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Inklusion: Neuruppiner Schulhort ruft um Hilfe

Zu wenig Geld, zu wenige Erzieher Inklusion: Neuruppiner Schulhort ruft um Hilfe

Das Pilotprojekt zur Inklusion an Grundschulen sorgt in Neuruppin für Unmut. Erzieher des Hortes der Wilhelm-Gentz-Schule rufen um Hilfe. Seit 2012 beteiligt sich die Gentzschule am Pilotprojekt des Landes zum gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen. Doch im Hort fehlen zusätzliche Erzieher. Dort droht das Inklusionsprojekt zu scheitern.

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Der gemeinsame Unterricht von Kindern ohne und mit Behinderungen, sozialen oder Lernproblemen ist in Deutschland noch nicht selbstverständlich.

Quelle: dpa

Neuruppin. Das Team des Schulhortes an der Neuruppiner Wilhelm-Gentz-Grundschule schlägt Alarm. Die Erzieherinnen fühlen sich an der Grenze dessen, was sie leisten können. Seit 2012 nimmt die Schule am Pilotprojekt des Landes für die Einrichtung inklusiver Grundschulen teil. Das heißt, dass an der Gentzschule Kinder mit und ohne Lernschwächen oder Behinderungen gemeinsam unterrichtet werden.

Grundsätzlich scheint das sehr gut zu laufen, besser als von manchen Lehrern oder Eltern befürchtet. Schulleiterin Kathrin Tokar ist sehr zufrieden – zumindest mit der eigentlichen Schulzeit. Erhebliche Probleme gibt es allerdings nach dem Unterricht. Der Hort Kleeblatt ist auf so viele Kinder mit einem zusätzlichen Betreuungsbedarf nach wie vor nicht eingerichtet. Vor allem fehlt zusätzliches und entsprechend ausgebildetes Personal. Am Dienstag hat Hortleiterin Annette Abisch im Neuruppiner Sozialausschuss um Hilfe gerufen.

Das Land hat an die Betreuung nach dem Unterricht wohl nicht gedacht

Ihre Kritik richtet sich in erster Linie an das Land, das den Pilotversuch am 84 Schulen brandenburgweit gestartet hatte. Dass die Kinder auch noch nach dem Unterricht betreut werden müssen, weil die Eltern arbeiten, hat in Potsdam offenbar niemand bedacht. „Man hat uns ganz einfach vergessen“, beklagt Annette Abisch.

Für die Zeit des Unterrichts stellt das Schulamt der Gentzschule 50 Extrastunden pro Woche bereit, damit Kinder mit sozialen oder Lernschwächen oder Behinderungen Hilfe bekommen können. Darüber hinaus zahlte das Land viel Geld, damit der Schulhof barrierefrei umgestaltet werden konnte. Stadt und Kreis haben dafür gesorgt, dass es einen Schul­sozialarbeiter gibt. In den nächsten Jahren sollen die Turnhalle saniert und ein Fahrstuhl im Schulhaus eingebaut werden. 15 Klassenräume bekommen Schallschutz.

Nur der Schulhort muss im Wesentlichen mit demselben Personal auskommen wie jeder andere Hort. Das Gesetz sieht vor, dass eine Erzieherin 18 Kinder betreut, und nur dafür bekommt die Stadt Geld.

Neuruppin kann zusätzliche Erzieherinnen nicht allein bezahlen

Dass die Erzieherinnen sich im Hort Kleeblatt aber um 30 Kinder kümmern, die viel mehr Aufmerksamkeit und Hilfe brauchen, spielt keine Rolle. Wenn die Stadt als Betreiber des Schulhorst mehr Personal einstellen will, müsste sie das allein bezahlen. Eine zusätzliche Erzieherstelle stellt Neuruppin der Gentzschule zur Verfügung – aber die reicht bei Weitem nicht aus. Für noch mehr Erzieher hat die Stadt aber kein Geld. Auch Neuruppins Sozialdezernent Thomas Fengler ist sauer: „Für mich ist es einer der größten Mängel an dem Pilotprojekt, dass man nicht erkannt hat, dass Grundschule über den Unterricht hinausgeht.“

Die Mitarbeiterinnen im Hort fühlen sich zunehmend allein­gelassen. „Wir haben hoch motivierte Leute“, sagt Hortleiterin Abisch. Die Erzieher und Erzieherinnen wollen sich unbedingt qualifizieren und dringend nötige Zusatzausbildungen machen. Aber auch das müssen sie weitgehend aus eigener Tasche bezahlen.

Hortleiterin sieht ohne Hilfe das Inklusionsprojekt in Gefahr

Der Stadtverordnete Helmut Kolar war betroffen über die Situation, schien wie seine Kollegen aber ratlos: „Wir können als Kommune wenig tun. Es sei denn, die Stadt stemmt plötzlich Dinge, die sie gar nicht stemmen kann.“ Das Land sei in der Pflicht, so Kolar: „Schulbildung ist Landessache.“

Doch Änderungen auf Landesseite sind für Annette Abisch zu ungewiss. Sie forderte schnelle Hilfe für die Erzieherinnen. Wenn es die nicht gibt, könne sie nicht verantworten, dass die 30 Kinder mit besonderem Förderbedarf weiter in ihrem Hort betreut werden.

Von Reyk Grunow

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