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Ostprignitz-Ruppin „Honeckers waren ganz normale Leute“
Lokales Ostprignitz-Ruppin „Honeckers waren ganz normale Leute“
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00:17 07.04.2016
Die Geschichte des Mannes, bei dem Honecker wohnte, interessierte am Sonntagnachmittag viele Menschen. Die Heiliggeistkirche in Wittstock war gut gefüllt. Quelle: Björn Wagener
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Wittstock

„Die Honeckers waren ganz normale Leute. Sie hatten nichts Grausames oder Arrogantes an sich, aber sie waren bis zum Fanatismus vom Sozialismus überzeugt.“ So beschreibt Uwe Holmer das „Erste Ehepaar“ in der ehemaligen DDR – Erich und Margot Honecker. Der Pastor aus Lobetal bei Bernau (Barnim) muss es wissen, denn er nahm die Honeckers kurz nach dem Fall der Mauer bei sich auf. Gut acht Wochen lang wohnten sie mit ihm unter einem Dach. Damit gehört Holmer zu den wenigen Menschen, die Gelegenheit hatten, die Honeckers über eine längere Zeit ganz privat kennenzulernen.

Am Sonntagnachmittag erinnerte sich der inzwischen 87-Jährige in der voll besetzten Wittstocker Heiliggeistkirche an jene prägenden Wochen, über die er auch ein Buch geschrieben hat: „Der Mann, bei dem Honecker wohnte.“ Dass die Wittstocker an Holmers Erlebnissen teilhaben konnten, hatte die Landeskirchliche Gemeinschaft Wittstock ermöglicht.

Die Honeckers waren obdachlos

Am 30. Januar 1990 rollten dunkle Limousinen vor – die Honeckers. Sie wurden nicht nur von Sicherheitskräften, sondern auch von ihrem Arzt begleitet, bei dem sich Erich Honecker kurz zuvor einer Nierenoperation hatte unterziehen müssen. Der damals 77-jährige ehemalige Staatsratsvorsitzende war in jenen Tagen wegen Hochverrats und Amtsmissbrauchs verhaftet worden, aber sein Gesundheitszustand ließ eine Inhaftierung nicht zu. Doch wohin? Die Siedlung für Parteigrößen in

Der 87-jährige Uwe Holmer erinnerte sich in der Wittstocker Heiliggeistkirche an seine Zeit mit den Honeckers. Quelle: Björn Wagener

Wandlitz gab es nicht mehr. Die Honeckers waren obdachlos. „Sie erlebten einen Fall von den höchsten Höhen in den tiefsten Abgrund“, sagte Holmer. Die Entscheidung, ob er den Honeckers Asyl gewähren sollte, habe er sich nicht leicht gemacht. Dass sich Holmer letztlich dafür entschied, hing vor allem mit seinem christlichen Glauben zusammen, bei dem Vergebung eine zentrale Rolle spielt – „und vergib’ uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“, heißt es im Vaterunser. Genau das tat Holmer, auch gegen viele Anfeindungen, wie er sagte. In Briefen und Gesprächen sei er oft beschimpft worden, wie er einem solchen „Verbrecher“ Obdach geben und ihm vergeben könne. Holmer habe erwidert, dass er persönlich Honecker vergeben habe. Ob er vergibt, müsse jeder mit sich selbst ausmachen. Holmer wollte zudem nicht die neue Zeit mit „Zank und Streit“ beginnen lassen.

Viel frische Luft, nicht zu viel Aufregung

„Schauen Sie, dass er an die frische Luft kommt und nicht zu viel Aufregung hat“, hatte Honeckers Arzt Uwe Holmer geraten. So sei er jeden Tag mit den Honeckers um den See gegangen, „und wir haben uns unterhalten“, erzählt der Pastor. Das Medieninteresse war groß, doch „die Honeckers haben sich nicht filmen lassen. Nur er erzählte. Wenn ich von kirchlichen Dingen sprach, schwieg er.“ Der ehemalige Staatschef habe kein Verständnis für die Wiedervereinigung gehabt.

Besucher im Publikum wollten wissen, ob Honecker von den Missständen in der DDR gewusst habe. „Das weiß ich nicht. Aber er umgab sich mit vielen Ja-Sagern, die ihm zum Munde redeten. Und er hörte nur die Erfolgsmeldungen.“ Da zudem bei der Versorgung in Wandlitz etwa Weststandard vorherrschte, habe er die Mangelwirtschaft in ihrem Ausmaß wohl „so nicht erkannt“.

Von Björn Wagener

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