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Ostprignitz-Ruppin Keine Angst vor großen Tieren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Keine Angst vor großen Tieren
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12:29 26.07.2018
Tina, Fabian und Hanna (v. l.) verbringen einige Tage zusammen. Quelle:  
Radensleben

Angst hätten sie nicht, sagen Tina, Hanna und Fabian-Marcel einstimmig. Dabei können die beiden Mädchen nicht über das Pferd gucken, das sie gerade striegeln.

Aber, erklärt die achtjährige Hanna: „Wir wissen, dass sie uns nichts tun, wenn wir ihnen nichts tun.“ Dennoch: „Man muss immer ganz ruhig bleiben“, sagt Fabian. „Weil Pferde Fluchttiere sind“, ergänzt Hanna.

Ferien in der Rollireitschule

Hanna aus Neuruppin, die zehnjährige Tina aus Nietwerder und der 17-jährige Fabian-Marcel aus Berlin verbringen einige Ferientage in der Rolli-Reitschule in Radensleben.

Im Vordergrund steht natürlich das Reiten, das aber wegen der hohen Temperaturen zurzeit in den Abend verlegt wird. „Die Hitze tagsüber kann man weder den Tieren noch den Kindern zumuten“, sagt Trainerin Gundula Lüdtke. Die Pferde suchen tagsüber den Schatten, die Kinder den nahe gelegenen See zum Baden.

Kinder mit und ohne Handicap zusammen

Es ist eine gemischte Gruppe, die sich zusammen gefunden hat: Kinder mit und ohne Handicap. Es ist Gundula Lüdtke ganz wichtig, Menschen mit Handicap nicht zu isolieren, sondern zu inte­grieren.

„Reiten ist ein Sport, den sie gleichberechtigt ausüben können.“ Alle können voneinander lernen – so wie die nicht behinderte Hanna von Fabian, dem man in Bezug aufs Reiten nicht mehr viel vormachen kann. Fabian hat eine halbseitige Lähmung, mit der er durch den Reitsport gut umzugehen gelernt hat. Er reitet seit seinem achten Lebensjahr, seit zweieinhalb Jahren in Radensleben.

Mit Handicap zum Leistungssportler

Zweimal pro Woche macht er sich von Berlin auf den Weg nach Radensleben – mit der Bahn. Und er hat schon etliche Erfolge aufzuweisen, unter anderem ist er zweifacher Landesmeister der Para-Dressur-Reiter im Juniorenbereich.

Der 17-Jährige bringt den anderen das Trensen und Aufsatteln bei, denn Hanna und Tina sind noch nicht so alte Hasen. Hanna reitet seit etwa zwei Jahren, Tina erst seit einem halben Jahr. Die Zehnjährige hat ein verkürztes Bein und einen verkürztem Arm. Beim Reiten hat sie dieses Handicap im Griff.

Denn dabei wird jeder Muskel beansprucht. Daneben fördert dieser Sport die Balance, die Konzentration und das Selbstbewusstsein. „Es ist wichtig für Menschen mit Handicap, ihr Wissen an andere weitergeben zu können“ , sagt Gundula Lüdtke.

Viel Glück auf dem Weg zum Erfolg

Seit 2003 hat sich Gundula Lüdtke auf das Handicapreiten spezialisiert. Mit Pferden hatte sie von früher Jugend an zu tun. „Meine Mutter war sehr Pferdeaffin.“

Mit erst 14 Jahren machte Gundula Lüdtke ihre erste Trainerlizenz, gründete 1993 den Reit- und Fahrverein. Die Idee, sich auf das Behindertenreiten zu verlegen, kam von ihrem zweiten Mann. Er stammte aus Bayern und meinte, was die können, können die Brandenburger auch.

Das bewies Gundula Lüdtke. Sie bildete sich fort, machte Zusatzausbildungen. „Ich hatte immer das Glück, gute Leute kennenzulernen, die mir halfen, mich weiter zu entwickeln und die ganze Vielfalt des Reitsports zu erfahren.“

Freizeit- und Leistungssport

In Radensleben können Menschen mit Behinderungen Freizeitsport ausüben, aber auch wie Fabian Leistungssport betreiben. Derzeit gibt es sieben Reiterinnen und Reiter, die an Wettkämpfen teilnehmen.

„Wir sind der einzige Verein in Deutschland, der komplett Querschnittsgelähmte zu Wettkämpfen bringt, sagt Gundula Lüdtke. Das ist möglich, weil der Verein über einen mobilen und einen festen Aufzug verfügt, mit dem der behinderte Reiter aufs Pferd in den Sattel gehoben wird.

Diesen Leistungssport zu organisieren ist sehr aufwändig, so Lüdtke. Alleine würde sie das nicht schaffen. Doch ihr steht ein Team von zwölf Leuten zur Seite – bis auf eine arbeiten alle ehrenamtlich. „Eine tolle Truppe“, wie die Chefin sagt.

Ihre Rollireitschule ist Brandenburgs Landesstützpunkt für Behinderte. In der vergangenen Woche war eine Gruppe aus der Schweiz, darunter drei Rollstuhlkinder, in Radensleben. „Die waren so begeistert, dass sie im Oktober wieder kommen wollen“, sagt Lüdtke.

Ihr selbst macht die Arbeit mit der Jugend viel Spaß. „Das hält jung“, sagt die 62-Jährige. Zur Ruhe kommt sie nicht, Tina, Hanna und Fabian drängeln: Sie wollen zum Baden fahren.

Von Dagmar Simons

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