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In Bork läutet es elektrisch

Glockenanlage modernisiert In Bork läutet es elektrisch

Mit zum Teil großzügigen Spenden und viel ehrenamtlicher Arbeit konnte das Läutwerk der Kirche im Kyritzer Ortsteil Bork in den vergangenen Wochen auf den Stand der zeit gebracht werden. Nun muss zum Läuten niemand mehr an den Seilen ziehen.

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Der bisherige Glöckner Axel Redepenning muss nun höchstens noch einen Knopf drücken.

Quelle: Alexander Beckmann

Bork. Einige Bewohner des Kyritzer Ortsteils Bork reagierten dieser Tage offenbar doch etwas überrascht: Punkt 18 Uhr läuteten die Glocken der Dorfkirche. Ist was passiert? Sowas gab es doch früher nicht!

„Früher“, also bis vor wenigen Tagen, läuteten die Borker Glocken nur sonntags zum Gottesdienst und zu besonderen Anlässen. Dann kletterte oft Axel Redepenning als Glöckner in den Turm und setzte die schweren bronzenen Klangerzeuger per Zugseil in Bewegung. Der Ortsvorsteher des kirchenlosen Nachbarortes Lellichow fand das ganz in Ordnung so: „Von mir aus hätte das so bleiben können.“ Schließlich werde das traditionelle manuelle Glockenläuten kaum noch irgendwo praktiziert.

Ehefrau Beatrix Redepenning steht dem Gemeindekirchenrat vor und sah eine Modernisierung ebenfalls eher skeptisch: „Bei den Kosten wäre unsere Gemeinde pleite gegangen.“ Der Gemeindekirchenrat wollte aber zumindest alles versucht haben. Man sammelte Geld. „Glöckner“ Axel Redepenning sah sich zudem nach weiteren Finanzierungsquellen um.

Fündig wurde er schließlich bei der „Stiftung Preußisches Kulturerbe“. Dabei handelt es sich um die Nachfolgerin jenes Vereins, der Millionen für den Neubau der Potsdamer Garnisonkirche gesammelt, sich dann aber aus politischen Gründen zurückgezogen hatte. Das Geld sollte in andere Projekte investiert werden. Axel Redepenning bewarb sich für Bork, schrieb die Geschichte des Hauses nieder und besorgte einen Kostenvoranschlag. Ab da sei alles bemerkenswert unkompliziert gelaufen, berichtet Redepenning:„14 Tage später kam ein Anruf, dass sie das Geld überweisen wollen.“ Immerhin fast 10 000 Euro. Der Gemeindekirchenrat konnte eine Glockenbaufirma beauftragen.

Getan war es damit aber noch nicht. Die Läutwerk-Experten aus Heidenau bei Pirna stellten fest, dass die Aufhängung der beiden Glocken aus den Jahren 1697 und 1717 dringend erneuert werden musste. Dazu brauchten die Glockenbauer Zugang zur Turmspitze. Doch die hatten die Dachdecker beim Kirchenbau 1909 bis 1910 offenbar zum Materiallager gemacht. Rund anderthalb Tonnen Ziegelschutt mussten raus, bevor die Glockenbauer anfangen konnten.

Der Aufruf zum Arbeitseinsatz stieß im Dorf auf ungeahnte Resonanz. „Da sind Leute gekommen, mit denen wir nie gerechnet hätten“, berichtet Axel Redepenning. „Für viele gehört die Kirche eben doch noch zum Dorf.“ Mit einer Menschenkette schafften die Borker den Ziegelschutt Stück für Stück aus dem Turm heraus.

Aus der Kirchengeschichte

Die Borker Kirche ist erst gut 100 Jahre alt. Sie wurde 1910 als Nachfolgebau einer Fachwerkkirche (vermutlich von 1664) eingeweiht.

Die älteste Erwähnung einer Kirche in Bork stammt von 1422.

Architekt des heutigen Gebäudes war der königliche Baurat Georg Büttner. Adda von Klitzing in Demerthin übernahm als Patronatsherrin rund 40 Prozent der Baukosten.

Bereits 1993 wurde der Klinkerbau fast vollständig restauriert. Er steht unter Denkmalschutz.

Die beiden Bronzeglocken im Turm stammen laut Aufschrift aus den Jahren 1697 und 1717 und läuteten also schon in den Vorgängerbauten.

Die Glockenbauer erneuerten nicht nur die Joche (Aufhängungen), sondern auch die Klöppel der Glocken und installierten eine elektrische Läuteanlage. „Jetzt läutet es mittags um zwölf und abends um sechs“, sagt der Ex-Glöckner. Wann es so etwas im Dorf zum letzten Mal regelmäßig gab, daran kann sich keiner mehr erinnern.

Mitte des Monats will die Kirchengemeinde das neue Läutwerk offiziell in Betrieb nehmen und mit einem Gottesdienst feiern. Bis dahin wartet im Turm noch Arbeit – vor allem Putzarbeit. Die Borker wollen zum Fest Turmbesteigungen organisieren. Dem steht der Schmutz von Jahrzehnten allerdings noch etwas entgegen. Sowieso wird es Alternativen geben. „Wer keine Lust hat, selbst auf den Turm zu steigen, kann sich Fotos auf der Lellichower Internetseite ansehen“, verspricht der Ortsvorsteher. Er träumt im übrigen schon davon, den Turmraum für Ausstellungen zu nutzen. Das ist aber wirklich noch Zukunftsmusik.

Von Alexander Beckmann

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