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Im Ruppiner See herrscht Niedrigwasser

Pegelstand fällt weiter Im Ruppiner See herrscht Niedrigwasser

Der Ruppiner See verliert fast dreimal so viel Wasser wie aus Richtung Mecklenburg wieder hinzukommt. Zurzeit fällt der Pegelstand um einen Zentimeter alle zwei Tage. Vor allem das Luch braucht viel Wasser. Trockenheit ist für das Moorgebiet tödlich.

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Über das Wehr am Mühlengraben in Altfriesack fließt Wasser aus dem Ruppiner See in den Bützsee und weiter ins Luch.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Ohne Hilfe aus Mecklenburg wäre vielleicht schon längst Schluss. Das Land im Norden spendet seinem südlichen Nachbarn Millionen Kubikmeter Wasser, die Brandenburg gerade dringend braucht. Seit Wochen fällt der Wasserstand im Ruppiner See, einem der größten Speicher in der Region. Zurzeit liegt der Pegel fast 30 Zentimeter unter dem normalen Wert. Und eine Ende ist noch nicht abzusehen.

Dass es so wenig Wasser im See gibt, liegt am fehlenden Niederschlag. „Der Regen der vergangenen Tage hat kaum etwas gebracht“, sagt Holger Lettow, der Geschäftsführer des Gewässerunterhaltungsverband Oberer Rhin/Temnitz. Der Verband ist dafür zuständig, den Wasserhaushalt in den vielen kleinen Gewässern der Region zu regeln. Wenn er denn kann.

„Zurzeit fällt der Stand etwa einen Zentimeter alle zwei Tage“, sagt Lettow. Noch sind alle Tauchtiefen gesichert. „Wir haben noch keine Probleme“, bestätigt Daniel Schmidt, einer der beiden Chefs der Neuruppiner Fahrgastschifffahrt. Die Kronprinz Friedrich, das Flaggschiff der Neuruppiner Miniflotte hat einen Tiefgang von 1,30 Metern, die „Gustav Kühn“ braucht nur 90 Zentimeter Wasser unterm Kiel. Aber wenn es weiter so heiß warm und nicht bald mehr Regem kommt, könnte es irgendwann knapp werden.

Für die Fahrgastschifffahrt wird es schwierig, wenn die Pegel sinken

Für die Fahrgastschifffahrt wird es schwierig, wenn die Pegel sinken.

Quelle: Peter Geisler

Ein Probleme: Zurzeit fließt aus dem Ruppiner See dreimal so viel Wasser ab wie wieder hinein kommt. Mit dem Wasser aus dem See muss zum einen das Kanalnetz zur Havel bei Oranienburg versorgt werden. Zum anderen wird es dringend gebraucht, um das angrenzende Luch feucht zu halten. Je trockener der Sommer ist, um so mehr Wasser wird für die Bewässerung des Luchs gebraucht – um so mehr muss der See her­ausrücken. So ist jedenfalls die Theorie.

Im Moment fließen gut der Kubikmeter Wasser pro Sekunde in Alt Ruppin und in Wustrau aus dem Ruppiner See ab, sagt Holger Lettow. Zusammengerechnet sind das etwa 260  Millionen Liter Wasser am Tag. Die Menge entspricht einem Quader mit der Grundfläche eines Fußballfeldes und einer Höhe von etwa 37 Metern. Zusätzlich verdunstete über die riesige Oberfläche auch noch Wasser. Allerdings fließt über den Rhin auch wieder Wasser aus Richtung Norden in den See, wenn auch längst nicht so viel, wie derzeit abfließt.

Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsdirektion des Bundes leiten über Wolfsbruch Wasser aus Mecklenburg in die Rheinsberger Gewässer. Von dort fließt das Wasser über den Grienericksee und den Rheinsberger Rhin nach Alt Ruppin und in den Ruppiner See. Etwa 700 Liter pro Sekunde kommen zurzeit von dort, das sind rund 60 000 Kubikmeter am Tag.

Mecklenburg-Vorpommern rückt das Wasser freiwillig heraus, es müsste das nicht tun. „Aber wir haben einen guten Kontakt zu den Mitarbeitern“, sagt Holger Lettow. Wenn in Brandenburg Wassernot herrscht, drehen sie die Wehre auf. Im Gegenzug nimmt der Gewässerunterhaltungsverband den nördlichen Nachbarn Wasser ab, wenn die zu viel haben.

Positiver Nebeneffekt des Tauschs: Anders als in Neuruppin ist der Wasserstand in Rheinsberg auch jetzt im Sommer ganz ordentlich. Das ist wichtig fürs Schloss.

Das Rheinsberger Schloss ruht auf Holzpfähle, die tief im morastigen Boden stecken. Die Pfähle müssen immer unter Wassers ein, sonst beginnen sie zu faulen. In der Vergangenheit gab es schon Jahre, in den der Wasserstand so sehr fiel, dass es fürs Schloss dramatisch zu werden drohte. Auch darauf muss der Gewässerunterhaltungsverband achten.

Über Wassermangel kann Mathias Gebauer, der Gartenleiter des Rheinsberger Schlossparks, nicht klagen: „Unsere Wasserstand ist eigentlich ziemlich hoch“, sagt er . Zu erkennen ist das zu Beispiel am Schlossgraben.

Das Luch weiter südlich von Neuruppin könnte dagegen noch viel mehr Wasser gebrauchen, sagt Torsten Seeger vom Landschaftförderverein Oberes Rhinluch. Er macht sich Sorgen im das riesige Luchgebiet. Ist der Wasserstand zu niedrig, dann wird das Niedermoor schwer geschädigt. „Die Trockenheit ist für das Moor katastrophal“, sagt Seeger.

Dass 2015 außergewöhnlich trocken war, kann Meteorologe Thomas Hinz nicht bestätigen. Den August mitgerechnet, sind seit Januar auf Neuruppin etwa 340 Liter Regen pro Quadratmeter niedergegangen. „Damit liegt Neuruppin genau im Mittel“, sagt Hinz. Was allerdings auffällt: Der Niederschlag war anders verteilt. An wenigen Tage hat es heftig geregnet, dann folgten lange trockene Phasen. Auch das ist für das Luch nicht gut: Das Moor kann viel Wasser auf einmal nicht aufnehmen.

Aus dem Ruppiner See kann das Luch es kaum mehr bekommen. Bisher ist der niedrige Wasserstand im See nicht bedrohlich, sagt Holger Lettow. Für einen Sommer ist der Wasserstand nicht unbedingt ungewöhnlich. Zwar herrscht schon Niedrigwasser, doch bis die unterste Marke des Vertretbaren erreicht ist, bleiben noch knapp 15 Zentimeter. „Dramatisch ist das nicht“, sagt Holger Lettow. Wenn nach dem nächsten großen Niederschlag die Abflüsse ins Luch zugedreht werden, normalisiert sich der Wassersand im See wieder. Noch ist der große Regen aber nicht in Sicht.

Von Reyk Grunow

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