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Ostprignitz-Ruppin In dieser Schule fürchten Eltern um ihre Kinder
Lokales Ostprignitz-Ruppin In dieser Schule fürchten Eltern um ihre Kinder
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00:35 09.10.2015
Sportlehrer Ronny Rieckhoff vor der notdürftig befestigten Spossenwand. Quelle: Björn Wagener
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Wittstock

Eine Schule schlägt Alarm: Sicherheitslücken, Verletzungsgefahr und Baufälligkeit wohin das Auge reicht – die Polthier-Oberschule in Wittstock strotzt nur so vor Mängeln bei der Ausstattung. Die Schulkonferenz macht das jetzt zusammen mit der Elternschaft in einem gemeinsamen Brief deutlich, den Schulleiterin Eva-Maria Vanino am Montagabend vor den Mitgliedern des Kultur- und Sozialausschusses der Stadt verlas: In den Umkleideräumen der Turnhalle bekämen die Kinder nasse Füße, weil es durchregnet.

Brandbrief: Steckdosen liegen frei

Steckdosen lägen frei. Für den Sportunterricht in der abgewirtschafteten Halle fehlten Matten. Selbst wenn Geld da wäre, um neue zu kaufen: Es gäbe nicht genügend Platz, weil Lagermöglichkeiten von Vereinen blockiert würden, die die Halle ebenfalls nutzen.

Mitglieder des Wittstocker Kultur- und Sozialausschusses werden mit den Mängeln in und vor der Schule konfrontiert. Quelle: Björn Wagener

Von den Problemen konnten sich die Ausschussmitglieder am Montagabend selbst ein Bild machen. Sportlehrer Ronny Rieckhoff führte die Gäste herum. Eine Sprossenwand sei nur notdürftig befestigt, weitere dieser Geräte seien aus Sicherheitsgründen bereits entfernt worden. Aus der abgestoßenen hölzernen Wandverkleidung in der Halle schauen Schraubenköpfe hervor. Fallen Bälle hinter die Wand, sind sie verloren, weil unerreichbar.

Trostloser Schulhof teilweise gesperrt

Der trostlose Schulhof wurde teilweise gesperrt, weil Sitzflächen von Bänken fehlen. Ein von Schotter und schief liegenden Betonplatten umgebener Fahrradständer steht mitten auf dem Hof. Eine Überdachung gibt es ebenso wenig wie Grünflächen. Die ursprünglich als Provisorium gedachten Betonplatten lägen seit 15 Jahren und würden regelmäßig als akute Gefahr bemängelt, heißt es in dem Brief. Doch passiert sei nichts. „Wenn Sie den Schulhof betrachten, scheint unserer Bürgervertretung nicht daran gelegen zu sein, dass Kinder hier bleiben“, heißt es.

Die abgewirtschaftete Turnhalle birgt Sicherheitsrisiken. Quelle: Björn Wagener

All das sind längst nicht alle Missstände. Die Mängelliste schien am Montag kein Ende zu nehmen. Das größte Problem sieht Eva-Maria Vanino aber in der fehlenden Alarmanlage. „Es gibt keine Möglichkeit, Durchsagen bis in die Klassenräumen zu machen“, berichtete sie. Außer dem Klingelzeichen gebe es keine Verständigungsmöglichkeit im Notfall oder bei anderen besonderen Situationen. Eltern und Lehrer wollen sich nun nicht länger hinhalten lassen. Wenn keine Abhilfe mit Terminangaben geschaffen wird, kündigen sie in dem Brief an, Begehungen durch das Gesundheitsamt und den Arbeitsschutz veranlassen zu wollen. Die Stadt als Schulträger müsse endlich handeln, um diese „menschenunwürdigen“ Bedingungen zu beenden.

Trostloser Fahrradabstellplatz direkt auf dem Schulhof. Quelle: Björn Wagener

Tatsächlich arbeiteten Stadt und Schule bereits an Lösungen, berichtete Kulturamtsleiterin Dorothea Stüben. 35 000 Euro, die eigentlich für ein neues Chemiekabinett ausgegeben werden sollten, würden nun zunächst in eine zeitgemäße Alarmanlage investiert. Auch in Sachen Sitzbänke auf dem Schulhof oder Beleuchtung im Eingangsbereich liefen Absprachen, hieß es auf der Sitzung. Größere Ausgaben jedoch – wie die dringend nötige Sanierung der Sporthalle - seien zwar schon mehrfach im Haushalt geplant gewesen, aber immer wieder zugunsten anderer Projekte gestrichen worden. Und das, obwohl die Schule seit Jahren bestens ausgelastet sei und häufig angewählt werde, worüber sich die Schulleiterin angesichts der schlechten Bedingungen selbst wundert. „Ich staune, dass es noch so viele Bewerber gibt.“ Derzeit lernen 280 Schüler in der Polthier-Oberschule. Im Mai 2014 haben sie gemeinsam mit einem Berliner Architekturbüro und mit Eltern ein Gestaltungskonzept erarbeitet, aus dem jedoch „nichts umgesetzt“ worden sei, wie Eva-Maria Vanino sagte. Sie stellte gleichzeitig klar, dass man nicht noch fünf oder zehn Jahre warten könne.

In dieser Umkleide der Turnhalle regnet es durch. Quelle: Björn Wagener

Einig waren sich die Ausschussmitglieder, dass zuerst sicherheitsrelevante Probleme gelöst werden müssten, worauf zunächst Antje Zeiger hingewiesen hatte. Gleichzeitig sei eine aktuelle Schulstandortplanung vonnöten. Laut Dorothea Stüben sei diese vor Jahren zwar begonnen, aber aus Kostengründen nicht weitergeführt worden. Eine solche Planung sei jedoch eine Basis, um zielgerichtet arbeiten zu können und nicht etwa in Substanz zu investieren, die keine Zukunft hat. Eine schnelle Umsetzung einer solchen Planung mahnten vor allem Kay-Michael Thonack und Jugendbeauftragter Maximilian Häusler an. Philipp Wacker schlug vor, dass der genannte Brief jedem Stadtverordneten zugeleitet werden solle, um die Dringlichkeit der Forderungen zu bekräftigen. Prioritäten müssten gesetzt werden. Ausschussvorsitzender Wolfgang Dost betonte, dass dem Gremium der Handlungsbedarf bewusst sei und man so gut wie möglich helfen wolle.

Von Björn Wagener

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