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Im Bärenbusch lockt das Mäusehotel

Jagd und Naturschutz Im Bärenbusch lockt das Mäusehotel

Um Waschbären zu fangen, stellen Jäger im Wusterhausener Stadtwald, dem östlichen Teil des Naturschutzgebiets „Bärenbusch“, ihre Fallen unmittelbar an Mäuseburgen auf. Diese künstlich geschaffenen Gebilde sind eigentlich als Winterfütterungsplätze für Eulen und weitere Greifvögel gedacht. Doch das Ganze duftet offenbar auch für so manches andere Tier einfach zu verlockend.

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Jäger und Naturschutzgebietsbetreuer Lothar Schnick an einer besonderen Mäuseburg-Variante, daneben steht eine Waschbärfalle.

Quelle: Matthias Anke

Wusterhausen. Oh, wie lecker das duftet! Feiner Mais und frisches Stroh über ein paar muffigen Lumpen, und das alles auch noch geschützt in einer von der Wintersonne aufgeheizten und doch ziemlich gut belüfteten Tonne – freut sich die Maus.

Oh, wie lecker das duftet! Hier gibt es bestimmt Mäuse ohne Ende – freut sich die Eule oben im Geäst. Sie braucht dort nur geduldig zu warten.

Oh, wie lecker das duftet! Mäuse über Mäuse, freuen sich auch Marder, Fuchs, Waschbär und Co.

Vor allem der Waschbär aber, dieses gierige, gefräßige Mini-Raubtier, krabbelt dann doch lieber in einen Gitterkasten nebenan. Der ist schließlich gespickt mit Hühnerei, Haselnüssen und bestenfalls frischen Pflaumen. So kommt der Waschbär einfach nicht daran vorbei auf seinem Weg zur Mäuseburg, die Jägern dort mittels einer ausrangierten Ökomülltonne errichtet haben. Und zack! Die Falle schnappt zu.

Bevor Waschbären auch noch Schwarzspecht-Nester plündern

„Hier ist nachts richtig was los“, erzählt Jäger Lothar Schnick. Alle paar Tage werde auf diese Weise im Naturschutzgebiet „Bärenbusch“ bei Wusterhausen ein Waschbär gefangen. Schnick, der im Auftrag des Naturschutzbunds Deutschland das Areal betreut, verweist ein paar Bäume weiter auf Nisthöhlen des Schwarzspechts. „Das ist für die Waschbären ein Leichtes, dort oben heran zu gelangen“, sagt der 60-Jährige.

Unweit entfernt gab es bis vor einigen Jahren noch eine Reiherkolonie. „Bis der Waschbär alle Gelege plünderte und die Vögel vertrieb“, berichtet der 74-jährige Manfred Militz. Auch er gehört zur Jagdpächtergemeinschaft „Stadtwald“. Dieser bildet den östlichen Teil des Naturschutzgebiets.

„Jagd und Naturschutz gehören zusammen”, sagt Schnick unter seinem waldgrünen Schlapphut, an dem statt einer Feder eine Patronenhülse klemmt. Brandenburgs Landesjagdverband sei nicht ohne Grund ein anerkannter Naturschutzverband.

Künstliche Mäuseburgen als Winterfütterungsstelle für Eulen und Greife

Den Anlass für die künstliche Mäuseburg, wie sie Jäger allerorten seit Jahren in verschiedenen Varianten bauen, habe allerdings nicht der Waschbär gegeben. Den gerade dort fangen zu können, sei nur ein positiver Nebeneffekt. Vielmehr diene die Mäuseburg auch nicht nur als Lockstelle zur Bejagung für Füchse und Marder, sondern sie ist idealer Winterfütterungsplatz für Eulen. Im Bärenbusch-Schutzgebiet gebe es schließlich so einige Arten wie die Waldkäuze oder Schleiereulen. Zuletzt sei unter Jägern in der Region rund um Wusterhausen oft auch von einem Uhu berichtet worden. „Wir nehmen an, dass es ein Pärchen ist“, sagt Schnick.

Ein solches Uhu-Pärchen soll rund um Wusterhausen leben

Ein solches Uhu-Pärchen soll rund um Wusterhausen leben. Aber auch Schleiereulen und Waldkäuze werden an den vom Menschen errichteten Mäuseburgen oft gesehen.

Quelle: Matthias Anke

Dass Mäuse nun dieses vom Menschen für sie hingestellte „Hotel“ bevorzugen, hat einen ebenso einfachen Grund: An ihre Nester samt der Jungen darin kommen Wildschweine nicht heran. Zudem wird es aufgrund von Sonneneinstrahlung in dieser Box, die nach unten hin geöffnet ist, kuscheliger als im Erdreich.

Wildschweine buddeln Mäusenester in der Erde normalerweise aus

Schnick und Militz sprechen von einer „Inselfunktion“, die solche Vorrichtungen haben. Die einfachste, naturnahe Variante befindet sich nur knapp 100 Meter entfernt in einem trockenen Graben, der den Buchenwald flankiert. Dort hinein legten die Jäger schlicht Totholz und deckten alles mit Nadelzweigen ab. Auch in diese Mäuseburg hätte es ein Wildschwein schwer einzudringen. Leichter wäre es, in der Erde zu buddeln. Den Greifvögeln wiederum genügt schon ein kurzer Augenblick, sobald sich eine Maus auf einen Ausflug begibt.

„Ein Spektakel“, sagt Schnick. Und so werde es für Jäger nie langweilig, die dort auf einem der Hochsitze ausharren. „Irgendwann guckt immer mal einer vorbei.“ Eine dieser Kanzeln in der Nähe der Mäuseburgen heißt „Blitzschlag“. Denn nur ein paar Schritte entfernt schlug einst ein Blitz ein. Bei Gewitter macht sich der Waidmann dort daher lieber aus dem Staub.

Auch Tierfilmer und Jagdgegner sind im Naturschutzgebiet unterwegs

Jetzt aber zieht die tief stehende Sonne lange Baumschatten über den Boden im Bärenbusch. Während sie sonst oft nur nummeriert sind, tragen die meisten Hochsitze dort Namen. Viele orientieren sich an der Tierwelt. Biber oder Rotkehlchen steht es daher aufs Holz gepinselt. Warum allerdings bei dem Baum mit den Schwarzspechthöhlen nicht auch Schwarzspecht am Hochsitz steht, hat ebenso seinen Grund: Es gebe laut Schnick eine Menge Tierfilmer. Mit dem passenden Namen würde es ihnen noch leichter gemacht und die Fauna einmal mehr gestört werden.

Und dann gibt es noch die Jagdgegner. Wie vielerorts im Land wurden auch im Bärenbusch schon Hochsitze von ihnen umgesägt. Doch Jäger Militz hatte selbst dafür eine Idee: „Seitdem ich rundherum Nistkästen anbrachte, rührte den keiner mehr an.“

Von Matthias Anke

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