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Ostprignitz-Ruppin Im Himmel auf Erden
Lokales Ostprignitz-Ruppin Im Himmel auf Erden
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02:15 17.02.2017
Monika Rohrlack lebt seit über 40 Jahren im Himmel 3. Seit 1995 vermietet sie Fremdenzimmer – die Adresse bescherte ihr schon so manche interessierten Besucher. Quelle: Christian Bark
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Wittstock

So nah beieinander liegen Himmel und Hölle wohl nirgends. Gut 170 Meter Fußweg entlang der Kettenstraße in Wittstock trennen die beiden ungewöhnlich klingenden Straßennamen. „Der Himmel wird schon 1632 erstmals erwähnt“, erklärt Historiker Wolfgang Dost. Hinter der Bezeichnung vermutet er eine Spottbezeichnung, deren Ursprung allerdings nicht ganz klar sei.

Unscheinbar ist die kleine Seitenstraße „Himmel“ in der Wittstocker Innenstadt. Quelle: Christian Bark

Weniger Spott, sondern vielmehr Be- oder Verwunderung, hat die Adresse wohl den Himmelsbewohnern eingebracht. So erinnert sich Wolfgang Dost an eine seiner Schülerinnen, die sich vor 40 Jahren an der Humboldt Universität zu Berlin um einen Studienplatz beworben hatte. „Das Anschreiben kam mit der Bitte um Adressberichtigung zurück“, blickt der 76-Jährige amüsiert zurück. Die junge Dame habe nämlich Margit Engel geheißen und die Kombination mit ihrer Wohnstraße habe die Hochschule wohl nachdenklich gestimmt.

Feriengäste wollen im Himmel schlafen

Der Name „Himmel“ bringt aber auch Vorteile mit sich, wie Monika Rohrlack berichtet. Sie lebt seit 1975 im Himmel 3, vermietet dort seit 22 Jahren ein Fremdenzimmer. „Einige Gäste kommen nur deswegen, weil sie eine Nacht mal im Himmel schlafen möchten“, sagt die 61-Jährige. So modern und mit Holz vertäfelt wie heute war das Haus vor 40 Jahren freilich nicht.

Vor den Rohrlacks lebten die Tramps im Himmel 3. Quelle: Christian Bark

Als Rohrlack mit ihrer Familie einzog, lebte noch eine ältere Dame im Haus. „Sie hieß Tramp, ihr Mann war verstorben“, erinnert sich Monika Rohrlack. Weil das Haus zu groß für sie allein war, zogen nun die Rohrlacks ein. „Die Toilette war damals noch auf dem Hof“, berichtet die Anwohnerin. Hatte aber schon eine Spülfunktion. Von Monika Rohrlacks Hinterhof blickt man auf das alte Wittstocker Schafrichterhaus. Auch eine Garage gehört noch zum Grundstück. „Die erreiche ich, wenn ich von hinten entlang der Stadtmauer fahre“, erklärt Rohrlack.

Kein Wittstocker schmort in der Hölle



erstmalig als Straße in Wittstock erwähnt – damals noch als Himmelreich. Im Stadtplan von 1716 ist die Straße mit Artikel, also als „Der Himmel“ verzeichnet.

Die Hölle findet sich im Stadtplan von 1716 noch nicht. Sie ist laut Wolfgang Dost um 1840 erstmalig erwähnt worden. Die Hölle gilt seit jeher als unbewohnt – allerdings ist ab den Jahren 1932/33 eine Schmiede dort verzeichnet.

Einen tiefen religiösen Sinn vermutet Wolfgang Dost hinter den Bezeichnungen nicht – eher Spottbezeichnungen. Beispielsweise soll die Petersilienstraße sinnbildlich für eine etwas abseits gelegene Grünfläche stehen.

Auf diesem Wege erreichen auch ihre Nachbarn im Himmel 4, das Ehepaar Erika und Dietmar Glöde, ihre Garage. Die Jungvermählten hatten das Haus 1961 gekauft, wie sich Erika Glöde erinnert. Das 1910 errichtete Gebäude sei das einzige massive Backsteinhaus gewesen, alle anderen Häuser seien im Fachwerkstil erbaut worden. Im Krieg sei der Keller zudem als Luftschutzraum genutzt worden.

Erika und Dietmar Glöde leben seit über 55 Jahren im Himmel 4. Das Wohnhaus wurde 1910 errichtet. Quelle: Christian Bark

Lange Zeit haben auch die Glödes Ferienzimmer vermietet, nun wollen sie es jedoch etwas ruhiger angehen lassen, so das Rentnerehepaar. „Vielleicht werden die Wohnungen einmal dauerhaft bewohnt“, sagt die 81-jährige Erika Glöde. Sie und ihr Mann leben gerne im Himmel. „Man wohnt dicht an der Stadt und trotzdem nicht direkt darin“, verweist Dietmar Glöde auf die Randlage des Hauses nahe der Stadtmauer.

Während im Himmel seit Jahrhunderten Menschen leben, stellt das Gegenstück, die Hölle, lediglich eine Art Einfahrt zu einem Parkplatz dar. Zwischen den beiden Sackgassen liegt noch die Straße „Am Rosenwinkel“. „Kein Wittstocker musste je in der Hölle schmoren“, witzelt Wolfgang Dost. Zumindest gehe aus historischen Aufzeichnungen nicht hervor, dass die Straße bewohnt gewesen war. Die Hölle wird nach der Vermutung des Historikers wohl als spöttisches Gegenstück zum Himmel bezeichnet worden sein. Allerdings finden sich Belege erst über 200 Jahre nach der Ersterwähnung des Himmels in der Dossestadt.

Die Herkunft des Straßennamen Hölle ist nicht ganz klar. Quelle: Christian Bark

In den frühen Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts muss sich in der Hölle eine Schmiede befunden haben, so Wolfgang Dost. „Ob die aber unter der Adresse ’Hölle’ geführt wurde, kann ich nicht sagen“, erklärt er. Wie aus einem Artikel der Augsburger Allgemeinen hervorgeht, ist die mittelhochdeutsche Straßenbezeichnung Hell oder Höll laut Wörterbuch von Johann Andreas Schmeller jenes Plätzchen, das Kachelofen und Wand im Winkel der Stube bilden. Übertragen also ein enger, vielleicht wenig aufgesuchter Ort.

Von Christian Bark

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