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In Rheinsberg eröffnet eine Musikbrennerei

Musik aus dem Pfeifentopf In Rheinsberg eröffnet eine Musikbrennerei

Neue Musik schlägt sich immer mit Vorurteilen herum. Der Komponist Hans-Karsten Raecke kennt diese nur zu gut. Dennoch eröffnet er in Kürze seine Musikbrennerei in Rheinsberg. Über sich und seine Musik sprach er am Mittwochabend beim „Treffpunkt Amtsstube“ in der Musikakademie. Die Zuhörer staunten über seine selbst gebauten Instrumente.

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Die Zuhörer sind fasziniert von den ungewöhnlichen Instrumenten, die der Musiker Hans-Karsten Raecke (r.) erfunden hat.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. „Er ist Neu-Rheinsberger und hat den Kontakt zu uns gesucht. Da haben wir sofort zugesagt“, erzählt Brigitte Kruse, die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Musikakademie, über Hans-Karsten Raecke – Komponist und Dirigent, Klarinettist und Pianist, Erfinder von Instrumenten und den dazu passenden Notenschriften. Das klingt abendfüllend – ähnlich spannend und facettenreich ist auch das Leben des 74-Jährigen, das Brigitte Kruse zu Beginn des „3. Treffpunkts Amtsstube“ steckbriefartig Revue passieren lässt. Klavierunterricht mit fünf Jahren, Studium für Klarinette in Berlin, rascher Wechsel ins Komponistenfach, Meisterschüler, erste Klangwerkstatt in Berlin, Teilnahme an den Warschauer Herbstfestivals für Neue Musik, Fall in die Ungnade der DDR-Oberen, Lehrverbot, daraufhin Flucht in die Jazzszene, später in den Westen.

Instrumente aus Gummi, Knete oder Baumaterialien

Auch dort eine Odyssee durch mehrere Städte – immer im Gepäck die Musik und Ideen für neue Klänge und Instrumente. Die begann er früh zu bauen: aus Gummi, Bambus, Knetmasse, Waschbeckentrapsen, Baumaterialien. 1991 gründete er die Klangwerkstatt in Mannheim, der er heute noch vorsteht. Ein ganzes Leben für die Neue Musik. Und er hat immer noch große Pläne. Zehn Gäste sind am Mittwochabend ins Rheinsberger Kavalierhaus gekommen, um eben jenen zu lauschen. Nicht gerade viele Zuhörer, aber Raecke kennt das. Der Begriff Neue Musik schrecke viele ab. „Wenn so viele kommen wie heute, bin ich schon froh. Mir ist klar, dass Jane mehr Leute zieht als ich.“ Jane – das ist seine Lebensgefährtin Jane Zahn. Eine politische Kabarettistin, die in seiner neuen Musikbrennerei ebenfalls Auftritte plant.

Hans-Karsten Raecke berichtet von seinen musikalischen Experimenten

Hans-Karsten Raecke berichtet von seinen musikalischen Experimenten. Mehrere Kreationen will er zur Eröffnung seiner Musikbrennerei am 30. Oktober in Rheinsberg vorstellen.

Quelle: Regine Buddeke

Raecke indes schreckt das Vorurteil gegen seine Art Musik wenig. Er weiß, dass Neue Musik nicht zwingend atonal sein muss. „Es geht auch ohne Kakophonie“, sagt er. Man könne durch Einsatz von Techno-Elementen, Minimal-Musik oder Improvisation viel Spannung erzeugen. Er selbst erreicht das auch durch Experimente: die Vertonung von Heines „Wintermärchen“, das Neu-Arrangement von Mussorgskis „Bilder eine Ausstellung“, die er mit Text und Gesangsstimme angereichert hat.

Zur Eröffnung der Musikbrennerei in der nächsten Woche will er einige Instrumenten-Schöpfungen vorstellen, die er jeweils für kompositorische Ideen kreierte. Das Gummiphon, die Dosenharfe, der Pfeifentopf, der klangerweiterte Flügel oder der Bildklanggenerator, die er auf einem Plakat zeigt. Die Zuschauer sind höchst interessiert, stellen Fragen, staunen, geraten ins Fachsimpeln mit dem Komponisten.

Der Umgang mit Musik regt jeden Menschen an

„Wo geht die Musik hin“, fragt ein Gast aus Berlin und beklagt den immer geringeren Stellenwert der Musik in der Schulausbildung. Bei Hans-Karsten Raecke rennt er damit offene Türen ein. Er hat als Ausbilder von angehenden Musiktherapeuten die Erfahrung gemacht, dass der Umgang mit Musik für jeden Menschen anregend ist. „Ich finde, jedes Kind sollte ein Instrument lernen“, sagt er vehement. Das sei Charakterbildung schlechthin. „Es ist gewaltig, was ein Instrument mit einem macht.“

Ebenso spannend ist sein nächster Plan: eine Ausstellung von grafischen Partituren. Diese Kunstwerke sehen gänzlich anders aus als herkömmliche Noten – wie soll man schließlich auch einen Pfeifentopf notieren, der zwischen klaren Tönen blubbert oder Seifenblasen sprüht?

Raeckes Musikbrennerei in der Rheinsberger Königstraße 14 eröffnet am Freitag, 30. Oktober, ab 19.30 mit einer lockeren Feier und Kompositionen, Texten und Improvisationen. Bereits am Abend darauf gastiert dann die Ausnahme-Kabarettistin Gisela Oechelhaeuser in den Räumen.

Von Regine Buddeke

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