsprung

Ordentlich zu heben hatte der Bauer, der im Jahr 1844 zu einem Wasserloch nahe Herzsprung gerufen worden war. Mehrere Lagen Eichenholz musste er über einem ehemaligen Wasserloch entfernen. Dann lagen die beiden Schilde aus der Bronzezeit vor ihm, zusammengefaltet, aber unbeschädigt. Heute sind sie europaweit namensgebend, denn nach dem ersten spektakulären Fund in Herzsprung wurden ähnliche Schilde in ganz Europa, vor allem in Skandinavien gefunden.

Kalenderfunktion der Herzsprung-Schilde ungeklärt

„Vermutlich dienten sie der Repräsentation“, sagt Antje Zeige von den Museen Alte Bischofsburg in Wittstock. „Allein ihre Machart aus dünn getriebener Bronze spricht dagegen, dass sie bei Kämpfen eingesetzt wurden.“ Die Schilde sind mit reicher Ornamentik verziert – und genau diese ist es, die Wissenschaftler ins Grübeln bringt. Allerlei Rechenexempel haben Historiker bereits unternommen, um herauszufinden, ob die kleinen „Buckel“ eventuell als Kalender dienten. Ganz aufgegangen ist diese Rechnung nie – lediglich ein Modell gilt als vergleichsweise schlüssig. Insgesamt weisen die vier inneren und äußeren Reihen 707 Buckel auf – und entsprechen damit in etwa zwei durchschnittlichen Mondjahren.

Die Schilde haben jedoch unter Atlantisforschern und -begeisterten für eine Theorie gesorgt, die Anlass für Fantasiereisen gibt: Viele Leute sehen in den Schilden mehr oder weniger den Stadtplan der geheimnisvollen Insel Atlantis – samt Zugängen und Befestigungsanlagen.

Atlantis-Plan auf Herzsprung-Schilden

Den Weg dorthin weisen sie allerdings nicht, ebenso wenig wie die Schilde im übrigen Europa. Und so bleibt selbst die Existenz der Insel Atlantis bis heute strittig. Der griechische Philosoph Platon hatte im vierten Jahrhundert vor Christus die Insel als „Insel des Atlas“ erstmals als Heimstatt einer großen Seemacht erwähnt, die in Europa und Afrika große Gebiete unterworfen habe. Dass dies eine platonische Fiktion war, darüber sind sich weite Teile der Geschichtswissenschaft einig. Andere sind weiter auf der Suche nach dem sagenumwobenen Inselreich – in ganz Europa, in Sibirien und selbst in Südafrika wollen sie Anhaltspunkte für eine versunkene Insel gefunden haben. Ganz oben steht dabei das friesische Wattenmeer mit einer Insel „Südhelgoland“ – Atlantis. Zudem war der Plan von Atlantis aufgrund platonischer Angaben rekonstruiert worden – und entspricht fast exakt der Ornamentik auf den Herzsprung-Schilden. Kalender oder Stadtplan? Antje Zeiger schmunzelnd: „Ich tendiere zur Kalenderhypothese.“

Die Originale liegen beim Landesamt für Denkmalpflege in Halle, exakte Repliken hat das Wittstocker Museum in der Sammlung.

Von Claudia Bihler

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