Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Hotelchef Max Golde serviert Witze

Neuruppin Hotelchef Max Golde serviert Witze

Max Golde ist mit seinen 31 Jahren ein ganz junger Geschäftsführer. Erst Anfang des Jahres übernahm er den Betrieb seiner Eltern, der bis dato von seiner Mutter geleitet worden war. Innerhalb der MAZ-Interviewserie „Mein Beruf“ erzählt der Neuruppiner, warum er für seine Arbeit brennt und warum er den Gästen zunächst einmal Witze serviert.

Voriger Artikel
Windkraft: Ortsbeirat noch unschlüssig
Nächster Artikel
Neuer Familienpass ist erschienen

Max Golde ist im Alten Kasino aufgewachsen. Damals leiteten seine Eltern das Hotel, heute ist Max Golde Geschäftsführer.
 

Quelle: Christina Koormann

Neuruppin.  Max Golde ist mit 31 Jahren junger Geschäftsführer des Hotelbetriebes Altes Kasino an der Seepromenade. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend im Hotel und ist sich sicher, dass auch hier seine Zukunft liegt. Das Gespräch mit Max Golde fand auf der Terrasse des Restaurants statt.

Wie sind Sie der Geschäftsführer des Alten Kasinos geworden?

Mit unserem Hotelbetrieb bin ich aufgewachsen – das ist mein Spielplatz! Als Siebenjähriger war das natürlich schon toll, hier zu spielen und sich zu verstecken, immer zu essen, was man wollte, und Cola zu bekommen, so viel man wollte – das war schön!

Die Leidenschaft zum Kochen entdeckt

Hier habe ich auch meine Leidenschaft zum Kochen entdeckt. Leider konnte ich aufgrund meiner Neurodermitis keine Koch-Ausbildung machen. Bei uns im Alten Kasino gibt es drei Ausbildungswege: Koch, Restaurantfachmann oder Hotelkaufmann. Weil ich mich für Finanzen und Zahlen interessiert habe, entschied ich mich für die Ausbildung zum Hotelkaufmann. Von 2002 bis 2005 war ich auf der Gastronomieschule in Berlin und habe den Praxisteil der Ausbildung im Betrieb meiner Eltern gemacht. Als mein Vater 2005 zum Bürgermeister von Neuruppin gewählt wurde, habe ich die leitende Funktion im Hotel übernommen. Von 2005 bis 2016 war aber meine Mutter weiterhin meine Chefin. Ich habe die zusätzliche Chance genutzt, noch Hotelbetriebswirtschaft und Management zu studieren. Das fand ich klasse, denn dabei habe ich mich intensiv mit Zahlen und Finanzen beschäftigt, aber auch vertiefend gelernt, wie man Personal leitet und gutes Marketing macht.

Wie ist es, wenn die eigenen Eltern die Chefs sind?

Es ist nicht gerade einfach! Da gehen manche Ansichten auseinander, das hat manchmal auch Schwierigkeiten gegeben, wenn ich mit neuem Wissen aus Berlin nach Neuruppin zurückkam und es gleich vor Ort umsetzen wollte. Wenn ich etwas verändern wollte, was meine Eltern seit Jahr und Tag ganz anders handhaben. Das hat sich aber dann gelegt. Heute beratschlagen wir gemeinsam und sprechen über alles.

Im Hotel muss man alle Sinne einsetzen

Was haben Sie von diesem Wissen im Hotel umgesetzt?

All diese Dinge, die ich gelernt habe, konnte ich sofort im Hotel umsetzen. Beispielsweise der Entwurf des einheitlichen Designs, unsere Hotelfarben creme und bordeaux, aber auch haptische Elemente wie etwa die Dicke des Papiers für die Speisekarten. Für die Aufgaben im Hotel muss man alle Sinne einsetzen. Ich habe auch den Internetauftritt erneuert und überlegt, wohin die Trends gehen. Deshalb habe ich 2014 dafür gesorgt, dass wir hier eine Ladestation für Elektroautos bekommen. 2014 wurde noch gesagt: Der ist doch bekloppt! Aber wir hatten zu diesem Zeitpunkt die einzige Ladestation für Elektroautos zwischen Hamburg und Berlin gehabt. Solche Kriterien sind zukunftsweisend.

Was machen Sie als Geschäftsführer?

Ich könnte nicht den ganzen Tag im Büro sitzen und Sachen abstempeln. In meinem Job ist jeder Tag anders, ich arbeite am Computer, schaue in den Bewertungsportalen nach Lob und Kritik an unserem Haus, bedanke mich für positives Feedback und kümmere mich um das, was negativ bewertet wurde. Ich mache Einkaufslisten, bespreche Reservierungen, bearbeite Anfragen, stelle Tische und arbeite bei Bedarf auch im Service mit.

Brotpudding nach Rezept von Fontanes Mutter

Inwiefern sind Sie an der Gastronomie des Betriebes beteiligt?

Wir stellen unsere eigenen Produkte her: Bärlauchsalz, Erdbeer-und Himbeerbalsamico, Knoblauch-Basilikum – über 20 Sorten Marmeladen und Gelees. Zum Theodor-Fontane-Jahr 2019 haben wir uns den Brotpudding im Glas überlegt, den wir originalgetreu nach einem Rezept von Fontanes Mutter machen. In der Küche hänge ich mir gerne die Schürze um, koche Balsamico und setze Schnäpse an. Wenn wir zum Beispiel Johannisbeeren holen, entsteht daraus Johannisbeerschnaps, Johannisbeer-Balsamico und Johannisbeermarmelade. Besonders toll war die letzte Holunderzeit, daraus haben wir Gelee, Schnaps und Sirup für Desserts und das Getränk „Hugo“ gemacht. Momentan ist saisonal bedingt Pfifferlingsöl angesagt. Bei uns soll es regional, saisonal, nachhaltig und herzlich sein. Wir sind ja auch im Herzen Neuruppins.

