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Ostprignitz-Ruppin Hunderte Kugelbomben in der Heide
Lokales Ostprignitz-Ruppin Hunderte Kugelbomben in der Heide
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00:20 20.08.2017
In solchen Behältern wurden die tennisballgroßen Kugelbomben abgeworfen. Ein Behälter fasste 565 Bomben. Quelle: Peter Geisler
Alt Lutterow

In der Kyritz-Ruppiner Heide befinden sich weit mehr sogenannte Streuwaffen wie Kugelbomben als selbst Experten befürchtet haben. Allein in den vergangenen Monaten wurden mehr als 300 Streuwaffen, zumeist Kugelbomben, gefunden. „Die Zahlen gehen gerade durch die Decke“, sagte am Mittwoch Rainer Entrup, der bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) für die Kyritz-Ruppiner Heide zuständig ist.

Die Bima hat 2011 die 12 200 Hektar große Heide von der Bundeswehr übernommen. Die Blindgänger stammen jedoch nicht von der Bundeswehr. Vielmehr handelt es sich dabei um explosive und höchst gefährliche Hinterlassenschaften der Roten Armee. Diese hat sich in der Heide, teilweise mit Armeen der Bruderländer wie der DDR und Polen, auf den Krieg vorbereitet und das Gelände als Bombodrom genutzt.

Eine Verdachtsfläche von 1100 Hektar Größe

Die Kugelbomben sind so groß wie ein Tennisball, doch in jeder befinden sich mehr als 100 Stahlkugeln sowie 100 Gramm Sprengstoff, so dass bei der Explosion die Stahlkugeln mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1200 Metern je Sekunde alles durchschlagen, was in ihrer Nähe ist. Der tödliche Radius liegt bei knapp 100 Metern. Zudem haben Munitionsexperten in der Heide inzwischen weitere neun Arten von Streuwaffen gefunden.

Die Bima wollte eigentlich bis zum Sommer die rund 1100 Hektar große Verdachtsfläche auf Kugelbomben und andere Streuwaffen abgesucht haben. Denn diese sind international geächtet. Auch Deutschland ist 2009 einer Charta der Vereinten Nationen beigetreten, wonach bis 2020 alle Streuwaffen auf dem jeweiligen Staatsterritorium vernichtet sein sollten. Doch schon jetzt scheint klar zu sein, dass dieser Zeitplan nicht zu halten ist. „Wir werden das wohl kaum schaffen“, sagte Entrup. Dabei stelle der Bund durchaus genügend Geld für die Suche und das Vernichten der Streuwaffen in der Heide bereit.

Spezialsonde wurde von amerikanischen Firma entwickelt

Es gebe aber nicht genügend Spezialfirmen, die derartige Arbeiten leisten können. Denn die Suche ist nicht nur höchst gefährlich, sondern auch enorm aufwendig: Um die abzusuchende Verdachtsfläche wurden zunächst mit einer ferngesteuerten und speziell gepanzerte Planierraupe mehrere Sicherheitsstreifen angelegt. Bevor die Kampfmittelräumfirma das Areal in 50 mal 50 Meter breite Bereiche aufgeteilt hat, wurde in dem Gebiet gezielt Feuer gelegt. Dadurch soll die Suche nach den Blindgängern, die häufig direkt an der Oberfläche oder nur einige Zentimeter darunter liegen, erleichtert werden. Eigentlich sollte auch nur jedes zweite Quadrat mit einer speziellen Sonde, die von einer amerikanischen Firma entwickelt wurde, von Zweierteams abgesucht werden. Doch nahezu in jedem Quadrat schlägt die Sonde an. „Wir holen derzeit aus jedem Quadrat etwa eine Tonne Schrott raus“, sagte Entrup – und dazwischen immer wieder Kugelbomben, die im Durchmesser gerade mal 72 Millimeter groß sind.

Internationale Anerkennung für den Erhalt der Heide

„Ich bin stolz auf die Forst, was sie hier an Abrüstung in Deutschland leistet“, sagte Jörg Vogelsänger (SPD). Der brandenburgische Umweltminister war am Donnerstag in erster Linie in die Heide gekommen, um dem Forstbereich der Bima eine besondere Auszeichnung zu überreichen. Denn das kontrollierte Brennen anderer, weniger mit Munition verseuchter Gebiete des einstigen Bombodroms findet sogar internationale Anerkennung. Weil damit der Artenreichtum an Flora und Fauna in der Heide gefördert wird, erhielt die Bima eine Urkunde von den Vereinten Nationen, die auch von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) unterzeichnet wurde. Darüber freute sich ebenfalls Bima-Vorstand Paul Johannes Fietz. Er verwies auf das Grundproblem. „Ohne die vorherige militärische Nutzung hätten wir hier nicht das größte zusammenhängende Heidegebiet Deutschlands“ – und ohne die militärische Nutzung gäbe es jetzt aber auch nicht die Probleme mit den Streuwaffen, so Fietz.

Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD, 2. v. r.) überreichte Landrat Ralf Reinhardt den Förderbescheid für den Aussichtsturm auf dem Sielmannshügel. Quelle: Peter Geisler

Auch Landrat Ralf Reinhardt (SPD) durfte sich am Donnerstag freuen: Hatte doch Umweltminister Vogelsänger einen Förderbescheid für den geplanten Aussichtsturm am sogenannten Sielmannshügel mitgebracht. Das Land fördert den Turm, der möglichst noch in diesem Jahr entstehen soll, mit gut 135 000 Euro. Die Gesamtkosten liegen bei 180 900 Euro.

Von dem knapp 20 Meter hohen Turm auf dem Sielmannshügel sollen Touristen einen weiten Blick auf die Heidelandschaft haben. Das Ziel der Bima ist es, rund 4000 Hektar Heide zu erhalten. Um das zu schaffen, müssen jedes Jahr etwa 300 Hektar Heide abgebrannt werden. Grund: Würde nicht „geflämmt“, würde auf dem Areal innerhalb weniger Jahre Wald sein.

Von Andreas Vogel

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