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In Lindow an der Leine

Hilke Karrasch-Hansel bietet Coaching für alle Lebenslagen an – mit ihren Pferden In Lindow an der Leine

Ob gestresster Manager, verlassene Ehefrau, unfreiwilliger Single oder Kind mit Schulangst: Die Menschen, die zu Hilke Karrasch-Hansel kommen, haben ein Problem. Die Trainerin in Lindow setzt bei der Lösung auf die Hilfe von Pferden.

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Beste Freunde: Hilke Karrasch-Hansel und Leitstute Kessy.

Quelle: Regine Buddeke

Lindow. Betty hat keine Lust. Kein Stück ist sie bereit zu gehen, nicht einmal, als „Frauchen“ es mit sanfter Strenge versucht. Genau dafür liebt Hilke Karrasch-Hansel die Stute. „Sie ist so störrisch“, sagt sie. „Immer für eine Krise gut.“

Krisen sind ein leidenschaftliches Thema für die Lindowerin, die zertifizierter „Horse assistant coach“ ist und Menschen in allen Lebenslagen berät. „Krisen bewirken Veränderung, sind eine Chance.“ Sie selber hat das in ihrem Leben schon oft genug selbst erlebt. Jede Krise brachte einen Wechsel. Ehemals Unternehmerin in der Textilbranche, sattelte sie um zur Sporttherapeutin. Nach einer Ausbildung und einem Studium in Köln hat sie als Stuntfrau gearbeitet – bei Autostürzen und Kampfszenen. „Stürze waren meine Spezialität“ sagt sie. „Ich musste mich immer mit meinen Ängsten befassen – auch als ich urplötzlich Höhenangst bekam.“ Für die agile Frau ein deutliches Zeichen, auf ihr Inneres zu hören und wieder eine Entscheidung zu treffen, die ihr Leben veränderte. Genau das ist es, was die 41-Jährige ihren Klienten vermitteln will: Achtsamkeit mit sich selbst, auf seine Ängste hören, Zweifel zulassen, ins Innere hören und letztlich die Krisensituation durchschauen und gestärkt daraus hervorgehen. Ob gestresster Manager, verlassene Ehefrau, unfreiwilliger Single oder Kind mit Schulangst: die Menschen, die zu Hilke Karrasch-Hansel kommen, haben ein Problem, dass sie mit Hilfe der vierbeinigen Lehrer und den Fragen von Hilke Karrasch-Hansel lösen wollen.

In ihrem Lindower Domizil kann man vom hölzernen Zirkus-Wagen, der als Büro und therapeutische Teestube dient, auf die Koppel schauen. Friedlich grasen die fünf Coaches nebeneinander: die störrische Betty neben der bedächtigen, weißen Kessy, die zwar nicht die größte und stärkste, wohl aber die erfahrenste ist und daher von den anderen als Leittier akzeptiert wird. „Sie muss gar nicht demonstrieren, dass sie der Chef ist“, erklärt Karrasch-Hansel die natürliche Autorität der Stute – auch das eine Lehrstunde in Sachen Führung. Alaska-Blue dagegen ist spielerisch, liebt die Herausforderung, überschreitet schon einmal eine Grenze. „Hier muss man Stopp sagen, sich durchsetzen“, beschreibt die Trainerin eine andere Baustelle ihrer Klienten. Die eher ängstliche Amber dagegen benötige viel Zuspruch – auch das muss mancher Chef erst lernen. Und die kleine Jackie ist ohnehin ein Fall für sich. „Wir mögen uns nicht – aber wir akzeptieren einander“, gesteht Hilke Karrasch-Hansel schmunzelnd. Auch das ist Teil der Lektion: Man muss nicht jeden mögen.

Im Fall von Betty war das anders. Als sich die Lindowerin vor acht Jahren auf einem Pferdemarkt in den magischen Blick der Stute verliebte, war das die Geburtsstunde ihres neuen Berufes. Vor einem Jahr ist sie mit ihrem Mann und den drei Kindern nach Lindow gezogen: „Hier ist weniger Oberflächlichkeit als in der Großstadt.“

Aus dem, was da ist, das Beste machen

In ihren Therapiesitzungen – einzeln oder auch im Team – geht es darum, einen Parcours zu bauen, auf dem die Tiere dann geführt werden. Schon das Bauen mit den bunten Kegeln und Reifen verrät Hilke Karrasch-Hansel viel darüber, wen sie vor sich hat. Stellt er sich zu große Herausforderungen oder traut er sich eher wenig zu, ist er planvoll oder intuitiv. Wer hat im Team die Ideen, wer mault, wer ist aktiv, wer lässt den Chef raushängen. Oft entpuppten sich die vorgestellten Probleme später als etwas ganz anderes. Ziel sei, dass der Betreffende am Ende seine Fragen selber beantworten könne. „Und aus dem, was an Potenzial da ist, dann das Beste machen kann.“ Dazu gehöre manchmal auch, sich von Menschen oder Dingen zu trennen, die einem nicht guttun. „Das ist aber ein Preis, den mancher nicht zahlen will“, so die Trainerin. „Aber den Tschaka-Tschaka-Weg will ich nicht mehr unterstützen.“ Oberflächliche Motivation sei nicht das Ziel. „Es funktioniert nicht, ohne ans Eingemachte zu gehen.“

Ist der Parcours fertig, gilt es, das Pferd hindurch zu führen. „Wer das nicht schafft, wird es auch bei seinen Mitarbeitern nicht können“, weiß Karrasch-Hansel. Aggression und Lautstärke lassen die sensiblen Tieren völlig kalt – je mehr man am Zügel zerrt, desto stärker ist der Gegendruck. Auch äußere Statussymbole wie Handy, Laptop und teure Sonnenbrille beeindrucken ein Pferd kein Stück. Deswegen haben die im Training auch nichts zu suchen. „Da bin ich sehr autoritär“, verrät Hilke Karrasch-Hansel. Die Königsdisziplin ist es, das Tier über eine nasse, raschelnde Plane zu führen – das mögen sie gar nicht. „Wofür steht die Plane?“, fragt die Trainerin. Klarer Fall: Neuland, eine Herausforderung. Wenn die Stute stattdessen am Gras knabbert, ist es nicht leicht, ihr zu vermitteln, dass sie da jetzt durch muss. Sie spüren genau, wann der Mensch am Zügel es ernst meint. „Führung muss man lernen“, so Karrasch-Hansel, die genau beobachtet, was vorgeht, um im späteren Gespräch mit dem Kunden die Ursachen seines Problems aufzuspüren und Schritt für Schritt zu lösen. „Pferde wirken wie Spiegel unseres eigenen Verhaltens“, steht es auf Hilke Karrasch-Hansels Flyer. Und setzt fort, was schon die vorangegangene Stunde mit den Pferden gezeigt hat: „Leben heißt handeln.“

Von Regine Buddeke

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