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Ostprignitz-Ruppin Im See liegt Schrott aus 100 Jahren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Im See liegt Schrott aus 100 Jahren
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20:21 28.09.2017
Guido König war auch gestern in sechs Metern Tiefe im Ruppiner See unterwegs. Quelle: Andreas Vogel
Neuruppin

Noch ein Drücken, dann rastet der Helm ein – und Guido König kann ins Wasser steigen. Der Kampfmitteltaucher ist am Donnerstag in der Nähe des Seedammes im Einsatz und sucht im Abstand von etwa 15 Metern zum Ufer in sechs Metern Tiefe nach Fundmunition im Ruppiner See. Zwei Kabel führt König, der im Funkkontakt mit seinen Kollegen steht, mit sich. Über das dickere wird er mit Luft versorgt, das dünne ist für die Sonde bestimmt, mit der der Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Polizei den Boden des Sees absucht. Die Sonde zeigt zwar immer wieder metallische Gegenstände an, aber bisher handelte es sich um keinerlei Granaten, Minen oder Bomben. „Wir haben hier bisher nur Schrott aus den vergangenen 100 Jahren gefunden“, sagt Gerd Fleischhauer.

Nur wer genau hinsieht, kann entdecken, wo sich der Taucher gerade befindet. Quelle: Andreas Vogel

Der Truppführer beim Kampfmittelräumdienst hat sich mit einem kleinen Boot zu dem Schiff rudern lassen, das als Basisstation für die Taucher dient und das derzeit direkt gegenüber der Seetorresidenz am Seedamm ankert. Fleischhauer spricht sich mit den Tauchern und einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes ab. Denn der Schrott, den die Taucher mit Hilfe einer speziellen Kiste und eines Kranes an die Wasseroberfläche holen, muss schließlich auch entsorgt werden. Wozu die vielen Metallteile einmal dienten, ist kaum zu erkennen. Zu lange lagen sie im Wasser. „Es sind viele Rohre dabei, wohl weil das Gelände einst zum Feuerlöschgerätewerk gehörte“, so Fleischhauer.

Arbeiten mussten neu ausgeschrieben werden

Die Munitionsexperten werden vermutlich noch bis Jahresende zu tun haben, um den Bereich vom Seedamm bis zum Resort Mark Brandenburg im Wasser nach Munition abzusuchen und dabei gleich von Schrott zu befreien. Grund für die Arbeiten ist der Uferwanderweg. Dieser endet bisher kurz hinter dem Gelände, das zum Hotel und der Seesauna gehört. Doch 2018 will die Stadt den Wanderweg bis zum Seedamm fortführen. Das Projekt galt schon für dieses Jahr als eine der wichtigsten Investitionsmaßnahmen von Neuruppin. Doch musste die Ausschreibung wiederholt werden, weil die voraussichtlichen Kosten mehr als die veranschlagten 200 000 Euro betragen werden. Ab einem Wert von über 200 000 Euro reicht aber keine deutschlandweite Ausschreibung, dann müssen die Arbeiten europaweit ausgeschrieben werden.

Und wieder ist der Grund des See von etwas Schrott befreit. Quelle: Andreas Vogel

Guido König hat derweil schon etliche Meter unter Wasser zurückgelegt. Seinen Weg verraten die Luftblasen an der Wasseroberfläche. Gefährliche Funde meldete er am Donnerstag nicht. Es ist ein eher ruhiger Tag, bei dem es darum geht, den Schrott auf dem Seegrund einzusammeln und in die Kiste zu packen, die dann mit dem Kranausleger auf dem Schiff an Land geholt wird. Dass sich die Situation schnell ändern kann, das haben die Taucher erst jüngst erlebt. In Molchow fanden sie im Bereich der Brücke drei Granaten, die vor Ort gesprengt wurden.

Auch im Ruppiner See wurde an der Regattastraße schon jede Menge Fundmunition entdeckt. Sie stammte aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie aus Beständen der sowjetischen Armee, die in Seenähe mehrere Kasernen hatte.

Bevor Taucher Guido König ins Wasser steigt, werden die Anschlüsse am Anzug genau kontrolliert. Quelle: Andreas Vogel

Von Andreas Vogel

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