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Horstbetreuer beringt Fischadler

Lindow Horstbetreuer beringt Fischadler

Auf dem Fischadlerhorst am Rande von Lindow wachsen in diesem Jahr zwei Jungtiere auf. Horstbetreuer Henry Lange hat die etwa sechs Wochen alten Vögel am Mittwoch beringt. Mithilfe der Daten sollen sich die künftigen Lebenswege der beiden Vögel verfolgen lassen.

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Mithilfe der Daten auf den Ringen lassen sich die Lebenswege des jungen Fischadlers verfolgen.

Quelle: Peter Geisler

Lindow. „9ZP“ hat Angst. Panische Angst. Eng presst sich der junge Fischadler an den sandigen Boden. Sein Atem geht heftig. „Demutshaltung“, sagt Henry Lange, der dem sechs Wochen alten Tier gerade einen Metallring mit einer Zahlen-Buchstaben-Kombination um das linke Bein gedrückt hat.

Lange ist ehrenamtlicher Horstbetreuer im Auftrag des Landesamtes für Umwelt. Der drahtige 59-Jährige beringt Fischadler und andere Greifvögel, damit sich die Lebenswege der Tiere anhand der auf den Ringen eingeprägten Daten verfolgen lassen. Seit den 70er-Jahren ist der Neuruppiner in der Region unterwegs. Wie viele Horste er in dieser Zeit erklommen hat, hat er nicht gezählt. Mehrere hundert werden es gewesen sein. Seit sich Fischadler 2006 am Rande von Lindow auf einem Strom-Mast niedergelassen hatten, erkletterte er auch diesen Turm mehrere Male. Nur im vergangenen Jahr nicht – da hatte ein Bienenschwarm Lange wenige Tage zuvor zugesetzt.

Am Mittwoch beringte er die diesjährige Brut. Schon Wochen vorher hatte er mit seinem Beobachtungsfernrohr gesehen, dass das Lindower Fischadlerpärchen mindestens ein Junges hat. Wie viele Jungtiere ihn tatsächlich in dem Horst erwarten, weiß er nicht, als er in zwölf Meter Höhe klettert. Zwei Tiere wird er schließlich finden. „Schon ganz zugefiedert“, ruft er dem Fernsehteam zu, das ihn begleitet.

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Seit zehn Jahren wachsen in einem Horst auf einem Stahlgittermast in Lindow Fischadler heran. In diesem Jahr sind es zwei Jungtiere. Jetzt wurden die sechs Wochen alten Vögel beringt und haben somit ihre unverwechselbaren „Namen“ bekommen.

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In einem Sack lässt er die beiden Jungvögel auf den Boden. Von dem Nest fallen Äste herab und auch einige Gräten der Fische, die die jungen Horstbewohner in den vergangenen Tagen verschlungen haben. Peter Groß, auch er ein begeisterter Beobachter der Fischadler, nimmt die Jungvögel entgegen. Von dem Küchenfenster seines Hauses hat der Lindower Rentner einen freien Blick auf die Fischadler. Mehrere Jahrgänge hat er schon aufwachsen sehen – in den zehn Jahren, in denen der Horst besiedelt ist, sind dort 19 Jungvögel groß geworden.

Vogelschützer Peter Groß (2

Vogelschützer Peter Groß (2. v. l.) und Henry Lange setzen den jungen Fischadler in einen Transportsack. Ein Kamera-Team filmt sie dabei.

Quelle: Peter Geisler

Unten auf dem Boden verpasst Lange den beiden Vögeln zwei Ringe. Auf einem der Ringe ist eine Zahlen-Buchstaben-Kombination eingraviert. Die Ziffern sind so groß, dass Vogelkundler die Identität eines Vogels auch noch in 200 Metern Entfernung durch ein Beobachtungsfernrohr erkennen können. Der andere Ring enthält weitere Daten – „der Personalausweis des Vogels“, sagt Lange.

Nach dem Beringen vermisst Lange die beiden Vögel, die aus orangefarbenen Augen ängstlich blicken. Wegfliegen können die beide Jungtiere nicht. Sie sind noch zu klein. 37,5 Zentimeter ist der Flügel des eines Tieres lang, 33,5 Zentimeter der des anderen. Dass die beiden so unterschiedlich groß sind, ist für Lange nicht weiter verwunderlich. „Wir haben hier ein Männchen und ein Weibchen“, sagt der Vogelexperte. „Bei den Greifvögeln sind die Weibchen in der Regel größer.“

Jeder Vogel hat seinen eigenen Charakter

Während Lange die beiden Vögel begutachtet, kreist die Mutter in großen Runden über dem Horst. Immer wieder stößt sie hohe Warnlaute aus. Ihre beiden Kinder unten am Boden bleiben stumm. Groß und Lange haben schon Jungtiere erlebt, die nicht so pflegeleicht waren. Einmal hat ein Vogel nach den beiden gehackt. „Jeder Vogel hat ebene seinen eigenen Charakter“, sagt Lange.

Knapp 40 Fischadler-Paare leben in der Region. Als Lange anfing die Greifvögel zu beobachten, waren es im Altkreis nur vier bis fünf Paare gewesen. Viele Schutzmaßnahmen trugen dazu bei, dass die Fischadler sich hier wieder verstärkt ansiedeln. Gemeinsam mit dem Naturpark Uckermärkische Seen hat der Naturpark Stechlin-Ruppiner Land heute die höchste Fischadler-Brutdichte Mitteleuropas.

Vor drei Jahren hatte ein Fischadlerjunges in Lindow bei seinen ersten Flugversuchen einen tödlichen Stromschlag erlitten. Lange hofft, dass die diesjährige Brut durchkommt. Um die Population zu halten, müsste jedes Paar mindestens zwei Junge großziehen. Das ist nicht selbstverständlich.

Von Frauke Herweg

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