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„Ich brenne nicht nur für meine Arbeit“

Lentzke „Ich brenne nicht nur für meine Arbeit“

Norma Strauß hat sich in Lentzke im Jahr 2000 mit einer Keramikwerkstatt selbstständig gemacht. Sie liebt ihren Beruf, hat aber noch viele andere Interessen. So kümmert sie sich intensiv um die Flüchtlinge, die seit Ende 2014 in Lentzke untergebracht sind. Norma Strauß spricht von einer friedlichen Koexistenz von Dorfbewohnern und Flüchtlingen.

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Norma Strauß vor ihrem Haus in Lentzke.

Quelle: Peter Geisler

Lentzke. Eigentlich ist Norma Strauß gerade auf dem Sprung, doch dann nimmt sie sich doch die Zeit, mit den Überraschungsgästen zu reden und setzt sich vor ihr Haus, immer an ihrer Seite ihr Hund. Ihr Fachwerkhaus an der Dorfstraße in Lentzke verrät ihren Beruf. Ihre Keramiken hängen und stehen dekorativ im Außenbereich und wecken die Neugier auf mehr. Gerade aus dem Urlaub zurück hat die Töpferin derzeit keine neuen Werke in Arbeit.

Sie ist Töpferin mit Herz und Seele, aber ihr Fokus liegt nicht nur auf der Arbeit. „Ich brenne nicht nur für meine Arbeit, sondern für viele andere Dinge“, sagt die 54-Jährige, die seit 1995  in dem Luchdorf Lentzke lebt. Bis zu ihrem 16. Lebensjahr wuchs sie dort auf, lebte dann in Berlin. „Es ist Zufall, dass wir wieder hier gelandet sind“, sagt sie. Berlin sei nicht mehr so schön und gemütlich, wie es mal war. Das ist Lentzke. Ihre Kinder sind mittlerweile erwachsen. „Ich glaube sagen zu dürfen, dass sie ihre Kindheit hier genossen haben“, sagt die stolze Mutter.

Gebrauchskeramik ist ihr Metier

Sie machte sich im Jahr 2000 mit ihrer Hof-Werkstatt selbstständig, als Quereinsteigerin, nach vielen anderen Ausbildungen, wie sie sagt. Ohne Ausbildung komme man an seine Grenzen, das hat sie gemerkt. Aber es habe auch seine Vorteile. „Ich kann machen, was ich will. Ich bin frei in meiner künstlerischen Gestaltung.“ Sie muss sich nicht erst freischwimmen von den Vorgaben eines Ausbilders.

So entsteht eine Keramik auf der Töpferscheibe

So entsteht eine Keramik auf der Töpferscheibe.

Quelle: Peter Geisler

Überwiegend stellt sie Gebrauchskeramik wie Tassen, Teller, Vasen und Leuchter her. Dabei liebt sie es, „groß zu arbeiten“. Aber es komme nicht oft vor, dass sie zum Beispiel Bodenvasen drehe. „Ich muss auch sehen, was ich gut verkaufen kann.“ Und kleinere Arbeiten gehen besser. Ihre künstlerische Grundrichtung steht fest und auch die vorherrschende Farbe ihrer Keramiken: grün. „Auf mich kommen Dinge zu, auch Farben. Und grün ist eine schöne Farbe“, sagt sie und lacht. Zwei Mal im Jahr öffnet sie ihre Werkstatt zum Tag der offenen Tür. Im Frühjahr und Herbst stellt sie in Rheinsberg aus, beim Kunsthandwerkermarkt und im Oktober beim Töpfermarkt.

Die Lage der Flüchtlinge bewegt sie sehr

Zu den vielen Dingen, denen sie sich neben der Töpferei widmet, gehört unter anderen die Mitarbeit im Aktionsbündnis „Fehrbellin bleibt bunt“. Außerdem kümmert sie sich um die Flüchtlinge, die vor zwei Jahren in das Dorf kamen. Sie organisiert, hilft, hört zu. Oft sitzt sie mit Flüchtlingen auf der Treppe und redet mit ihnen. Fast jeden Tag liegt irgendetwas an. „Natürlich gibt es Probleme. Aber bisher haben wir alles in den Griff bekommen“, sagt Norma Strauß. Sie spricht von einer friedlichen Koexistenz zwischen Einheimischen und Flüchtlingen.

Vorteilhaft sei, dass die Familien in Wohnungen lebten. Etwas schwierig sei die Abgeschiedenheit des Ortes. Da zeigt sich, wie gut man sich im Dorf aufeinander verlassen kann und dass es kaum Berührungsängste gibt. Haben die Neu-Zugezogenen den Bus verpasst, werden sie von Lentzkern auf dem Heimweg aufgegabelt und mitgenommen. Ein Knackpunkt sind fehlende Kita- und Hortplätze. Deshalb ist Norma Strauß überglücklich, dass einige Kinder jetzt beim SV Fehrbellin mit Fußball spielen anfangen. Das Fahrproblem ist auch gelöst: Der Trainer nimmt die Kinder mit. Zuletzt haben sie auf der Wiese gemeinsam Ramadan gefeiert. „Da kamen nur die nächsten Anwohner“, sagt Norma Strauß. Doch „Unterm Strich betrachtet ist alles schön“, zieht sie Bilanz.

„Jeder, so wie er ist, ist gut“, das habe sie von Erwin Strittmatter gelernt. Mit dieser Einstellung nimmt sie ihre Mitmenschen an.

Von Dagmar Simons

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