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Ostprignitz-Ruppin Mildere Strafe für Verkehrsrowdy und Hehler
Lokales Ostprignitz-Ruppin Mildere Strafe für Verkehrsrowdy und Hehler
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15:32 12.04.2019
Das Landgericht Neuruppin hatte einen Polen verurteilt. Er hatte Revision eingelegt. Nun wurde erneut verhandelt. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Als eine „ganz verrückte Nacht“ hatte ein Polizeibeamter aus Schleswig-Holstein den 4. Januar vergangenen Jahres in Erinnerung: Die Nacht, in der er und sein Kollege mit Unterstützung der Brandenburger Polizei den 30-jährigen Karol S. nach einer 100 Kilometer langen Verfolgungsjagd durch drei Bundesländer bei Walsleben stoppen konnten.

Das Fahrzeug war in Hamburg als gestohlen gemeldet, hatte gefälschte Kennzeichen und Karol S. besaß keine Fahrerlaubnis.

Erstes Urteil: Drei Jahre Haft

Wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs, versuchter Hehlerei, Urkundenfälschung und Fahren ohne Fahrerlaubnis hatte die erste Große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin den jungen Polen im Juli 2018 zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

Zu viel, fand Karol S. und focht das Urteil an. Mit Erfolg: Der Bundesgerichtshof hob es auf und verwies den Fall zur erneuten Entscheidung an eine andere Kammer des Landgerichts.

Nach dem Grundsatz des Verschlechterungsverbots darf das erstinstanzliche Urteil nicht zum Nachteil des Angeklagten geändert werden, wenn nur er Rechtsmittel eingelegt hat wie im vorliegenden Fall. Das heißt, mehr als drei Jahre hätten es nicht werden dürfen.

Neues Urteil: Ein Abschlag von drei Monaten

Die zweite Große Strafkammer entschied am Freitag auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Es war nicht das erste Mal, dass der gelernte Schlosser gestohlene Fahrzeuge nach Polen überführte. Schon zwei Mal war er in der Vergangenheit von der Polizei erwischt worden, hatte dafür auch in Polen im Gefängnis gesessen. Erst im Oktober 2017 war er nach einem Jahr und acht Monaten Haft entlassen worden.

Bereits am 3. Januar 2018 war Karol S. in Hamburg vorläufig festgenommen worden. Ein unbekannter Mann war dabei beobachtet worden, wie er sich an parkenden Fahrzeugen zu schaffen machte, zwei Begleiter, darunter der Angeklagte, standen offensichtlich Schmiere.

„Das spricht dafür, dass Karol S. die gestohlenen Fahrzeuge überführen sollte“, sagte die Vorsitzende Richterin. Karol S. wurde noch in derselben Nacht auf freien Fuß gesetzt – und geriet einen Tag später wieder ins Visier der Polizei.

Angeklagter war als Kurier unterwegs

In einem gestohlenen Golf Plus fuhr er als Kurier, davon ging das Gericht aus, Richtung Berlin. Es war reiner Zufall, dass die schleswig-holsteinische Polizei auf ihn aufmerksam wurde.

Die beiden Beamten – einer in einem Zivilfahrzeug, der andere im Streifenwagen – hatten in jener Nacht einen in Schweden gestohlenen Landcruiser kontrolliert und waren stutzig geworden, dass das Auto kein Navi hatte. „Deshalb hielten wir Ausschau nach einem möglichen Begleitfahrzeug“, sagte ein Beamter. Dabei fiel ihnen der Golf auf, den sie aufforderten, ihnen zu folgen.

„Man erwartet ja, dass er einem folgt. Aber wir haben dann langsam gemerkt, dass er nicht will“, sagte der 36-jährige Beamte. Karol S. gab Vollgas, die beiden Polizeifahrzeuge mit Blaulicht folgten ihm, kamen aber nicht an ihm vorbei, weil er ständig die Fahrstreifen wechselte.

Kurz vor der Ausfahrt Walsleben gelang es einem Beamten, sich mit dem Dienstmercedes vor den Golf zu setzen. Karol S. wollte an diesem vorbei, setzte zum Überholen auf dem Randstreifen an. „Das war ein hochriskantes Unterfangen“, sagte die Richterin. Es kam zum Zusammenstoß. Beide Fahrzeuge erlitten einen Totalschaden, Karol S. wurde festgenommen.

Rücksichtslos gefahren, um Polizei abzuschütteln

„Sein Verhalten war grob verkehrswidrig und rücksichtslos“, so die Richterin. Und das alles aus einem Grund: Er wollte die Polizei abschütteln.

Das Gericht sah keinen Grund, die Strafe um mehr als drei Monate zu reduzieren. Der Angeklagte wirke abgeklärt, unberührt, sei einschlägig vorbestraft und sei drei Monate, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde, geschnappt worden, so die Richterin. Den Abschlag von drei Monaten gab es nur, weil der Vorwurf der Urkundenfälschung wegfiel.

Karol S. muss weiter im Gefängnis bleiben. Das Gericht sah es als höchstwahrscheinlich an, dass er sich ansonsten nach Polen absetzen und so seiner Haft entziehen würde.

Von Dagmar Simons

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