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„Ich hatte nie das Gefühl, dass ich arbeite“

Beruf: Tanzlehrerin „Ich hatte nie das Gefühl, dass ich arbeite“

Gabi Keller betreibt in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) eine Tanzschule. Seit ihrer Kindheit hat sie sich fürs Tanzen begeistert und als junge Frau in eine traditionsreiche Tanzlehrer-Familie eingeheiratet. Bis heute liebt sie ihren Beruf. Im Interview schaut Keller auf eine bewegte Tanzvergangenheit zurück.

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Ein bewegtes Tänzerleben: Gabi Keller zeigt ein Bild von sich bei der Weltmeisterschaft des Tanzsports 1973 in der Deutschlandhalle Berlin.

Quelle: FOTO: Peter Geisler

Neuruppin. Gabi Keller betreibt an der Fehrbelliner Straße in Neuruppin die Tanzschule TSC Imperial. Seit ihrer Kindheit hat sie sich für das Tanzen begeistert und als junge Frau in eine traditionsreiche Tanzlehrerfamilie eingeheiratet. Keller schaut auf eine bewegte Tanzvergangenheit zurück und liebt ihren Beruf bis heute. Das Treffen fand in ihrer Pause im Saal ihrer Tanzschule statt.

Wie kam es, dass Tanzen Ihr Leben geworden ist?

Ich habe schon als Kind liebend gerne im Fernsehen die Weltmeisterschaft im Tanzsport geschaut. Dazu habe ich mich schick angezogen und durfte lange aufbleiben. Ich habe mich gegen meine Eltern durchgesetzt, die mich ins Bett stecken wollten – Tanzen und Boxen waren dann schließlich die zwei Dinge, die ich auch noch spät am Abend ansehen durfte. Was ich damals noch nicht wusste: Einige Teilnehmer der Tanzweltmeisterschaft, die mich so faszinierten, würden mir später persönlich das Tanzen beibringen und ich würde die Frau von Richard Keller werden – dem Mann, der Veranstalter der Weltmeisterschaft in der Deutschlandhalle war und mit drei Tanzstudios die größte Tanzschule in Berlin betrieb. Als kleines Mädchen wollte ich gerne zur Kindertanzstunde ins Studio nach Friede­nau, aber mein Vater wollte mich nicht ständig quer durch die Stadt dorthin bringen. In Berlin ging man dann mit 16 zur Tanzstunde, und eine Freundin und ich sind regelmäßig zum Tanzstudio an der Bundesallee gefahren – mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Mady, die damalige Frau von Richard Keller, leitete es, und wir verstanden uns sehr gut. Ich hatte großen Spaß, jobbte als Tanznachhilfelehrerin, durfte auch einmal zu einem Tanzlehrerkongress gehen und wurde Turniertänzerin. Weil ich dafür ein intensiveres Training brauchte, wechselte ich das Studio und musste hart an mir arbeiten. Hier lernte ich Richard kennen, den ich anfangs überhaupt nicht ausstehen konnte. Das änderte sich aber dann. Noch im Scheidungsjahr von Richard und Mady heiratete er mich – und sie einen jüngeren Tanzschüler.

Wie war der Start in Ihr Berufsleben?

Ins Berufsleben gab es für mich dann einen nahtlosen Übergang. Ich war ja schon vorher im Betrieb involviert und habe dann parallel über den Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) eine dreijährige Ausbildung zur Tanzlehrerin sowie beim Deutschen Tanzsportverband (DTV) eine Ausbildung zur Club- und Turniertanz-Trainerin gemacht. Durch gute Kontakte bekam ich Unterricht bei den besten Tänzern dieser Zeit wie etwa dem mehrfachen Tanzweltmeister Bill Irvine, dem „Tanzpapst“ Alex Moore und Heidegard Dresen. In Hamburg schloss ich Ende der 70er Jahre meine Tanzlehrerausbildung als Jahrgangsbeste von ganz Deutschland ab. Aber ich hatte eben auch bei den Besten gelernt. Und hatte auch das große Glück, viel reisen zu können. Tango lernte ich in Buenos Aires, Salsa auf Kuba, und in Peking tanzte ich nachts Discofox auf der Straße. Für die Weltmeisterschaften in der Deutschlandhalle habe ich jahrelang Kindershows einstudiert. Ich und meine Schüler tanzten in Operetten, die fürs Fernsehen produziert wurden. Auch Prominente haben bei mir Tanzstunden bekommen: Für den Dreiteiler „Das Schwein“ musste Götz George schnell Walzer lernen, den ich ihm beigebracht habe; auch in dieser Produktion waren meine Tanzschüler Statisten. Yvonne Catterfeld und Wayne Carpendale nahmen Unterricht bei mir – und auch Walter Momper, elfter Regierender Bürgermeister von Berlin. Der musste immer schon vor Kursende los, wenn er sich mit den Alliierten traf.

