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Höhere Standards im Kuhstall

Milchqualität im Kränzliner Agrarbetrieb Höhere Standards im Kuhstall

Milch gehört in Deutschland zu den am gründlichsten untersuchten Lebensmitteln. Viele Bauern schließen sich freiwillig einem Kontrollsystem an. Die Kosten für die Untersuchungen tragen sie meist selbst. Angesichts der schlechten Preise fühlen sich viele Bauern allerdings mittlerweile an der Nase herumgeführt.

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Milchkühe müssen tagaus, tagein viel Milch in ausgezeichneter Qualität liefern.

Quelle: Peter Geisler

Kränzlin. Die Standards in der deutschen Milcherzeugung gehören zu den weltweit besten. Doch angesichts der existenzbedrohenden Milchpreise blicken die deutschen Bauern etwas frustriert auf die Milchproduzenten in anderen Ländern, die ihre Milch ebenso gut verkaufen. Eine Verschärfung der Kriterien ist momentan nicht gerade das, was die deutschen Milchbauern bewegt. Sie haben andere Probleme und wären dankbar, wenn sie den so hoch gepriesenen Qualitätsstandard auch preislich vergütet bekämen.

Doch sie müssen sich gedulden. Voraussichtlich mindestens bis Mitte des Jahres, so lauten die Prognosen. Momentan entwickelt sich zumindest das Qualitätsmanagementprogramm des deutschen Milchsektors, QM-Milch, weiter. Das System, das strenge Sicherheits- und Qualitätsanforderungen für die Milcherzeugung definiert und diese flächendeckend kontrolliert, geht auf die Initiative des Deutschen Bauernverbandes, des Deutschen Milchindustrieverbandes und des deutschen Raiffeisenverbandes zurück. Seit 2012 ist der Qualitätsstandard von der Deutschen Akkreditierungsstelle anerkannt. Nun tritt eine aktualisierte Fassung in Kraft. „Mit dieser werden insbesondere überarbeitete gesetzliche Vorgaben sowie steigende gesellschaftliche Ansprüche für den Bereich der Milcherzeugung berücksichtigt“, teilt QM-Milch mit. „Hohe Standards in der Milcherzeugung legen den Grundstein für die Wettbewerbsfähigkeit der Milchprodukte und sichern deren Abnahme.“

Auch Ina Kroschewski, Geschäftsführerin der Kränzliner Agrargesellschaft, ist daran interessiert, dass die in ihrem Betrieb produzierte Milch von guter Qualität ist. Deshalb lässt sie freiwillig einmal im Monat ihre Milch durch den Landeskontrollverband untersuchen. Dabei wird jede Kuh bezüglich der Milchleistung und der Qualität unter die Lupe genommen. Zellzahl und Harnstoffwerte werden kontrolliert. „Der Harnstoffgehalt der Milch gibt Aufschluss darüber, ob das Tier optimal versorgt wird“, sagt die Landwirtin. „Er lässt Rückschlüsse auf die Eiweiß- und Energieversorgung des Tieres zu.“ Anhand der Zellzahl kann die Eutergesundheit der Kühe beurteilt werden. Die Kontrollen sind allerdings nicht kostenlos. Wie viel der Betrieb dafür aufbringen muss, hängt von der Anzahl der Tiere ab. „Einige Milchviehhalter haben sich bereits auf Grund ihrer finanziellen Notlage vom Verband verabschiedet“, sagt die Geschäftsführerin. Doch so lange ihr Betrieb noch einigermaßen über die Runden kommt, möchte sie diese Möglichkeit weiter nutzen, denn die Auswertungen sind für den Betrieb sehr nützlich. „Anhand des Fütterungsberichts kann ich sehen, wo meine Herde steht, und kann reagieren, wenn Tiere unter- oder überversorgt sind.“

Nicht nur der Landeskontrollverband, auch die Molkereien nehmen regelmäßig Milchproben, wenn sie mit dem Tankfahrzeug auf den Hof kommen. Im Labor wird die Milch auf Fett- und Eiweißgehalt, Keimzahl, Zellzahl und Hemmstoffe untersucht. Als Berechnungsbasis wird ein Fettgehalt von 4 Prozent und ein Eiweißgehalt von 3,4 Prozent angenommen. Abweichungen werden durch Zu- und Abschläge berücksichtigt. Der Zellgehalt darf 400 000 je Milliliter nicht überschreiten. Die Kontrolle auf Hemmstoffe ist für die Molkerei ebenfalls von Bedeutung. Kommt es bei einer Kuh zu einer Eutererkrankung, bei deren Behandlung Antibiotika eingesetzt werden müssen, so können Rückstände in der Milch auftreten, wenn nicht alle Vorsichtsmaßnahmen strikt eingehalten werden. Hemmstoffe wirken auf das Wachstum von Mikroorganismen und Lebewesen hemmend, weshalb eine Verarbeitung der Milch zu Joghurt oder Käse dann nicht mehr möglich ist. Bei positivem Testergebnis muss der gesamte Milchsammelwagen von der Milchlieferung ausgeschlossen werden. Informationen an das Veterinäramt, Strafzahlungen und weniger Milchgeld sind die Folgen für den Landwirt.

Auch das Veterinäramt des Landkreises kommt obligatorisch einmal im Jahr nach Kränzlin, um Sauberkeit, Tiergesundheit und Fütterung zu kontrollieren. Die technischen Anlagen lässt Ina Kroschewski ebenfalls regelmäßig überprüfen. „Unsere Kühe sind Hochleistungstiere“, sagt sie. „Sie reagieren sehr sensibel, wenn die Melktechnik nicht stimmt.“ Auf ihrem Schreibtisch liegt der Abschlussbericht des Deutschen Milchkontors zu einer Selbsteinschätzung, der sich der Kränzliner Agrarbetrieb im vergangenen Jahr freiwillig unterzogen hat. Er gehört zu den 61 Prozent der Lieferanten, die sich bezüglich Kuhkomfort, Tiergesundheit, Futteranbau, Fütterung und Milchqualität geoutet haben. Dank der Auswertung weiß Ina Kroschewski, dass ihr Betrieb alle Anforderungen übererfüllt. Doch Sauberkeit, Qualität und Kuhgesundheit sind für sie in einem Landwirtschaftsbetrieb eine Selbstverständlichkeit. „Schließlich habe ich drei Jahre gelernt und vier Jahre studiert. Und ich bin selbst Verbraucher. Trotzdem muss ich mich ständig rechtfertigen.“ Wo sie allerdings noch sparen soll, um im europaweiten Milchpreistief bei ständig steigenden Kosten auch weiterhin ohne Liquiditätsprobleme über die Runden zu kommen, weiß sie nicht so recht.

Von Cornelia Felsch

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