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Ostprignitz-Ruppin Hüter der Heimatgeschichte
Lokales Ostprignitz-Ruppin Hüter der Heimatgeschichte
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17:19 31.08.2017
Siegbert Weiß mit seiner Ansichtskartensammlung. Auch er wünscht sich ein Stadtmuseum. Quelle: Matthias Anke
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Neustadt

Dreetz hat eine Heimat­stube, Dannenwalde seit jüngerer Zeit auch, und in Kyritz gibt es neuerdings sogar ein ganzes Heimathaus und eine noch viel weitergehende Museumsplanung. Die Dessower haben ihr Brauereimuseum, das auch Lokalgeschichte zeigt, und die Wusterhausener mit ihrem Wegemuseum verfügen über einen solchen Ort ohnehin. Nur in Neustadt fehlt es – abgesehen von Gaswerk und Gestütmuseum – an einem Platz für Stadtgeschichtliches.

Geht es nach Gudrun Weiß vom Förderverein zum Erhalt des Gaswerks, ließe sich dieser bald schaffen, und zwar auf dem Gelände des Industriedenkmals. Ihr Traum wäre eine bauliche Erweiterung im Jahr 2019 zum dann 20-jährigen Vereinsbestehen, wie Gudrun Weiß schon häufiger kundtat. „Bei uns wird ja ohnehin schon die Stadtchronik geführt“, sagt sie.

Was also etwa die Eheleute Beckmann als Senioren seit kurzem für die Stadt Kyritz ehrenamtlich zusammentragen, sind in Neustadt immer mal wieder sogenannte Ein-Euro-Jobber unter dem Dach des Gaswerkvereins. Auf gute 17 gefüllte Dokumentenordner voller Fotos und Zeitungsausschnitte seit 1990 kann Gudrun Weiß bereits verweisen und auch auf viele Dokumente aus der Zeit zuvor.

Alte Postkarte aus Siegbert Weiß’ Sammlung. Quelle: Matthias Anke

Ein Stadtmuseum ließe sich aber vor allem auch füllen mit den zahlreichen Objekten beziehungsweise Dokumenten und vor allem dem Wissen, das so einige Neustädter privat hüten. Da gibt es beispielsweise Wolfgang Benn, der sich etwa mit der Schul- aber auch Eisenbahngeschichte auskennt, oder auch der Schwager von Gudrun Weiß.

Siegbert Weiß ist 63 Jahre alt, seit drei Jahrzehnten Gemeindekirchenratsmitglied und versiert in allen Fragen rund um die Kirchengeschichte, vor allem die seiner Kreuzkirche. „Alles fing an mit dem Vorbesitzer meines Elternhauses“, verrät Weiß. „Es war Ernst Müller, der Stadtchronist. Ihn lernte ich nicht mehr kennen, aber seine Frau. Von Frieda, die mir so vieles erzählte, habe ich es in die Wiege gelegt bekommen“, sagt Weiß mit Blick auf sein Interesse an der Stadtgeschichte und seine Sammelleidenschaft. Mehrere Texte zur Neustädter Historie hat Weiß verfasst, zuletzt wirkte er an der Festschrift zur 350-Jahr-Feier mit. Stolz verweist er auf Dokumente rund um die Geschichte der Spiegelmanufaktur und ein ganzes zugehöriges Stadtviertel.

Etliche Neustädter wünschen sich ein Heimatmuseum

Weiß, der als Fahrdienstleiter am Bahnhof Neustadt arbeitet, ist zudem leidenschaftlicher Postkartensammler und verfügt damit zugleich auch über ein einzigartiges Bildarchiv mit Bezug zur Dossestadt. Und er bewahrt Dokumente, die womöglich längst vernichtet worden wären, als in den 1970er Jahren in der Verwaltung „aufgeräumt“ wurde. Über Umwege erreichten die Papiere viele Jahre später dann Siegbert Weiß, darunter zahllose Briefe, adressiert an verschiedenste Bürgermeister.

Ein „Brieftelegramm Seiner Majestät des Kaisers und Königs“ vom 30. Juni 1929 trägt die Unterschrift von Kaiser Wilhelm II. Aus dem Exil im Haus Doorn heraus gratulierte er der Stadt, die gerade den Gedenkstein für den Prinzen von Homburg, den Stadtgründer, aufstellte. „In seiner schlichten, sehr hübschen Form wird das Denkmal der Stadt zur Zierde gereichen. Es wird aber auch gemahnen, sich zurück zu versetzen in jene Zeit, in der es dem damaligen Prinz von Homburg vergönnt war, an der Seite des Großen Kurfürsten die Mark von den Schweden zu befreien“, heißt es darin. Und: „Ich sende den zur heutigen Feier Erscheinenden meinen Gruß!“

Eine bauliche Erweiterung des Gaswerks würde Platz dafür bieten

Siegbert Weiß, der auch eine „Niederschrift über den Russeneinmarsch am 2. Mai 1945“ von „Stadt-Obersekretär“ Ernst Müller präsentieren kann, ist gewiss nicht der einzige, der Relikte aus Neustadts Vergangenheit hütet. Was alles noch vorhanden ist und sich zusammentragen lässt aus den Zeiten noch weit vor der aktuell fortzuschreibenden Chronik, wird mancher vielleicht bereit sein, auch öffentlich zu zeigen, ist sich Weiß sicher: „Eben wenn es eines Tages den passenden Ort dafür gibt.“

Von Matthias Anke

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