Welcher ist Ihr Lieblingstanz?

Auf jeden Fall Cha-Cha! Die dazugehörige Musik ist einfach schön, zum Cha-Cha kommen alle auf die Tanzfläche und haben Spaß. Er ist gar nicht schwer, und man merkt, dass viele Menschen gerne dazu tanzen. Bei Samba hingegen wird die Tanzfläche immer schnell wieder leer.

Was ist momentan am meisten gefragt?

Saisonal bedingt sind das vor allem Hochzeitstänze. Und da sind die Möglichkeiten vielseitig. Die einen wollen eine richtige Show einstudieren, mit denen suche ich dann mindestens ein halbes Jahr vor dem großen Tag ein paar Musikstücke aus und erarbeite mit ihnen eine individuelle Choreografie. Die anderen wollen einfach nur einen kurzen Wiener Walzer überleben, denn ein Hochzeitstanz ist ja auf der eigenen Hochzeit unumgänglich. Die meisten Männer kommen deshalb eher unfreiwillig hierher, staunen dann aber, dass sie offenbar Tanztalent haben. Ansonsten bieten wir für jeden etwas an: Abikurse, Kindertanz, Tanz für Senioren, HipHop, Salsa und klassische Tänze. Im September startet ein Kurs mit lateinamerikanischen Tänzen nur für Frauen. Ein normaler Arbeitstag fängt für mich um 15 Uhr an und endet gegen 22 Uhr – bis dahin habe ich zwei bis drei Jugendgruppen, eine Seniorengruppe und eine Hobbygruppe unterrichtet. Unterstützt werde ich in Neuruppin von zwei Trainern und einer Kinderlehrerin. In Berlin, wo meine Schwiegertochter Monika mittlerweile die Tanzschule Dieter Keller betreibt, haben wir fünf Säle. Dort arbeite ich montags und dienstags; ich unterrichte viele Gruppen, die ich seit langem anleite. In der Rheinstraße in Friedenau veranstalten wir Workshops, wir fahren zu Tanzturnieren und bieten Tanzabende an, wo man das Gelernte aufs Parkett bringen kann.

Wie geht man mit jemandem um, der kein Taktgefühl hat?

Da kann man nur üben, üben, üben! Die Frauen hören den Takt besser als Männer, das ist so. Männer achten mehr auf die Melodie, den Gesang und den Text, aber den Takt können viele nicht gleich fühlen. Man kann es ihnen aber beibringen, und sei es, indem die Frau ihn führt.

Herrscht in der Tanzschule nach wie vor Frauenüberschuss?

Das ist so, genau. Allerdings gibt es auch hin und wieder Männer, die nach einer Tanzpartnerin suchen. Als Tanzlehrerin kann ich aber auch gut vermitteln und habe meistens jemanden an der Hand, der als Tanzpartner oder Tanzpartnerin passen könnte. In meiner Laufbahn habe ich hunderte Paare zusammengebracht – einige sind sogar miteinander liiert oder verheiratet. Im Tanzangebot ist aber kein Trend zu erkennen, es gibt in allen Bereichen konstantes Interesse. Jugendliche tanzen gerne HipHop, wollen aber dann auch Festtänze können, wenn sie etwas älter sind.

Warum ist Tanzen ein Hobby, das glücklich macht?

Es ist Sport, man kann es zu zweit machen, man bewegt sich zu neuester Musik, wird selbstbewusst und kriegt ein gutes Körpergefühl, außerdem ist Tanzen ein gutes Gedächtnistraining. Man lernt dabei neue Menschen kennen, man entspannt sich. Viele Menschen, die nach der Arbeit in meine Kurse kommen, sind verspannt und stehen offenbar unter großem Druck. Das ist eine Entwicklung, die sich in den letzten sehr verstärkt hat. Tanzen ist eine gute Möglichkeit zum Abschalten und Spaß haben.

Wann sind Sie denn mal nicht in Bewegung? Gibt es solche Momente?

Selten! Tanzen ist ja auch mein persönliches Hobby. Deshalb hatte ich auch noch nie das Gefühl, dass ich arbeite. Mir ist daran nie etwas lästig, und ich liebe an meiner Tätigkeit, dass ich mit Menschen arbeite, sie zusammenbringen und mit ihnen zusammen sein kann. Dass sie sich durch das Tanzen auch unterein­ander vernetzen, sich freuen, wenn sie sich bei uns treffen und zusammen viel Spaß haben. Wenn ich mich mal nicht bewege, schaue ich gerne anderen beim Tanzen zu; wenn ich Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff mache, zum Beispiel. Interview

Von Christina Koormann

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