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Ideen für bessere Anbindungen im Nordwesten

Workshop „Mobil.Dasein.ORP!“ Ideen für bessere Anbindungen im Nordwesten

„Es fährt kein Zug nach nirgendwo.“ – Ganz so schlimm ist die Situation im ländlichen Brandenburg zum Glück nicht, doch wer kein Auto hat, fragt sich oft, wie er von A nach B kommt. Um die Probleme im Detail besser zu erfassen, läuft seit Januar ein Modellprojekt in Ostprignitz-Ruppin. Am Mittwochabend fand ein erster Workshop im Neuruppiner Rathaus statt.

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Die Workshop-Teilnehmer machten regen Gebrauch von mehreren Stellwänden, um ihre Probleme zu schildern. Foto: Mischa Karth

Neuruppin. Seit ziemlich genau zehn Jahren hat Neuruppin die Ehre, Namenspate für einen Intercity-Express (ICE) der Deutschen Bahn zu sein. Allein: Über eine annähernd schnelle Bahnanbindung verfügt die Fontanestadt keineswegs. Wer vom Bahnhof Neuruppin-West zum Berliner Hauptbahnhof möchte, muss knapp anderthalb Stunden einplanen. Die Verbindung von Hamburg in die Hauptstadt ist nur unwesentlich länger. Dass die lange Fahrtzeit vielen Menschen der Region ein Dorn im Auge ist, wurde am Mittwochabend einmal mehr deutlich. Zur Auftaktveranstaltung des kreisweiten Mobilitätsprojekts „Mobil. Dasein. OPR!“ waren Bürger dazu aufgerufen, ihre Probleme zu schildern. Neben beschränkten Einkaufsmöglichkeiten und einer schlechten Versorgung mit Ärzten am Wohnort wurde vor allem die Verkehrsanbindung thematisiert. Neben der langsamen Verbindung nach Berlin kamen dabei auch Nahverkehrsprobleme zur Sprache. „Letzte Bahnverbindung aus Wittstock nach Neuruppin um 21 Uhr“, „Schlechte Anbindung zum Tierpark Kunsterspring“, „sehr schlechte Anbindung Lindow – Gransee/Bahnhof“ waren nur einige Punkte, die in Form von runden Pappkreisen auf großen Karten der Region verewigt wurden.

Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin und die Regionalentwicklungsgesellschaft (REG) Nordwestbrandenburg wollen die Anmerkungen zunächst einmal sammeln, um anschließend ein Konzept auszuarbeiten. Für Kyritz und Wittstock sind ähnliche Veranstaltungen Ende Juni geplant. Das Projekt läuft bis Mitte 2018 und wird vom Bundesverkehrsministerium gefördert. Ostprignitz-Ruppin ist eine von deutschlandweit 18 Regionen, die besonders ländlich geprägt sind und in denen im Rahmen des Bundesprogramms Ideen für eine bessere Mobilität gesammelt werden sollen.

„Der Marktführer der Mobilität hier im Bereich heißt Auto. Das gefällt uns oder gefällt uns nicht. Aber es ist Teil der Realität“, sagte Christoph Gipp vom IGES-Institut Berlin, der den Projektablauf in Ostprignitz-Ruppin betreut. Sowohl für jüngere als auch ältere Bürger stellten sich eklatante Mobilitätsprobleme. Zugleich betonte Gipp, dass die Arbeit am Nahverkehrsplan des Kreises im vergangenen Jahr gezeigt habe, dass dies nicht nur die Verkehrsmittel Bus und Bahn betreffe. Er stellte einige Modellprojekte aus anderen Regionen Deutschlands vor, unter anderem eine Mitfahrzentrale in Hessen oder die Vernetzung von Bussen und Elektrofahrrädern in einer Kommune in Nordrhein-Westfalen. Technisch sei vieles möglich, es gehe nun darum, Akzeptanz bei allen Beteiligten zu schaffen. „Wir müssen vertrauenswürdige Angebote finden“, sagte Gipp.

Ein zweiter Ansatz sei es, die Versorgung direkt vor Ort, also auf den Dörfern zu stärken. Gipp führte den Konsum in Wildberg als Beispiel an, in dem neben Einkäufen auch Postgeschäfte erledigt werden können. „Leider funktioniert das nicht mehr überall“, sagte Gipp. Finanziert werden müssten Immobilien- und Personalkosten. Die Mittel, die der Bund im Rahmen des Modellprogramms bereitstellt, könnten lediglich Pilotprojekte anschieben, darüber hinaus sieht Gipp auch den Kreis und die Kommunen in der Pflicht.

Immerhin: Einige positive Entwicklungen machten die Workshop-Teilnehmer auch aus. So wurde der Plus-Bus nach Rheinsberg ebenso wie der Ausbau von Lieferservices durch den Einzelhandel gelobt.

Von Mischa Karth

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