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Ostprignitz-Ruppin Hohe Nitrat-Mengen noch kein Grund für Panik
Lokales Ostprignitz-Ruppin Hohe Nitrat-Mengen noch kein Grund für Panik
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02:16 24.03.2018
Das Grundwasser wird landesweit regelmäßig im Labor kontrolliert – auch auf seinen Nitratgehalt. Quelle: Matthias Anke
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Schönhagen/Brunn

Seit einiger Zeit beschäftigen erhöhte Nitrat-Werte im Grundwasser, aus dem auch Trinkwasser stammt, die Landesregierung. Speziell das Landesumweltamt hat das Thema auf dem Tisch. Nun warnte zuletzt erneut die Grünen-Fraktion im Potsdamer Landtag vor diesem Zustand. Daten wurden gesammelt, wonach in 15 Orten der Nitratgehalt über dem Trinkwassergrenzwert von 50 Milligramm pro Liter liegt. Drei Stellen davon befinden sich im Nordwesten des Landes: bei Schönhagen und Stavenow in der Prignitz sowie Brunn bei Wusterhausen.

In den Trinkwasserwerken ist aber alles in Ordnung

Vor Ort sind Bürger, die davon erfahren, entsprechend in Sorge. Dabei gibt es wohl wenig Grund dazu. Das betont auch Gundula Modde, Leiterin des kommunalen Dienstleistungsbetriebs in Gumtow als örtlicher Wasserversorger. „Ich bin schon mehrfach deshalb angerufen worden“, sagt sie. Beruhigend erkläre sie stets, dass Schönhagen aber vom Trinkwasserwerk Vehlin aus versorgt wird. „Wir beproben unser Wasser jährlich in einer großen Aktion und ansonsten alle drei Monate.“ Die letzten in Vehlin erfassten Werte lagen nur zwischen 0,74 und 1,15 Milligramm pro Liter.

Ebenso regelmäßig wird das Trinkwasser im Gebiet des Wasser- und Abwasserverbands „Dosse“ beprobt. Daher bräuchte sich auch in Brunn niemand zu sorgen. Dort wird das Wasser ohnehin ebenso aus einem benachbarten Werk bezogen – aus Trieplatz. „Dass wir eine eigene Messstelle haben, wusste ich gar nicht“, sagt Ortsvorsteher Jan Heinze. Sie befindet sich in Richtung Heilbrunn. In Schönhagen guckt das unscheinbare Rohr am Weg nach Döllen aus der Erde.

Die Grundwassermessstelle zwischen Schönhagen und Döllen ist eine von landesweit knapp 1300. Quelle: Matthias Anke

Netz von landesweit rund 1300 Grundwasser-Messstellen

Die Messstellen gehören zu einem landesweiten Netz. Dem Landesumweltamt dient es seit den 1990ern für ein sogenanntes Grundwassermonitoring. Es entsteht jeweils ein „Bericht zur Grundwasserbeschaffenheit“.

Zuletzt hieß es in dem Ende 2015 für die Jahre 2006 bis 2012 vorgelegten: „Insgesamt werden Analysen von 1287 Grundwassermessstellen ausgewertet, die gleichmäßig über das Land verteilt sind. Im landesweiten Mittel gibt es eine Grundwassermessstelle auf 20 Quadratkilometern.“ Und: „Ein Schwerpunkt des Berichts liegt auf der Beurteilung des landwirtschaftlichen Einflusses auf das Grundwasser.“

Nitrat gilt als wichtiger Indikator. „Die Freisetzung von Stickstoffverbindungen, die vor allem durch die Verwendung von Düngemitteln, durch Tierhaltung und durch Verbrennungsprozesse freigesetzt werden, ist in den letzten Jahrzehnten drastisch gestiegen.“ Diese Verbindungen gelangen größtenteils in Form von Nitrat ins Grundwasser.

Höchster je in Schönhagen erfasster Nitrat-Wert lag bei 260 Milligramm

Für Gundula Modde besteht trotz gewisser Nähe zur auffälligen Messstelle kein Problem. Sie verweist auf „verschiedene Grundwasserleiter“. Auch dürfte es schwer sein zu beurteilen, ob der Nitrat-Eintrag über die Felder in der Nähe erfolgte oder woanders. Pauschal dürften die Landwirte nicht verurteilt werden. Gumtows Bürgermeister Stefan Freimark – zunächst ebenso verunsichert – ist jedenfalls erleichtert: „Unser Trinkwasser ist davon nicht betroffen. Die Bevölkerung muss sich nicht sorgen.“

Der höchste in Schönhagen gemessene Wert lag im Jahr 2000 bei über 260 Milligramm. Gegenwärtig pendelt er um die 100 Milligramm je Liter.

„Wir kennen diese Überschreitungen, können uns aber auch keinen Reim darauf machen“, sagt Christian Stettin, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Prignitz. Auch sie weiß, dass bei erhöhten Nitratwerten schnell die Landwirtschaft als Verursacher gilt. „Doch es könnte sich auch um Altlasten handeln, die sich aus früherer Zeit im Boden befinden“, sagt die diplomierte Agraringenieurin. Sie begrüßt daher, dass der Ursache wissenschaftlich auf den Grund gegangen werden soll.

Ergebnisse zu möglichen Ursachen sollen bis 2019 vorliegen

„Im Rahmen eines Projektes, das federführend durch die Abteilung Landwirtschaft im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Entwicklung begleitet wird, sollen mögliche Ursachen für die hohen Nitratkonzentrationen ermittelt werden“, sagt Thomas Frey, Sprecher des Landesamtes für Umwelt. Das Projekt wurde vergeben und wird von einer Teltower Firma bearbeitet. Es soll bis März 2019 abgeschlossen sein. Bis dahin lasse sich laut Frey nichts über Verursacher sagen – die für die Einhaltung der Grenzwerte verantwortlich sind.

Nitrat gilt zwar als ungiftig, aber es kann im Körper zu Nitrit werden. Diese kann als krebserregend geltende Nitrosamine bilden. Vor zu hohen Nitratgehalten im Trinkwasser sind daher vor allem schwangere Frauen und Säuglinge zu schützen.

Von Matthias Anke und Andreas König

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