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Hochsaison in der Kyritzer Stärkefabrik

Kartoffelernte hat begonnen Hochsaison in der Kyritzer Stärkefabrik

Zu Spitzenzeiten bilden die Lkw und Traktoren mit ihren voll beladenen Anhängern lange Warteschlangen an der Zufahrt zur Kartoffelverarbeitungsfabrik. Die Ernte hat begonnen, es ist auch Hochsaison für die Kyritzer Stärkefabrik.

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Feldfrisch kommen die Kartoffeln in die Kyritzer Stärkefabrik.

Quelle: André Reichel

Demerthin. Seit drei Wochen rollen wieder die Kartoffeltransporte aus ganz Ostdeutschland zur Verarbeitung nach Kyritz in die Stärkefabrik. Bis zum Ende der Saison im Dezember will man im Kyritzer Werk gut 200 000 Tonnen Kartoffeln verarbeiten. Schon jetzt sind rund 23 000 Tonnen angeliefert worden. Zu Spitzenzeiten bilden die Lkw und Traktoren mit ihren voll beladenen Anhängern lange Warteschlangen an der Zufahrt zur Fabrik in der Pritzwalker Straße. Die Kennzeichen an manchen Fahrzeugen lassen darauf schließen, dass die von ihnen angelieferten Kartoffeln einen weiten Weg hinter sich haben.

Die Agrargesellschaft „Goldene Ähre“ im nur sieben Kilometer von Kyritz entfernten Prignitz-Dorf Demerthin baut ebenfalls auf einer Fläche von 230 Hektar Stärkekartoffeln an. Seit Saisonbeginn vor zwei Wochen werden auch hier an sechs Tagen in der Woche von morgens bis abends die Kartoffeln aus der Erde geholt und sogleich zur Fabrik nach Kyritz gefahren.

Einen großen Schlag dicht beim Dorf haben die Demerthiner schon abgeerntet. Nun ist ein Feld im weitläufigen Windpark unweit von Gantikow an der Reihe. Morgens kurz nach sieben rattern nacheinander mehrere Autos den schier endlos langen Plattenweg entlang. Vier Erntehelfer steigen aus. Rosita Saitzeff aus Demerthin ist eine von ihnen. Die 61-jährige ist schon die siebente oder achte Saison in der Kartoffelernte mit dabei und bringt somit die meiste Erfahrung in der kleinen Gruppe mit.

Die Erntehelfer sammeln im Akkord

Die Erntehelfer sammeln im Akkord.

Quelle: André Reichel

Zu DDR-Zeiten arbeitete sie im Konsum als Verkäuferin. Nach der Wende von 1989/90 fuhr sie viele Jahre mit einem Bäckereiverkaufswagen durch die Lande. Doch irgendwann war auch dort Schluss für Rosita Saitzeff. Um wenigstens für drei Monate der Arbeitslosigkeit zu entfliehen, kommt die Demerthinerin nun jeden Herbst zur Kartoffelernte.

Edwin Hoff aus Groß Lüben ist genau so alt wie Rosita Saitzeff. Früher war er bei der Forst als Waldarbeiter beschäftigt. Jetzt verdingt er sich als Saisonarbeiter in der Spargel- und nun zum dritten Mal in Demerthin in der Kartoffelernte. „Wer will Leute in unserem Alter sonst schon noch haben?“, winkt Edwin Hofft ab.

Ingrid Schulz ist zwar einige Jahre jünger, jedoch ist die dreimonatige Kartoffelernte für die Vehlowerin auch die einzige Möglichkeit, in der Region zu arbeiten. Dies ist für die gelernte Kindergärtnerin die fünfte Saison. Mit 42 Jahren ist Manuela Kühne aus Demerthin die Jüngste in der Runde. Für sie ist es die zweite Saison.

Dann kommt auch schon der Traktor mit der Kartoffelerntemaschine angefahren. Traktorist Marko Fischer steigt aus. Der 46-jährige Demerthiner arbeitet seit 1987 bei der „Goldenen Ähre“. Nach einer kurzen Besprechung kann die Ernte losgehen. Die vier Saisonkräfte besteigen die Maschine. Jeder nimmt seinen Platz am Kettensieb ein. Schon setzt sich der Traktor in Bewegung. Es ruckt und schaukelt gewaltig. Wer sich jetzt nicht festhält, riskiert hinzustürzen. Als der Traktor in Position ist, schaufelt die Maschine im monotonen Takt die Kartoffeln aus zwei Erdwällen gleichzeitig aus dem Boden und transportiert wie auf einem Förderband das Erntegut nach oben.

Im Schritttempo geht es jetzt Reih’ auf, Reih’ ab über das weite Feld. Jedoch holt die Maschine nicht nur Kartoffeln aus dem Boden, sondern auch Steine, Kraut und Erdklumpen. Eben diesen unerwünschten Beifang auszusortieren, ist die Aufgabe der vier Saisonarbeiter. Es ist keine leichte Arbeit, die die drei Frauen und der einzige Mann in der Truppe zu erledigen haben. Die vielen Steine verursachen einen Höllenlärm auf dem metallenen Förderband. Man versteht kaum sein eigenes Wort.

Hochkonzentriert sortieren nun die Arbeiter, was das Zeug hält – Stunden über Stunden. An manchen Stellen sind es so viele Steine, dass diese nur mit aller größter Mühe rechtzeitig vom Band geholt werden können, bevor die Kartoffeln im Bunker landen, der schon bald voll ist. Der eine oder andere Stein entgeht den eifrigen Sammlern aber trotzdem. Am Feldrand warten Traktoren mit Anhängern, um die Ernte entgegenzunehmen. Das geht so lange, bis alle Hänger voll sind. Dann treten die Kartoffeln ihre kurze Reise in die Kyritzer Fabrik an.

Fürs Frühstück und das Mittagessen rollt der Traktor mit der Kartoffelerntemaschine in seinem Schlepptau zu einem am Feldrand abgestellten Wohnwagen, der den Arbeitern als Aufenthaltsraum dient. Zeit zum Essen und endlich Gelegenheit, sich zu unterhalten. Bevor es mit der Arbeit weiter geht, kommt der Vorsitzende der Agrargenossenschaft, Harald Rensch vorbei. „Ich komme gerade aus der Stärkefabrik“, sagt Rensch. Seine Nachrichten, die er von dort mitbrachte, sind sehr gut. „Unsere Kartoffeln haben nur drei Prozent Verunreinigung durch Steine und Sand. Das ist ein Spitzenwert“, lobt Harald Rensch. Gut ist auch mit 18,9 bis 22,5 Prozent der Stärkegehalt der Demerthiner Kartoffeln.

Noch bis in den November hinein werden die Demerthiner ihre Kartoffeln ernten. Angepeilt ist eine Menge von 8300 Tonnen. Davon werden 2000 Tonnen kurzzeitig eingelagert und nach und nach bis zum Ende der Kampagne in der Stärkefabrik bis kurz vor Weihnachten abgeliefert. Die vier Saisonarbeiter wollen im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder mit dabei sein. Harald Rensch freut dies, denn für ihn ist es nicht immer einfach gewesen, gute Kräfte zu bekommen. „Mit dem derzeitigen Team bin ich überaus zufrieden“, sagt er.

Von André Reichel

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