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Hornissen: In der Ruhe liegt die Kraft

Umsetzen ist Fall für Fachmann Hornissen: In der Ruhe liegt die Kraft

Wer Hornissen auf dem Hof oder am Haus hat, fürchtet sich, gestochen zu werden. Doch die großen Insekten sind weniger angriffslustig als etwa Wespen – und obendrein eine geschützte Tierart. Deshalb ist das Umsetzen oder Beseitigen von Völkern ein Fall für den Fachmann.

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Hornissen sind weniger aggressiv als Wespen. Quelle: Klaus Dietmar Gabbert

Wittstock. Ihr Stich schmerzt, aber zum Glück ist sie gutmütig: Wenn sich Hornissen in diversen Vorsprüngen, Löchern oder sonstigen lauschigen Ecken einnisten, sind die Hausbesitzer meist wenig begeistert. Doch was tun, wenn es summt und surrt? immerhin sind Hornissen nicht nur von vergleichsweise beeindruckender Größe, sondern auch eine geschützte Tierart. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet, „Fortpflanzungs- und Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören“.

Ausnahmen sind möglich

Sollte die Situation allerdings zu einer „unzumutbaren Belastung“ führen, könne auf Antrag eine Befreiung von diesem Verbot gewährt werden, teilt die untere Naturschutzbehörde des Kreises dazu mit. Der Genehmigungsbescheid sei gebührenpflichtig. Wenn sich eine solche unzumutbare Belastung nach der Überprüfung bestätigt, werde ein Fachmann mit der Beseitigung oder Umsetzung des Volkes beauftragt.

Einer wie Schädlingsbekämpfer Peter Prügel aus Kyritz. Er habe nach eigenen Angaben jährlich rund 100 Einsätze wegen stechender Insekten. Die Saison reiche von etwa Mai bis Oktober. Der Fachmann ist seit 36 Jahren im Geschäft. Seiner Erfahrung nach führe der verstärkte Einsatz von Chemie im Ackerbau dazu, dass die Insekten größer würden und ihre Stiche schmerzhafter. Gleichzeitig würden die Menschen immer empfindlicher ihnen gegenüber. So kennt Peter Prügel einen Fall aus Wittstock, bei dem ein Mann nach einem Wespenstich ins Krankenhaus kam. Allerdings seien Insektenstiche auch von unterschiedlicher Intensität. „Bei manchen kratze ich mich ein paar Mal, dann ist es gut. Bei anderen ist es schlimmer, da schwillt die Stelle an.“

Wöchentlich bis zu drei Fälle

So leicht wie Peter Prügel steckt nicht jeder das Gift weg. Laut Arne Teschner, Chefarzt in der Wittstocker KMG-Klinik, würden derzeit wöchentlich ein bis drei Fälle von Hornissenstichen behandelt. „Wir müssen uns da natürlich auf die Angaben der Patienten verlassen.“ Wer weiß, dass er auf Insektenstiche allergisch reagiert, sollte in jedem Fall zum Arzt gehen. Bei Luftnot sei die Situation besonders ernst. „Das kann sogar zum Tod führen.“ Aber auch bei Hautausschlag als Folge eines Stiches empfiehlt Teschner den Weg zum Arzt. In der Regel können die Patienten die Klinik aber nach einem Tag wieder verlassen. Die Zahl der Fälle sei jedes Jahr in etwa gleich, in diesem Jahr sogar etwas geringer, hat Chefarzt Teschner den Eindruck.

Notfallsets für Allergiker

Nach Stichen von Hornissen oder Wespen rät Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der Barmer GEK Berlin-Brandenburg „auf allergische Reaktionen zu achten“. Bei Schwindel, Übelkeit, Luftnot oder Herzrasen: Sofort den Notarzt rufen.

Etwa drei Prozent der Deutschen leiden an einer Insektengiftallergie. Das sind 2,4 Millionen Menschen. Eine solche Allergie kann über eine Blutuntersuchung festgestellt werden. Ärzte können in diesem Fall ein Notfallset mit Adrenalinspritze, Kortison und einem Antihistaminikum verschreiben, das Allergiker dann auch immer bei sich tragen sollten. „Wer eine Insektengiftallergie hat, sollte außerdem auf süßlich riechende Parfüms, Aftershaves oder Haarsprays verzichten, da diese Wespen ebenfalls anziehen können“, so Leyh.

Mit einer spezifischen Immuntherapie , der sogenannten Hyposensibilisierung, können sich Betroffene vor den Folgen eines Wespenstichs schützen. Dabei erhalten die Patienten verdünntes Insektengift, an das sich der Körper mit der Zeit gewöhnt und daher die allergische Reaktion abschwächt oder ganz aufhebt. Die Erfolgsquote liegt bei über 90 Prozent, allerdings dauere die Behandlung zwischen drei und fünf Jahren, in seltenen Fällen sogar lebenslang.

Für Nicht-Allergiker gilt nach einem Insektenstich: Zuerst den Stachel vorsichtig entfernen, am besten mit einer Pinzette. Dann die stachelfreie Wunde mit einem feuchten Tuch oder einer Gel-Kühl-Kompresse kühlen.

Doch auch wenn Stiche immer mal wieder vorkommen: Bei Hornissen wirbt die Naturschutzbehörde um Verständnis: „Sie sind weder schädlich noch gefährlich. Sie greifen nie grundlos an, verteidigen sich lediglich bei direkter Bedrohung“, heißt es. Wenn etwa vier Meter um das Nest herum heftige Bewegungen und Erschütterungen des Wabenbaus vermieden und Flugloch und Wabenbau nicht angetastet werden, blieben Hornissen harmlos. Auch sollte die Flugbahn nicht verstellt werden.

Auch nachts unterwegs

Die großen Insekten sind tag- und nachtaktiv. Da sie auch in der Dämmerung fliegen, können sie Lichtquellen ansteuern, aus deren „Bann“ sie sich dann nicht mehr lösen können. Da sie sich dann aber nicht in Nestnähe befinden, seien sie selbst bei Störungen nicht angriffslustig. Bei häufig geöffneten Fenstern in Nestnähe helfe das Anbringen einer Fliegengaze, die nicht nur Hornissen, sondern sämtliche Insekten abhält.

Kommt es doch einmal vor, dass eine Hornisse in ein beleuchtetes Zimmer geflogen ist, brauche sie einige Minuten, um sich neu zu orientieren, nachdem das Licht ausgeschaltet wurde. Danach verlasse sie den Raum aber wieder durch das geöffnete Fenster. „Hornissen haben nicht die Absicht, in Wohn- oder Schlafzimmern zu übernachten“, erklärt die untere Naturschutzbehörde.

Von Björn Wagener

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