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Ostprignitz-Ruppin Horst Evers brillierte in Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Horst Evers brillierte in Neuruppin
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02:16 09.11.2015
Horst Evers: skurrile Szenen, lustvoll fabuliert und trockene Pointenknaller aus dem Hinterhalt. Quelle: Buddeke
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Neuruppin

Detailverliebt – das ist das Erste, was einem schon nach kurzer Zeit zu Horst Evers einfällt. Etwa, wenn er zu Beginn seines Auftritts am Donnerstagabend den 550 Zuhörern im Neuruppiner Kulturhaus versucht, ein Kant-Zitat nahezubringen, das sich mit knifflig-moralischen Entscheidungen des Alltags befasst. Da lässt er sich fünf Minuten drüber aus, bevor er das Ganze auf den Kern heruntergebrochen hat: Denk nach, was du tust. Im Idealfall, bevor du es tust. Schon hat er die Fans, wo er sie haben will. Sie hängen an seinen Lippen, geduldig. Bevor bei Evers die Pointe kommt, braucht es etwas Zeit. Schnellschüsse sind seine Sache nicht. Horst Evers ist ein Mann des genussvollen Vorspiels.

So auch bei der Episode mit der schönen Polizistin, die eine Stimme hat, „als hätte sie einen Schnauzbart“. Horst Evers senkt seine Stimme bis zum tiefsten Bass, als er die unerbittliche Beamtin mimt. Ihrem Partner, der wiederum so aussieht, wie sie spricht, leiht er ein zartes Fisteln. Und schon nimmt die erste bizarre Geschichte ihren Lauf, in der Evers als Radfahrer über eine rote Ampel düst, sich immer mehr im Gestrüpp seiner Ausreden verstrickt. Am Ende bittet er – um nicht als Lügner dazustehen – aus dem Streifenwagen heraus per SMS einen Freund , die Nachbarin dazu zu bringen, dass sie einen allergischen Schock simuliert, damit er das „lebensrettende Medikament“ in Form eines Tic Tac überreichen kann. Letztlich gibt es die Anzeige und eine fette Strafe natürlich trotzdem, denn weder die Polizistin noch ihr Kollege sind von gestern.

„Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex“, so der Titel des Programms, der sich nicht wirklich erschließt. Egal: Evers’ Charme liegt im Fabulieren – bei ihm wird aus der banalsten Alltagssituation ein Stück aus dem Tollhaus. Wie etwa der Einkauf im Supermarkt, bei dem die Suche nach „politisch korrekten“ Heidelbeeren ausartet. Ist es besser, die von weither aus Übersee eingeflogenen zu kaufen oder die vom Nazi-Biobauern aus der Region? Quasi im Vorbeigehen bringt Evers in der Gemüseabteilung eine Ehe zum Scheitern, weil er den Mann angeblich aus einem Puff in Köln gut kennt, was man eben so sagt, wenn man sich über andere Kerle ärgert. Wie war das noch mit dem vorher nachdenken?

Über den BER sei ja eigentlich alles gesagt. „Er ist zwar noch nicht fertig. Aber ich mit dem Thema schon!“, wettert er und holt zu einem längeren Vortrag über Entrauchungsanlagen und den Austausch von 6000 Wänden aus. Wäre es nicht einfacher, eine Pyramide zu bauen? Die die Bauaufsicht dann ohnehin nicht genehmigt – allenfalls als Flughafen. Evers zoomt dabei die Augen wie ein Koboldmaki auf, die Augenbrauen hochgewölbt, ein naiv-verschämtes Lächeln auf den Lippen. Wieso hat noch keiner ein Horst-Evers-Knuddeltier erfunden?

Evers reimt auch, dass die Schwarte kracht. Das Gedicht über den Wolf auf dem Golfplatz musste er zwar umschreiben, weil der gefressene Golf-Spieler am Ende den Tourismus-Experten nicht wirklich zufrieden stellte. Doch auch in einer zweiten Version ist das Ende dasselbe. Das Publikum kichert.

Evers’ Geschichten fangen oft vergnüglich an, werden immer komischer und enden geradezu aberwitzig. Etwa die Geschichte, wie Evers eine Wildfremde per E-Mail dazu bringt, ihren großen Gummibaum auf dem Bürgersteig vor dem Haus auszusetzen. Denn die Schefflera ist in Wirklichkeit eine Spionagepflanze der NSA, die der Schnüffelei und des Datenübertragens per W-Lan überdrüssig ist. Was für eine wahn-witzige Idee! Das Publikum amüsiert sich wie Bolle und fordert am Ende zwei Zugaben, die Horst Evers auch ohne großes Zieren gewährt, denn: „Wir haben ja alle viel um die Ohren und müssen morgen wieder früh raus.“

Von Regine Buddeke

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