Ich spiele gerne mit den Jahreszeiten, und da habe ich auch zu rennen: Die Zeit für Quitten und Holunderbeere ist im Oktober, der Vorrat muss dann aber für Balsamico und Öle den ganzen Winter reichen. Ich muss vordenken, wann welche Pflanzen wachsen – das gilt für das ganze Jahr. Wir müssen dafür viel planen, können dann aber auch davon zehren.

Moderne Gastronomie muss auch homorvoll sein

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit?

Ich brenne dafür! Und denke mir witzige Sprüche für unsere Gastronomie aus, die die Leute zum Lachen bringen und die auch hängenbleiben. Man kann natürlich auf eine Speisekarte schreiben: Heute Kohlroulade mit Steak. Man kann aber auch mit Witz anpreisen, was es hier zu essen gibt. Erst jetzt war unserem Schild vor dem Restaurant ein Einhorn zu sehen, und wir haben darunter geschrieben: „Marketing 2017, Einhorn und Glitzer. Jetzt haben wir Ihre Aufmerksamkeit. Bei uns ist Spargel im Angebot.“ Ich finde es schön, wenn Leute mal lachen. Das ist moderne Gastronomie, und dafür werde ich kreativ und orientiere mich an aktuellen Trends und auch an der Werbung. Wir sind auch in den sozialen Netzwerken unterwegs. An unserer Tür stehen keine konkreten Öffnungszeiten, sondern: „Licht an: Geöffnet, Licht aus: Geschlossen“. Wir wissen ja nicht, wann wie viel los ist, und wenn der Laden brummt, können wir nicht zumachen. Und ist mal nichts los, machen wir eben früher Schluss.

An der Kapazitätsgrenze angekommen

Wie ist Ihr Hotelbetrieb aufgebaut?

Unser Hotel hat 21 Zimmer, zwei davon sind Einzelzimmer. Wir sind mit unserem Platz hier an der Grenze des Möglichen angekommen. Früher war das Publikum eher im Alter 50 Plus, heute ist es sehr gemischt. Unsere Gäste kommen vor allem aus Berlin. Hier finden aber auch Feste wie beispielsweise Klassentreffen statt, oder Goldene Hochzeiten. Vor kurzem hat ein Paar bei uns Goldene Hochzeit gefeiert, das vor 50 Jahren genau hier seine Hochzeit gefeiert hat. Damals hat mein Großvater die Hochzeit ausgerichtet, jetzt war ich es. Das war schon etwas Besonderes.

Insgesamt arbeiten in der Küche, im Restaurantfach und dem Hotel 14 Mitarbeiter, hinzu kommen unsere zwei Etagendamen. Hier läuft keiner auf dem Zahnfleisch, es ist mir wichtig, dass meine Mitarbeiter ausgeruht sind und motiviert zur Arbeit kommen. Bei uns gilt zwar auch das FC-Bayern-Prinzip – jeder muss alles können. Aber wenn einer nun mal sehr gut Steaks braten kann und ein anderer hervorragende Desserts macht, warum sollten sie dann nicht jeweils diese Aufgaben machen? So lassen sich die Stärken am besten fördern. Wir sind hier ein Familienbetrieb, und miteinander reden steht bei uns an erster Stelle.

Lieber mit Vieren und Fünfen, als lustlos

Welche Auszubildenden stellen Sie ein?

Früher gab es auf eine Stelle 50 Bewerbungen, heute suchen sich die Lehrlinge ihren Betrieb aus. Wir schauen bei unseren Bewerbern aber nicht nur auf die Noten. Ich stelle gerne jemanden ein, der Vieren und Fünfen auf dem Zeugnis hat, dafür aber großes Interesse, Motivation und Spaß an der Arbeit mitbringt. Man kann in Geschichte eine totale Niete gewesen sein, dafür aber ein Talent für gute Planung.

Wo machen Sie Urlaub?

Wenn ich selbst mal Urlaub mache, dann nicht in Neuruppin. Ich will auch mal raus, was anderes sehen und meinen Horizont erweitern. Besonders gerne bin ich am Wasser. Für den Seelenfrieden gibt es auch manchmal Kurzurlaub, denn die Gastronomie ist nicht ohne, und ich möchte auch gerne mal entspannte Tage mit meiner Freundin und ihrem Kind verbringen. Ich bin aber auch ein Weltenbummler, ziehe gerne mit dem Rucksack durch die Gegend und gucke, was kommt. Durch Zufälle lernt man Leute kennen, und jeder Urlaub ist eine Chance, etwas zu lernen. Als ich in Marokko war und auf den Märkten die ganzen Gewürze entdeckt habe, war das unglaublich. Von solchen Erfahrungen sollte man das beste mitnehmen – und bestenfalls auf die eigene Speisekarte setzen.

Von Christina Koormann

Service

Ausbildungsplatz gesucht?

azubify® - das Portal für Berufsstarter

Starte deine Zukunft und finde den Beruf der zu dir passt.
www.azubify.de/brandenburg

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg