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Ostprignitz-Ruppin Hundert neue Jobs im Kernkraftwerk
Lokales Ostprignitz-Ruppin Hundert neue Jobs im Kernkraftwerk
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00:18 25.01.2016
Tausende Leitungen durchziehen die alten Betonwände – viele sind stärker radioaktiv belastet als erwartet. Das macht den Abriss extrem kompliziert. Quelle: Peter Geisler
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Rheinsberg

Dass es extrem schwierig werden würde, das war den Experten von Anfang an klar. Doch der Abbau des Kernkraftwerkes Rheinsberg bringt mehr Schwierigkeiten mit, als noch vor zwei Jahren angenommen. Die Strahlung in den Betonwänden und Leitungen ist höher als erwartet. So hoch, dass die Energiewerke Nord als Betreiber der stillgelegten Anlage ihr bisheriges Konzept für den Abbau jetzt über den Haufen geworfen haben: Statt die Gebäude noch 50 Jahre stehen zu lassen, sollen sie nun so schnell wie möglich verschwinden. Dazu will das bundeseigene Unternehmen massiv in Rheinsberg investieren. Fast 100 neue Arbeitsplätze könnten im Kernkraftwerk entstehen, kündigte EWN-Geschäftsführer Henry Cordes am Mittwoch bei einer Informationsveranstaltung an.

Seit 25 Jahren ist das älteste deutsche Kernkraftwerk außer Betrieb. Noch in der Wendezeit wurde das Kraftwerk in idyllischer Lage zwischen Stechlin und Nemitzsee stillgelegt und es wurden Pläne für den Abbau ausgearbeitet. Nirgendwo in Deutschland gab es vorher Erkenntnisse, wie man ein Kernkraftwerk am besten stilllegt. Rheinsberg war schon beim Bau in den 60er Jahren eine Versuchsanlage und ist es bis heute.

Das neueste Konzept der EWN geht davon aus, dass die Gebäude etwa im Jahr 2025 verschwunden sein werden. „Ich denke, dass das ein sehr ehrgeiziges Ziel ist“, räumte Projektentwickler Jörg Möller am Mittwoch ein, als er den Plan vorstellte.

Die hoch gefährlichen Brennstäbe gibt es in Rheinsberg längst nicht mehr, sie wurden schon 2010 ins Zwischenlager ins ehemalige Kernkraftwerk Lubmin bei Greifswald gebracht. 2007 folgte der hoch verstrahlte Reaktordruckbehälter.

Zuletzt sah das Konzept für die komplette Stilllegung vor, dass alle Teile, die radioaktiv verseucht sind, ausgebaut und ins Zwischenlager Lumin gebracht werden. Die restlichen Gebäude sollten wenigstens noch 50 Jahre stehen bleiben. In der Hoffnung, dass die Strahlung im Inneren danach so gering ist, dass die Gebäude normal abgerissen werden können. Inzwischen ist klar, dass das nicht klappt. Bereits im Dezember haben die EWN ihren Antrag bei der Strahlenaufsicht in Potsdam zurückgezogen.

Bis 2025 sollen die Gebäude des Kernkraftwerks Rheinsberg nach den aktuellen Pänen verschwunden sein Quelle: Peter Geisler

Experten hatten zuvor festgestellt, dass die Betonwände und vor allem die vielen Leitungen und Rohre in den Wänden stärker belastet sind als erwartet. Die Rohre müssen zwingend sicher entsorgt werden. Doch dazu müssten die Arbeiter viele Wände aufstemmen. Hinzu kommt, dass die Strahlung tiefer und ungleichmäßiger in den Beton eingedrungen ist als erwartet. So lange noch stärker strahlende Anlagen vorhanden war, sei das nicht genau messbar gewesen, sagt Möller. Viele der über 300 Räume im Kraftwerk waren zudem mit Metall ausgekleidet; erst als das entfernt war, stellte sich heraus, in welchem Zustand die Wände dahinter sind. Tausende Tonnen Beton müssen Schicht für Schicht abgestemmt werden, bis die Strahlung darunter so gering ist, dass der Rest auf eine Deponie gefahren werden kann.

Das neue Konzept sieht vor, die Gebäudehülle stehen zu lassen und im Inneren so schnell wie möglich so viele Wände, Decken und Fußböden wie möglich auszubauen. Damit die Hülle nicht zusammenbricht, wenn die Innenwände entfernt werden, soll außen ein aufwändiges Stützskelett aus 400 Tonnen Stahl entstehen.

Das reicht nicht: Für den schnellen Abriss müssen in Rheinsberg weitere Millionen investiert werden. Die bisherigen Trafos für die Stromversorgung sind so alt, dass zwei neue her müssen. Damit die alten Stromleitungen im Kraftwerk ausgebaut werden können, müsste ein völlig neues Stromnetz für die Anlage entstehen, sagt Jörg Möller. Auch ein neuer Leitstand, eine sehr aufwändige Lüftungsanlage und mehr Sicherheitsschleusen für die Mitarbeiter sind nötig.

Jörg Möller plant im Kernkraftwerk Rheinsberg den Abbau maßgeblich. Quelle: Reyk Grunow

Bis 2019 wollen die EWN alles soweit aufgebaut haben, dass dann der Abriss der Kraftwerksgebäude beginnen kann. Der soll nach Schätzungen des Unternehmens bis 2025 dauern, die Entsorgung der rund 110 000 Tonnen Beton auch länger.

Um dieses Ziel überhaupt schaffen zu können, reichen die bisherigen Mitarbeiter nicht aus. 120 eigene Angestellte hat die EWN zurzeit in Rheinsberg, hinzu kommen 70 Leiharbeiter. Jetzt könnten fast 100 neue Arbeitsplätze entstehen: Die EWN will ihr Personal nach und nach auf 180 Mitarbeiter aufstocken und rechnet mit 100 Mitarbeitern anderer Firmen.

Ob der Plan umsetzbar ist, muss allerdings erst noch geprüft werden, sagt Erhard Geisler, der Leiter der Strahlenaufsicht des Landes. EWN-Mitgeschäftsführer Jürgen Ramthun warb in Rheinsberg um Vertrauen: „Die Sicherheit steht für uns ganz oben.“

Wie teuer das Projekt wird, ist noch unklar, sagt Henry Cordes. Bezahlen muss auf jeden Fall der Bund. Der hat bisher rund 600 Millionen Euro für das Kernraftwerk Rheinsberg eingeplant. Ob das ausreicht, weiß niemand.

Von Reyk Grunow

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