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Installation von Ottmar Hörl in Neuruppin

Fontane fürs Volk Installation von Ottmar Hörl in Neuruppin

Er schaut versonnen auf den Weg seiner Wanderungen – Fontane, der die Schönheit der Ruppiner Schweiz beschrieb wie kein anderer. Seit Sonntag bevölkern 400 Plastiken des Künstlers Ottmar Hörl das Stadtbild – als Auftakt der kommenden Fontane-Festspiele. Zur Vernissage war Hörl zugegen – samt 150 Besuchern, die sich unter die Figuren mischten.

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Das lädt zum Lustwandeln ein: Vernissage-Besucher flanieren zwischen den Skulpturen umher.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. In ihrer Gesamtheit wirken sie imposant und witzig zugleich: 400 Fontanefiguren in gelb und grau, den Blick ernst zu Boden gesenkt, als wollten sie den Weg nicht verfehlen. Der allerdings in alle Richtungen führt – die Fontanes streben verschiedensten Zielen zu. Daher wirken sie nicht uniform – ein jeder scheint so bei sich zu sein, als wäre er völlig allein auf weiter Flur. Einsam – in aller Gemeinsamkeit. Fontane, der Wanderer, der mit so offenem Blick über den Wegesrand hinausschaute, und so den Märkern überhaupt erst einmal die Augen dafür öffnete, wie schön es sich hier lebt.

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Sie sind recht klein – aber in der Vielheit dennoch imposant: Ganze 400 etwa 80 Zentimeter hohe Fontane-Skulpturen in gelb und grau zieren seit dem Wochenende den Rasen vor der Neuruppiner Pfarrkirche und einige andere Plätzchen der Stadt. Geschaffen hat sie Ottmar Hörl, Kunstprofessor an der Akademie der Künste Nürnberg.

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„So eine schöne Stadt habe ich selten gesehen“, beschreibt es Ottmar Hörl, der Schöpfer der Figuren, bei der sonntäglichen Vernissage seiner Installation vor der Neuruppiner Pfarrkirche. Er schwärmt von der aufgeräumt-klaren Struktur und der Natur. Das habe ihn fasziniert und doppelt überzeugt, hier seine Kunst zu zeigen. Kunst, die er nicht der Elite vorbehalten will. „Auch eine Krankenschwester soll es sich leisten können, Kunst zu kaufen“, bricht er eine Lanze für den Werkstoff Plastik, aus dem er seine Skulpturen gießt. Das hätte einerseits den Vorteil, dass seine Plastiken immer preiswerter werden, je berühmter er werde. Zum anderen sei es sein Anliegen, dass Kunst öffentlich werde. Mit einem teuren Bronze-Unikat sei das nicht möglich.“ Die steht zwar 100 Jahre. Aber da leben wir ja sowieso nicht mehr.“ Und außerdem sei das schon auch beruhigend, dass seine Plastiken nicht für die Ewigkeit gemacht seien. „Kein Bürgermeister muss Angst haben, nicht wiedergewählt zu werden, weil er eine Skulptur abreißen will, die zehntausende Euro gekostet hat. Bei meinen Sachen besteht die Gefahr nicht“ Gelächter und Applaus im Saal: Zumindest das Vernissage-Publikum – 150 Leute sind vor Ort – zieht die Parallele zur zurückliegenden Kontroverse um den Parzival.

Luis und Fontane auf Augenhöhe

Luis und Fontane auf Augenhöhe.

Quelle: Buddeke

Bürgermeister Jens Peter Golde rühmt die Schau als einzigartige Eröffnung der Fontane-Festspiele. Fontane, wie man ihn noch nie sah. „Wer Ottmar Hörl nicht kennt, hat die Kunst verpennt“, zitiert er und bittet Hörl, sich im Fontane-Ehrenbuch der Stadt zu verewigen.

„Wir hatten eine grandiose Woche beim Aufbauen, von der ersten Figur an, die wir ausgepackt haben“, erinnert sich Kulturmanager Andreas Vockrodt, der Hörl eingeladen hat. Und in der Kirche dafür sorgte, dass auch die Fotos Hörls einen guten Platz finden. Auch die zeigen Wanderungen: Waldaufnahmen, die mithilfe eines Akkuschraubers mit montierter Kamera entstanden sind – als Sinnbild für die Geschwindigkeit, die immer mehr unser Leben prägt. „Nur im Innersten, im Auge des Hurrikans sind sie still. Und scharf“, so Hörl über seine Foto-Wanderungen.

Kulturmanager Andreas Vockrodt (l) hat Ottmar Hörl (r) eingeladen

Kulturmanager Andreas Vockrodt (l.) hat Ottmar Hörl (r.) eingeladen.

Quelle: Buddeke

Hörl merkte schnell, dass er nicht länger in Galerien ausstellen will, wo „immer die gleichen Leute sind“, sagt er. Deshalb sei er mit seiner Kunst in den öffentlichen Raum gegangen. Auch wenn er da nicht immer Zuspruch höre. Aber da seien die „echten Menschen.“

„Wir haben uns sofort eine Figur reserviert“, sagt Manfred Wothe. Er berät gerade mit seiner Frau über den besten Platz im Garten, der Fontanes würdig ist. Andere wollten nicht bis zum Ende der Ausstellung warten. Zwei der Skulpturen wurden schon geklaut.

Von Regine Buddeke

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