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Immer mehr Kinder nicht fit für die Schule

Bilanz zur Einschulungsuntersuchung in Ostprignitz-Ruppin Immer mehr Kinder nicht fit für die Schule

Einige Vorschüler sind zu dick, andere haben Sprachstörungen. Auch beim Sehen und Hören schneiden künftige Abc-Schützen schlecht ab. Immer häufiger empfiehlt das Gesundheitsamt des Landkreises Ostprignitz-Ruppin deshalb, Kinder ein Jahr länger in den Kindergarten gehen zu lassen.

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Körper und Geist eines jeden Kindes sollten fit für die Schule sein.

Quelle: Foto: dpa

Neuruppin. Immer öfter empfiehlt das Gesundheitsamt Ostprignitz-Ruppin, dass Mädchen und Jungen noch ein Jahr länger zur Kita gehen und noch nicht in die Schule wechseln. Allein für das neue Schuljahr 2015/16 gab es bei 913 untersuchten Kindern 160 Rückstellungsempfehlungen, sagte Kinderärztin Anna Bukmaier am Mittwoch. Zum Vergleich: Vor drei Jahren wurden im Landkreis lediglich 113 Rückstellungen von der Schule empfohlen – bei 858 untersuchten Abc-Schützen.

Einen Grund für den deutlichen Anstieg konnte Bukmaier nicht nennen. Sie verwies lediglich darauf, dass bei chronischen Erkrankungen, langwierigen Krankenhausaufenthalten sowie bei fehlender psychosozialer und emotionaler Reife des Kindes das Gesundheitsamt ein Rückstellen von der Schule empfiehlt. Ob dieser Empfehlung auch stets gefolgt wird, ist offen. Denn nicht das Gesundheitsamt, sondern der jeweilige Schulleiter entscheidet über die Aufnahme eines jeden Kindes an seiner Schule. Die Empfehlung der schulärztlichen Untersuchung soll er lediglich berücksichtigen.

Auffällig ist zudem, dass immer mehr Kinder in Ostprignitz-Ruppin unter Sprachstörungen leiden. Fast jedes dritte Kita-Kind, das für das Schuljahr 2014/15 untersucht wurde, konnte nur schlecht sprechen. Das sind fast zehn Prozent mehr als drei Jahre zuvor. Als mögliche Ursachen für Sprach- und Sprechstörungen sehen die Mediziner neben allgemeinen Entwicklungsverzögerungen, lang anhaltenden Mittelohrentzündungen auch das Erlernen einer Zweitsprache sowie zu wenig familiäre Gespräche und gemeinsame Aktivitäten. Soll heißen: Viele Kinder sitzen einfach vor dem Fernseher oder dem Computer und sprechen nur wenig mit ihren Eltern. Das ist zwar ein bundesweites Phänomen, doch in Ostprignitz-Ruppin scheint das besonders verbreitet zu sein: Die Quote bei den Sprachstörungen der Einschüler liegt gut sieben Prozent über dem Landesdurchschnitt.

Ähnlich schlecht schneiden die neuen Abc-Schützen zwischen Fehrbellin, Neuruppin, Kyritz, Rheinsberg und Wittstock ebenfalls beim Sehen und Hören sowie bei Bewegungsprüfungen ab. Kinderärztin Heike Greese schiebt das zum einen darauf, dass sich viele Kinder einfach zu wenig bewegen. „Bewegung fördert die allgemeine Entwicklung des Kindes.“ Zum anderen, so Greese, leben in Ostprignitz-Ruppin rund 20 Prozent der Einschüler in Familien mit einem niedrigen sozialen Status. Diese Schüler seien öfter von Entwicklungshemmnissen betroffen als Kinder, deren Eltern nicht arbeitslos sind oder so wenig verdienen, dass sie auf Hilfe des Staates angewiesen sind. Brandenburgweit kommen im Schnitt lediglich dreizehn Prozent der Einschüler aus sozial schwachen Familien. Schlusslicht sind laut dem Sozialatlas des Landes die Uckermark, in der 23 Prozent der Kinder in sozial schwachen Familien leben, sowie die Prignitz (22,6 Prozent) und die Stadt Brandenburg (22,3 Prozent).

Weil es in Ostprignitz-Ruppin zudem immer mehr Kinder gibt, die unter verschiedensten Allergien leiden, würde Kinderärztin Greese den Einsatz von Schulkrankenschwestern begrüßen. Ein Pilotprojekt des Landes soll 2016 starten – aber nicht in der Region.

Von Andreas Vogel

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