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Holger Grobel ist Neu-Imker

Zühlen Holger Grobel ist Neu-Imker

Zeit ohne Ende braucht, wer Imker sein will. Das sei eine Mär, sagt Holger Grobel. Der Zühlener hält erst seit zwei Jahren Bienen und will Möchtegern-Imkern Mut machen. Er selbst hat mit minimalen finanziellen und zeitlichen Aufwand das Hobby gestemmt – und baut es zum Beruf aus. Seine Bienenvölker sind seit diesem Jahr sogar im Tierpark Kunsterspring zu sehen.

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Holger Grobel aus Zühlen hält erst seit zwei Jahren Bienen – und will sein Wissen an Neu-Imker und Imkerei-Interessierte gern weitergeben.

Quelle: Celina Aniol

Zühlen. Sprichwörtlich ist der Fleiß der Bienen. Fast mindestens genauso geläufig ist, dass die Imker besonders arbeitseifrige Menschen sein sollen. Doch brauchen sie wirklich so viel Zeit für ihre Berufung, wie sie vorgeben? „Ach was, das ist doch alles übertrieben“, wehrt Holger Grobel ab. Die Frau eines seiner Imkerväter hatte seine Lebensgefährtin gewarnt, dass sie ihren Partner nicht mehr sehen wird, wenn dieser mit der Bienenzucht anfängt. „Das ist eine Mär, dass man so immens viel Zeit braucht.“ Zehn bis 20 Minuten pro Volk und Woche genügen im Schnitt vollends, ist der Imker aus Zühlen überzeugt. „Außer, man braucht Ablenkung vom Familienleben“, flachst Holger Grobel, der das Thema aber insgesamt unglaublich wichtig findet. „Wenn die Imker immer damit argumentieren, dass sie so wahnsinnig viel Zeit für ihre Arbeit brauchen, dann schrecken sie Leute ab, die gern damit anfangen würden. Da wird unnötig Angst erzeugt.“ Auch, dass die Bienenhaltung so kompliziert sei oder dass man den Honig nicht loswird, erzählen Alt-Imker gern, berichtet Grobel, der trotz alldem vor Kurzem mit seinem Hobby anfing, das sich gerade zu einem Beruf auswächst.

Gleich drei Imkerväter hatte der Neuling

„Ich wollte ganz banal etwas machen, wovon niemand auf dem Hof Ahnung hat, damit mir niemand reinreden kann“, sagt der 54-Jährige, der 2012 der Liebe wegen von Berlin nach Zühlen gezogen ist. Und das waren auf dem tierreichen Hof nunmal Bienen. Mit einem Bienenvolk, in dem zwischen 30 000 und 50 000 Bienen leben, hat er 2014 begonnen. Zum Jahresende hatte er schon acht und im Jahr darauf 27 Völker. Sieben sind ihm im Winter aber wieder eingegangen. „Anfängerfehler“, sagt der Imker. Jetzt hat er samt Ablegern wieder 25 honigbringende Völker. Gleich drei Imker aus der Umgebung hatte er als Imkerväter bei dem Unterfangen, Bienen zu halten. Das findet Holger Grobel wichtig, um einen eigenen Weg bei der Bienenhaltung zu finden. „Wenn drei Imker an einem Tisch sitzen, haben sie vier verschiedene Meinungen zu einem Thema“, sagt Grobel und lacht.

Im Tierpark Kunsterspring bietet er nun Führungen zu Biene und Co. an

Gleich 2015 hat er auch im Tierpark Kunsterspring angefragt, ob er dort seine Kästen aufstellen kann. „Ich bin dort mit offenen Armen empfangen worden. Der Parkleiter Peter Mancke fand die Idee, den Besuchern die Arbeit der Bienen nahezubringen, richtig gut.“ Seit Mai dieses Jahres gibt es nun die Themenführung „Gelée Royale: Wie wird eine Biene zur Königin?“. Der Imker erzählt dabei jeden Mittwoch im Kunstertal, wie viele Eier eine Bienenkönigin am Tag legt oder welche Aufgabe die Drohnen haben. „Die Herren sind ja nur dazu da, die Königin zu begatten – und das auch nur alle paar Jahre“, fängt der Fachmann gleich zu plaudern an. Ansonsten boykottieren die Drohnen alle Arbeiten im Bienenstock, werden sogar von den Bienen durchgefüttert, weil sie nicht in der Lage sind, Nektar selbst aufzunehmen. „Wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben, werden sie ungefähr nach im Sommer nicht mehr in den Bienenstock gelassen. Sie verhungern kläglich.“ Neben den Führungen will Holger Grobel im Tierpark bald auch einen Bienenstand auf Rädern hinstellen, in dem die Besucher Schaubeuten in aller Ruhe beobachten können. Er ist gerade dabei auf dem Zühlener Hof, einen alten Bienenwagen umzubauen.

Bienenkästen hat Holger Grobel selbst gebaut und so viel Geld gespart

Grobel selbst hatte sich neben dem Abgucken bei Kollegen, alles andere übers Lesen und Ausprobieren angeeignet. „Ich hatte nicht die Zeit, um mich in irgendwelchen Lehrgängen rumzutummeln.“ Und Vorerfahrungen hatte er kaum. Als Kind bekam er nur ein bisschen mit, weil ein Nachbar in der Gartenkolonie seiner Eltern Biene hatte. „Ich schaute zwar öfter bei dem Imker vorbei. Aber in Wahrheit fand ich die Tochter des Nachbarn viel interessanter als die Königinnen“, erzählt Holger Grobel, bevor er weiter über seine neue Leidenschaft plaudert – und das kann er stundenlang. Von seiner sanftmütigen Bienenrasse Carnica, von den Bienenkästen, die er allesamt selbst gebaut hat, von den Knoblauchnetzen, die er mit erfolg statt teuren Spezialmaterials für Binnenkitgewinnung verwendet.

Beobachten ist die oberste Regel des Bienenhandwerks

„Die Arbeit mit Bienen macht Spaß – und beruhigt die Nerven“, sagt Holger Grobel, der bis zum Umzug nach Zühlen nichts mit Landwirtschaft am Hut hatte. Jetzt zieht er bedächtig seine Imker-Kluft über und geht auf die idyllsche Wiese hinter dem Haus, um nach den Bienen und dem Honig zu schauen, der bald erntereif ist. „Ich genieße ihn am liebsten pur, direkt mit dem Löffel aus dem Glas.“ Der Himmel zieht sich zu, das große Schwirren um die Bienenkästen beruhigt sich augenblicklich angesichts des heranziehenden Regens. Jetzt ist kein guter Moment, um die Beute zu öffnen. „Das mögen die Damen überhaupt nicht“, sagt Holger Grobel. „Man muss sich als Imker tierisch konzentrieren und darf nicht hektisch rangehen, sondern muss beobachten, beobachten und nochmal beobachten."

Von Celina Aniol

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