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Ostprignitz-Ruppin Internat in Neustadt wird Flüchtlingsunterkunft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Internat in Neustadt wird Flüchtlingsunterkunft
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12:20 24.09.2015
Das Gebäude im Neustädter Stadtteil Spiegelberg beherbergt seit Jahren Schüler, die von weither zum „Reiten in der Schule“ anreisen. Quelle: Alexander Beckmann
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Neustadt

Aufgeregte Schüler, besorgte Eltern. Die Gerüchte in Neustadt kochten in den vergangenen Tagen hoch. Werden die auswärtigen Schüler, die im Spiegelberger Schloss wohnen, ihre Unterkunft verlassen müssen? Vielleicht sogar sofort?

Zur ersten Frage gab es am Dienstag sowohl von der Zühlke Betriebsgesellschaft als Vermieter, als auch von der Kreisverwaltung Ostprignitz-Ruppin ein weitgehendes Ja: Das Schloss ist als Unterkunft für weitere Flüchtlinge im Gespräch. In einer aktuellen Pressemitteilung heißt es: „Die Kreisverwaltung bestätigt, dass sie in Vertragsverhandlungen mit dem Eigentümer des Internates Spiegelberg steht, um dort Asylsuchende unterzubringen.“

Bei der zweiten Frage wird es etwas unübersichtlich. Laut Kreisverwaltung steht der Zeitpunkt für den Einzug der Flüchtlinge noch nicht fest. „.Eine Informationsveranstaltung für die Einwohner wird zeitnah durchgeführt, in deren Rahmen weitere Fragen der Flüchtlingsunterbringung erläutert werden“, heißt es aus Neuruppin.

Amtsverwaltung verschickte am Montag Briefe

Die Neustädter Amtsverwaltung versendete am Montag Briefe, in denen sie den betroffenen Eltern den 1. November als Ende des Unterbringungsvertrages nennt. „Es ist so, dass der Betreiber des Internats Schloss Spiegelberg den Internatsbetrieb einstellen will“, erklärte Amtsdirektor Dieter Fuchs am Dienstag bei einem Pressegespräch. Das Amt als Schulträger sei von der Entwicklung überrascht worden. Zwar habe die Zühlke Betriebsgesellschaft angekündigt, mit dem Landkreis Verhandlungen zur Unterbringung von Flüchtlingen aufzunehmen, dass dort jedoch so schnell Nägel mit Köpfen gemacht würden, sei mit dem Amt nicht abgesprochen gewesen.

„Wir suchen nach Lösungen, wie wir die im Schloss untergebrachten Schüler im kommunalen Internat in der Mühle oder anderswo unterbringen können“, betont Dieter Fuchs. Grundsätzlich sei das kein Problem. 27 Reitschüler sind von der Umwidmung des Schlosses betroffen. Allein in der Mühle Spiegelberg gibt es aktuell noch über 30 freie Plätze – „ohne Feldbetten oder Luftmatratzen dazwischen zu legen“, versichert Internatsleiterin Gabriela Nippold. Auch der Preis sei der gleiche.

In der vergangenen Woche war der Amtsausschuss über den Stand der Dinge informiert worden – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Wir wollten Eltern und Schüler gezielt ­informieren“, sagt Amtsdirektor Dieter Fuchs. Offenbar drangen aber schon zuvor zumindest Gerüchte nach draußen und sorgten für Aufregung. Die Amtsverwaltung will am Mittwoch um 8 Uhr offiziell in der Schule für Aufklärung sorgen. Am Donnerstag um 19 Uhr will man in der Mühle eine Einwohnerversammlung veranstalten – auch wenn Vertreter der Kreisverwaltung noch nicht zugesagt haben.

Kommunalpolitiker kritisiert die Entscheidung

Sowohl die Neustädter Verwaltung als auch die Politik betonen, mit der Lösung nicht glücklich zu sein. „Wir sind der Auffassung, dass die Pläne des Landkreises an diesem sensiblen Ort keine gute Entscheidung sind“, sagte der Vorsitzende des Amtsausschusses Karl Tedsen (CDU). Das künftige Flüchtlingsheim befinde sich in direkter Nachbarschaft zum kommunalen Internat. Tedsen befürchtet, dass das Eltern davon abhalten könnte, ihre Kinder nach Neustadt zur Schule zu schicken. „Das hat der Landkreis überhaupt nicht in Betracht gezogen. Wir haben versucht, das verständlich zu machen, sind damit aber nicht durchgedrungen.“ Schließlich, so Tedsen, stünden in Neustadt weitere sechs Wohnungen zur Unterbringung von bis zu 36 Flüchtlingen bereit. Im Schloss sollen nur 30 unterkommen. Die Ankündigung der Amtsverwaltung, dass die Internatsplätze zum 1. November gekündigt würden, kritisierte er als Alleingang. „Der Amtsausschuss hat darüber nicht beraten.“ Er fürchtet juristische Folgen.

Amtsdirektor Dieter Fuchs räumt ein, das darüber noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, und bemüht sich, die Wogen zu glätten: „Dass die Umstellung für Eltern und Kinder nicht einfach ist, wissen wir. Wir werden alles versuchen, um diesen Prozess harmonisch zu gestalten.“

Die Kreisverwaltung betont derweil, dass an der Unterbringung weiterer Flüchtlinge in allen Orten kein Weg vorbeiführt. Man wolle so lange wie möglich Zeltstädte und Turnhallen als Unterkünfte vermeiden. „Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie. Dass die Aufnahme von Flüchtlingen und das weitere Zusammenleben gelingen, ist eine Aufgabe, die jeden gleichermaßen angehen wird“, betonte am Dienstag Landrat Ralf Reinhardt.

Von Alexander Beckmann

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