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Hobbydichter Erwin Winkel

Lindow Hobbydichter Erwin Winkel

Zwei Spatzen auf dem Dach haben Erwin Winkel aus Lindow zu seinem ersten Gedicht inspiriert, als er zehn Jahre war. Seitdem hat er ein Leben lang gedichtet, und viel davon auch in der Zeitung veröffentlicht.Zu seinem 80. Geburtstag überraschte ihn seine Tochter mit einem Buch voll mit seiner Lyrik.

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Erwin Winkel und das Buch mit all seinen Gedichten.

Quelle: Buddeke

Lindow. Mit einem kleinen flotten Spottvers – über einen Spargelbauern hoch auf seinem klapperigen Wägelchen – fing alles an. Da war Erwin Winkel gerade mal zehn Jahre alt. „Dafür habe ich mir von meinem Vater gleich eine gefangen“, erinnert sich der Verfasser. Seiner Leidenschaft fürs Dichten hat die Ohrfeige indes keinen Abbruch getan. Mit Freude blättert der 91-Jährige im daumendicken Buch, in dem eine seiner drei Töchter alle seine Gedichte in gedruckter Form – hübsch gebunden, bebildert und im Schuber – für ihn gesammelt und ihm zum 80. Geburtstag geschenkt hat.

„Das Problem beim Dichten sind ja die Reime“, so der gebürtige Häsener, der seit 1948 in Lindow lebt und auch der Drei-Seen-Stadt die ein oder andere Zeile gewidmet hat. Aber das war für ihn nie ein Problem. „Wenn ich einmal dabei war, ging es schnell“, sagt er. Die Themen flogen ihm zu.

Für das erste Gedicht von Spatzen inspiriert

Für das erste Gedicht – es mag in den Achtzigern entstanden sein – haben ihn zwei krakeelende Spatzen inspiriert. Er schickte es an die Märkische Volksstimme, es wurde als „Gedicht der Woche“ gedruckt. „Alle Gedichte, die ich eingeschickt habe, wurden gedruckt“, sagt Erwin Winkel stolz. Ob Trinksprüche, Jahreszeitenlyrik, erotische Gedanken oder Heimatpoesie – Erwin Winkel ging stets mit offenen Augen durchs Leben.

Und auch vor der Politik machte er nicht halt: „Selbst wenn Herr Bush sich so gebärdet / dass Hussein sein Land gefährdet / wird auch dem letzten langsam klar / den Krieg will nur Amerika“, heißt es in „Kriegsgebärden“. „Der größte Wunsch der Menschheit ist / den Krieg schnell aufzugeben / Von all den Summen die er frisst / da könnt‘ die Menschheit leben“, schreibt er in „Sehnsucht nach Frieden“ – darunter die Kinderzeichnung eines Panzers, der mit zwei roten Balken energisch durchkreuzt ist. Aber auch ein Gedicht über die „Freie Heide“ und den ehemaligen Verteidigungsminister Struck gibt es: „Vor Jahren noch Opposition / da sprach er einen anderen Ton: / Wir brauchen keinen Abwurfplatz / die Natur ist unser größter Schatz. … Als Minister darf man wohl mal lügen / Ja, auch den Wähler mal betrügen.“, textete Winkel bissig. Ironie beweist er auch in „Die Rentnerplage“ – und schlägt der Regierung, die nicht weiß, wie sie des demografischen Wandels und dessen Finanzierung Herr werden soll, gleich eine pragmatische Lösung vor: die Rentnergrippe. Die freiwerdenden Rentenmittel könne man dann getrost den Abgeordnetendiäten aufschlagen.

Erwin Winkel ist ein Gelegenheitsdichter

Erwin Winkel ist ein Gelegenheitsdichter. Wenn ihm aus heiterem Himmel ein Einfall für einen Reim überfällt, schreibt er ihn auf. „Damit ich es nicht vergesse.“ Irgendwann später verarbeitet er den Gedankensplitter dann zum Gedicht, erklärt der Rentner, der früher Schmied und später Traktoren-Schlossermeister war und auf Festen immer gut angesehen – nicht nur wegen der gelegentlich gereimten Festreden, sondern auch, weil er ein guter Witze-Erzähler war.

Auch beim Fußballteam des Lindower Sportvereins, das er in den Fünfziger Jahren trainierte, war er gut angesehen. Heute noch, trotz einiger Alters-Malessen, ist der Senior aktiv, wo er kann. Täglich fährt er auf dem Elektromobil seine Runde durch Lindow.

Das Dichten hat er beinahe aufgegeben. Aber als einmal der Urenkel aus Neuruppin zu Besuch kam und so fasziniert von den Hühnern seines Urgroßvaters war, packte es ihn noch einmal. Für den Kleinen hat er ein Büchlein über Klein-Eric und die Hühner gedichtet – illustriert hat es eine Bekannte.

Denn genauso wichtig wie das Dichten und die Natur ist für den Lindower seine Familie, die sich seit dem Tod seiner Frau vor drei Jahren rührend um ihn kümmert. Vielleicht wird er darüber irgendwann ein Gedicht schreiben.

Von Regine Buddeke

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