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Ostprignitz-Ruppin In Lindow sind die Gaukler los
Lokales Ostprignitz-Ruppin In Lindow sind die Gaukler los
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00:17 09.05.2016
Einrad-Übungen – hier beim Gauklercamp vor zwei Jahren. Quelle: Christian Schmettow
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Neuruppin

Als Michael Kretsch­mer-Loof vor sieben Jahren die Aufgabe übernahm, ein Zirkusprojekt für Kinder auf die Beine zu stellen, hätte niemand gedacht, dass das jemals derart groß werden könnte. Ein Gauklercamp? So richtig wusste damals keiner beim Verein Esta Ruppin, wie das funktionieren soll. Doch es funktionierte. Viel besser als erhofft. „Angefangen haben wir 2009 mit acht oder zehn Kindern“, erinnert sich der Sozialarbeiter, den alle nur „Balloo“ nennen.

Die Kinder haben sich als Artisten, Clowns, Jongleure ausprobiert und dabei so viel Spaß, dass sie gar nicht mehr aufhören wollten. Aus dem kleinen Ferienprojekt wurde eine Arbeitsgemeinschaft, in der die Jungs und Mädchen auch außerhalb der Ferien trainiert haben. Aus dem Camp wurde ein Treck, der mit artistischen Vorstellungen von Ort zu Ort zog, und die Idee wurde immer beliebter.

Was in Neuruppin angefangen hat, hat sich inzwischen über den gesamten Landkreis ausgebreitet. In acht Orten betreuen die Frauen und Männer von Esta Ruppin und anderen Jugendvereinen inzwischen Zirkus-AGs: in Neuruppin, Rheinsberg, Lindow, Walsleben, Heiligengrabe, Blumenthal, Kyritz und Wittstock. 120 Kinder trainieren dort regelmäßig.

Die jungen Gaukler sind bei vielen Festen gefragt

Dinge zu lernen, die andere nicht können, auf einem Einrad fahren zu können, mit Bällen oder Reifen zu jonglieren: für die Kinder und Jugendlichen ist das eine Herausforderung – aber auch ein riesiger Erfolg, wenn sie vom Publikum am Ende gefeiert werden. Und das werden sie regelmäßig.

„Die Idee ist aber nicht nur, Zirkus zu machen“, sagt Sozialarbeiter Andreas Weber. „Es geht uns auch um Kulturarbeit für die Region.“ Die jungen Gaukler werden immer wieder zu Dorf- oder Vereinsfesten eingeladen. „Oft sind sie der Höhepunkt im Programm“, sagt Christiane Schulz, Geschäftsführerin von Esta Ruppin.

„Unser Ziel ist ein fester Zirkus für Kinder und Jugendliche“, sagt sie. Am besten mit einem eignen Zirkuszelt. Sie und ihre Kollegen haben sogar schon einen Traum, wo das einmal stehen könnte: Vielleicht am Rand des Neuruppiner Neubaugebiets, im Stadtteilpark neben dem Bauspielplatz, den Esta Ruppin auch betreibt? Doch der Standort ist bisher nur eine Idee. Das Zirkuszelt dagegen nicht. Dafür will der Verein jetzt beginnen, Spenden zu sammeln.

Das Gauklercamp in den Sommerferien lockt viele Kinder

Etwa beim großen Gauklercamp für Kinder und Jugendliche, das in diesem Sommer in Lindow stattfinden wird. Die Drei-Seen-Schule stellt Turnhalle und Räume zur Verfügung. Vom 31. Juli bis 7. August können die Mädchen und Jungs dort mit Anleitung von professionellen Artisten lernen, worauf es beim Gaukeln ankommt. Übernachtung, Rundumbetreuung und Verpflegung sind inbegriffen.

Weil Esta Ruppin Fördermittel für das Projekt bekommt, kostet das Gauklercamp die Eltern nichts. Koordinatorin Anne Köppe hofft trotzdem, dass der eine oder andere etwas geben wird – als Spende für das Zirkuszelt.

Auch mit festem Zelt soll es in vielen Orten Zirkusprojekte geben

Das Gauklercamp ist inzwischen so erfolgreich, dass sich regelmäßig auch Kinder aus Mecklenburg oder Berlin melden, die mitmachen wollen. Zirkusprojekte für Kinder gibt es zwar auch anderswo in Deutschland. „Unseres ist aber trotzdem besonders“, sagt Betreuer „Balloo“. Die meisten anderen Projekte finden an einem zentralen Ort statt. In Ostprignitz-Ruppin geht das nicht. „Hier sind die Kinder auf dem Dorf oft immobil“, sagt Kretschmer-Loof.

Busse fahren nur selten; die Eltern müssen oft arbeiten und könnten die Kinder nicht zum Zirkus nach Neuruppin fahren. Das wäre für viele auch zu weit. Die einzige Lösung sind die Gaukler-AGs an vielen Orten. Die sollen auf jeden Fall erhalten bleiben – auch dann, wenn es wirklich irgendwann einmal einen festen Kinderzirkus in Neuruppin geben sollte.

Anmeldungen fürs Gauklercamp sind (durch einen Erziehungsberechtigten) bis zum 15. Juni bei Esta Ruppin möglich. Mehr Informationen gibt es bei Silke Popp unter 03391/51 24 57 oder per E-Mail unter s.popp@estaruppin.de. Mitmachen können Kinder und Jugendliche zwischen acht und 17 Jahren. Esta Ruppin sucht außerdem noch Betreuer, die möglichst schon Erfahrungen im Umgang mit Kindergruppen haben und ehrenamtliche Rettungsschwimmer.

Von Reyk Grunow

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