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In Kyritz soll ein Reparatur-Café entstehen

Wegwerfgesellschaft In Kyritz soll ein Reparatur-Café entstehen

Der Toaster reagiert nicht mehr, doch die Reparatur wäre teurer als ein Neuer? Und dem Stoffteddy hat’s den Arm abgerissen, doch im Bekanntenkreis kann ihn keiner annähen? Wer vor ähnlichen Problemen steht, dem wird in Kyritz bald geholfen. Dort gründet sich gerade eine Reparatur-Initiative für geselliges Werkeln bei Kaffee und Kuchen – und mit viel Idealismus.

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Nicht alles, was kaputt ist, muss sofort in die Mülltonne.

Quelle: imago

Kyritz. Der Gegner lauert überall. Er tritt überraschend auf. Und oft schlägt er dann geplant zu. Sein Name: Obsoleszenz. Doch gegen ihn wächst ein Kraut, ein Netzwerk vielmehr. Es sind die bundesweiten, mittlerweile fast 300 Reparatur-Initiativen, die es laut einem „Initiativenatlas“ in der Region auch in Wittstock und Neuruppin schon gibt und von denen eine weitere nun bald in Kyritz entstehen soll.

Ehrenamtliche geben Wissen weiter, Jung und Alt lernen voneinander

„Obsoleszenz bezeichnet den geplanten Verfall von Geräten durch den Einbau von Schwachstellen“, erklärt Sarah Reinecke vom Sozialträgerverein „Stattwerke“. Damit Dinge jedoch repariert statt weggeworfen werden, sucht sie derzeit auch für den Kyritzer Raum nach ehrenamtlichen Helfern, die im Reparatur-Café ihr Wissen weitergeben sollen. Dieser Treff wird im Mehrgenerationenbaus bei der Familienoase der Arbeiterwohlfahrt um Roswitha Leest angesiedelt sein.

Zu regelmäßigen Terminen sollen dort Defekte an mitgebrachten Gegenständen gemeinsam von Laien und Experten, von Jung und Alt bei Kaffee und Kuchen repariert werden. „Das setzt ein Zeichen gegen die sorglose Wegwerfgesellschaft. Natürliche und menschliche Ressourcen werden geschont, weil Gebrauchsgüter länger nutzbar bleiben“, sagt Sarah Reinecke. Denn die Obsoleszenz bezeichne viel mehr als nur die berüchtigten, versteckten Sollbruchstellen oder den geplanten Verschleiß. Funktional betroffen seien alle sich schnell verändernden Branchen.

Beispiel: Ein 20 Jahre alter PC samt Software läuft noch, ist für heutige Zwecke aber unbrauchbar. Oder er müsste derart repariert werden, dass es sich wirtschaftlich nicht lohnt. Oder das Gerät ist schlichtweg „out“. Ganz vorne dabei sind alte, aber noch funktionierende Handys. Neues Design ermöglicht eben immer neue Mode – nicht nur bei Textilien.

Dem Reparaturgewerbe soll keine Konkurrenz gemacht werden

„Der Reparaturtreff soll dem Reparaturgewerbe aber keine Konkurrenz machen, es geht vielmehr um den kaputten Toaster, der in den Müll fliegen würde, oder ein kaputtes Spielzeug“, erklärt Sarah Reinecke. Ein Name für das Café werde noch gesucht.

In Wittstock gibt es die „Reparier-Bar“ von Frank Lienau. In Neuruppin ist es das „Montage-Café“. Letzteres geht auf eine Idee innerhalb der Neuruppiner „Werkstatt Südstadt“ zurück, die es im Mai seit genau einem Jahr gibt. Es ist ein Projekt, um Langzeitarbeitslosen und Flüchtlingen den (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, und es hat sich im Quartier entlang der Heinrich-Rau-Straße mittlerweile etabliert. Im dazugehörigen Montage-Café auf dem Gelände des Bauspielplatzes sind „ Reparieren statt Wegwerfen“, „Basteln statt Kaufen“, „Teilen statt Besitzen“ die Leitsätze.

Jeden Montag um 15 Uhr öffnet das Café seine Pforten. „Hier kann mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern geschraubt und gebaut werden. Das nötige Werkzeug ist vor Ort und kann genutzt werden“, heißt es seitens des Trägervereins Esta-Ruppin um Projektleiter Stefan Fulz. Für Verbrauchsmaterial wird um Spenden gebeten. „Momentan können wir mit unseren ehrenamtlichen Helfern insbesondere im Bereich Computer und Computertechnik, im Bereich Holz, für die Reparatur von Elektrokleingeräten und beim Nähen Hilfestellung geben.“

Termin: Die Auftaktveranstaltung für den neuen Kyritzer Reparaturtreff in der Awo-Familienoase des Mehrgenerationenhauses erfolgt kommenden Sonnabend, 30. April, in der Zeit von 15 bis 17 Uhr. Im Internet gibt es unter www.reparatur-initiativen.de viele weitere Infos zu diesem Thema.

Von Matthias Anke

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