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Im Norden erstmals weniger als 1000 Polizisten

Brandenburgs Polizeidirektion Nord Im Norden erstmals weniger als 1000 Polizisten

Durch den Stellenabbau bei der Polizei gibt es im Norden Brandenburgs erstmals weniger als 1000 Beamte. Polizeisprecher Toralf Reinhardt gibt sich dennoch optimistisch: „Wir schaffen das“ trotz der zahlreichen Aufgaben. Notfalls mit Hilfe des Bürgers, der mit dem Unfallwagen selbst zur Polizeiwache kommen muss.

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Polizeisprecher Toralf Reinhardt

Quelle: Enrico Kugler

Neuruppin. Obwohl die Zahl der Beamten in der Polizeidirektion Nord in Neuruppin im Januar erstmals unter die 1000-Mann-Marke gerutscht ist, macht die Polizei keine Abstriche an den ihr zugewiesenen Aufgaben. „Wir schaffen das, weil wir engagierte Kollegen haben und streng nach Prioritäten arbeiten“, sagt Neuruppins Polizeisprecher Toralf Reinhardt. Demnach sind der sogenannte Wach- und Wechseldienst, also die Streifenpolizisten, sowie der Kriminaldauerdienst das Rückgrat der Polizei.

Nach Unfall selbst zur Polizei

Allerdings kann der vom Land mit der Polizeireform verordnete Abbau der Personalstellen zu mitunter kurios anmutenden Situationen führen. Stößt ein Autofahrer beispielsweise mit einem Reh oder Wildschwein zusammen und ruft die Polizei, kann es durchaus sein, dass er gebeten wird, selbst mit seinem Auto zur Wache zu kommen, um den Unfall anzuzeigen. Vorausgesetzt, das Auto fährt noch. „Wir müssen da zuerst sein, wo es am schlimmsten ist“, sagt Reinhardt. Soll heißen: Wenn der Streifenwagen gerade zu einem Unfall mit Verletzten oder wegen eines Überfalls unterwegs ist, müsste der Unfallfahrer mit dem toten Wild sonst unnötig lange auf die Polizei warten. Also ist es besser, wenn er selbst zur nächst gelegenen Polizeiwache fährt. Reinhardt hat das im vergangenen Jahr selbst schon getan, als er einen kleinen Wildunfall hatte.

Die Kleinste Polizeidirektion ist „Nord“

998 Beamte arbeiten derzeit bei der Polizeidirektion Nord in Neuruppin. Sie ist für Prignitz, Ostprignitz-Ruppin sowie Oberhavel zuständig und damit die kleinste im Land. Die Uckermark war der Direktion Ost zugeschlagen worden.

Bei der Kripo sind aktuell 203 Beamte in der Polizeidirektion Nord angestellt. Rund 50 Prozent der Straftaten passieren im Landkreis Oberhavel, etwa 28 Prozent im Landkreis Ostprignitz-Ruppin und rund 22 Prozent in der Prignitz.

Die Verkehrspolizei hat 92 Beamte, das Gros von ihnen arbeitet bei der Autobahnpolizei Walsleben. Gut 70 Polizisten arbeiten in der Leitung der Direktion in Neuruppin. Dazu gehören ebenfalls die Bereiche Prävention, Kfz-Technik, Statistik, Personalwesen sowie die Pressestelle. Bei der Wasserschutzpolizei arbeiten 37 Beamte.

In den drei Landkreisen gibt es je eine Polizeiinspektion. Bei der in Oberhavel arbeiten aktuell 240 Beamte, bei der in Ostprignitz-Ruppin 172 und bei der in der Prignitz 141.

Es fehlen verbindliche Zahlen

Laut der vom damaligen Innenminister Rainer Speer (SPD) verkündeten Reform soll die Polizeidirektion Nord im Jahr 2020 eigentlich nur noch 863 Polizisten haben. Doch der jetzige Innenminister Karl-Heinz Schröter (ebenfalls SPD) hat den Personalabbau gestoppt. Allerdings fehlen bislang verbindliche Zahlen, wie viele Beamte die vier Polizeidirektionen im Land im Jahr 2020 haben sollen. Immerhin hat Schröter durchgesetzt, dass bis zu 350 Bedienstete pro Jahr bei der Polizei eingestellt werden können. Das sind 200 mehr als zuvor. Dass die Polizei mehr Leute als bisher einstellen darf, ist aber auch notwendig, wenn sie Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung wie bisher abwehren will.

Viele Unfälle und Straftaten – vergleichsweise hohe Aufklärungsquote

Denn obwohl inzwischen fast 10 000 Einwohner weniger als noch vor zehn Jahren in Ostprignitz-Ruppin leben, ist die Zahl der Verkehrsunfälle lediglich um sechs Prozent zurückgegangen. „Das ist nicht wirklich viel“, sagt Polizeisprecher Reinhardt. Die Zahl der Straftaten im Bereich der Polizeidirektion Nord, zuständig für Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel, ist ebenfalls kaum gesunken. Hingegen liegt die Aufklärungsquote mit gut 56 Prozent auf Bundesniveau – und damit deutlich höher als im Landesdurchschnitt (gut 52 Prozent). Es dürfte wohl kaum einer daran interessiert sein, dass künftig weniger Straftaten im Nordwesten des Landes aufgeklärt werden als bisher.

Flüchtlingskrise fordert zusätzlich

Hinzu kommt, dass die Polizei seit der Flüchtlingskrise zusätzlich gefordert ist. Zum einen müssen die Beamten vor allem im Bereich Oberhavel immer wieder Asylbewerber registrieren, die noch nirgendwo anders in Deutschland registriert wurden. Zum anderen gibt es seit der Flüchtlingskrise deutlich mehr Versammlungen, die die Polizei absichern muss. Bei den einen wird für ein Ändern der Flüchtlingspolitik demonstriert, bei den anderen für eine bessere Willkommenskultur. Auch das Sichern von Flüchtlingsunterkünften gegen Anschläge fordert zusätzliche Anstrengungen von der Polizei. Diese Aufgaben mit immer weniger Beamten zu leisten, wird wohl kaum gelingen.

Durchschnittsalter: 48 Jahre

Zwar liegt das Durchschnittsalter der Polizisten im Nordwesten der Mark bei knapp 48 Jahren. Doch junge Beamte haben ebenfalls ein Recht auf Elternzeit und Mutterschutz, wenn es Familiennachwuchs gibt. Neuruppins Polizeisprecher Reinhardt ist deshalb froh, dass immer wieder ältere Beamte beantragen, ihren Dienst zu verlängern.

Von Andreas Vogel

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