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Hohe Denkmalschutzauflagen auf der Baustelle

Wittstocker Sanierung einer Mogelpackung Hohe Denkmalschutzauflagen auf der Baustelle

Die Hälfte des Hauses an der Ecke Königstraße/Kleine Kettenstraße in Wittstock ist längst abgerissen. Nun geht's an den Rest Bausubstanz. Die hält einige Überraschungen bereit und erweist sich an mancher Stelle als Mogelpackung. Doch der Denkmalschutz hat hohe Forderungen. Das erschwert die Sanierung.

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Noch in diesem Monat soll an der Ecke König- und Kleiner Kettenstraße das Dach gedeckt werden. Es wird eine kunterbunte Mischung.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. Bis etwa Jahresende soll das Haus an der Ecke König-straße/Kleine Kettenstraße in Wittstock fertig sein. Davon geht André Linke von der Wittstocker Wohnungsbaugenossenschaft aus, die dort ein ehrgeiziges Bauprojekt verfolgt. Denn an dieser Stelle werden aus einem ursprünglich einzelnen Eckhaus zwei Häuser ‒ ein Neubau zur Kleinen Kettenstraße hin und ein sanierter Altbau auf Seiten der Königstraße. Grund: Das alte Haus war nur noch zum Teil sanierungsfähig, weshalb eine Hälfte abgerissen wurde.

Sanierung nicht ohne Überraschung

Im Neubau liefen derzeit der Innenausbau, der Trockenbau, die Elektroinstallationen und die Einrichtung der sanitären Anlagen. Etwas umfangreicher sind die Arbeiten nebenan im Altbaubereich. "Die Zimmererarbeiten sind größtenteils abgeschlossen und die Gefache ausgemauert. Demnächst werden die Fußböden hergestellt", sagt André Linke. Bei den gesamten Sanierungsarbeiten wacht die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises darüber, dass die Historie weiterlebt. Wo Balken eingezogen werden müssen, vor Ort aber nicht genügend brauchbares Material wiederverwendet werden kann, komme nicht etwa neues, sondern historisches Bauholz zum Einsatz. "Es gibt spezielle Händler, die historische Baumaterialien ‒ also zum Beispiel alte Balken ‒ anbieten", erklärt Linke. Die WBG greife auf solche Angebote zurück, denn bei der Sanierung alter Häuser geht es nur selten ganz ohne "Überraschungen" ab. Da machte auch das Projekt an der Ecke Königstraße/Kleine Kettenstraße in Wittstock keine Ausnahme. André Linke berichtet von einem Deckenbalken im Obergeschoss, der zunächst solide erschien, sich dann aber als Mogelpackung erwies. Denn vermutlich in den 1980er Jahren hatten sich Handwerker unkonventionell beholfen, indem sie morsches Holz vom Originalbalken entfernten und schlicht eine Holzbohle davornagelten. "So etwas können wir natürlich nicht drinlassen", sagt André Linke. Das wäre mit den Forderungen des Denkmalschutzes nicht vereinbar.

Biberschwänze in wilder Mischung auf dem Dach

Die Behörde habe außerdem verlangt, dass das Dach des Altbaus mit drei verschiedenen Sorten von Biberschwänzen eingedeckt wird ‒ und zwar ohne System, sondern vielmehr "in einer wilden Mischung", wie Frank Brigzinsky, Inhaber der gleichnamigen Dachdeckerfirma aus Wittstock, sagt. Für ihn sei dieser Auftrag zwar nicht alltäglich, aber auch nicht einzigartig. "Wir haben das schon ein paar Mal gemacht." Die bunte Mischung solle das historische Erscheinungsbild des gesamten Hauses unterstreichen und sich von der Gleichförmigkeit einer einzelnen Dachsteinsorte absetzen. Mit dem Eindecken werde voraussichtlich am 24. Juni begonnen. Derzeit seien noch einige Vorarbeiten zu erledigen.

Des Weiteren fordere der Denkmalschutz laut André Linke, dass Innentüren, die nicht wieder verwendet werden, auf dem Dachboden eingelagert werden sollen.

"Diese alten Türen sind Bestandteil des Denkmals. Aufgrund genehmigter Grundrissänderungen und durch den Abbruch des Seitenflügels werden einige historische Bauteile, unter anderem auch Türen verschiedener Epochen, übrig bleiben", bestätigt Britta Avantario, Sprecherin der Kreisverwaltung. Diese Objekte sicher einzulagern, diene vor allem dem Erhalt und dem Schutz der Substanz sowie der Dokumentation. Das Gebäude werde als "bedeutendes Denkmal" für Wittstock eingestuft, weshalb sich die neue rückwärtige Fassade und der neue Seitenflügel in die Substanz des Hauses einordnen müssten, so Britta Avantario weiter.

Von Björn Wagener

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