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Neustadt: Internat wird kein Flüchtlingsheim

Landrat zieht Reißleine Neustadt: Internat wird kein Flüchtlingsheim

Aus dem Internat Schloss Spiegelberg in Neustadt (Dosse) wird doch kein Heim für Flüchtlinge. Landrat Ralf Reinhardt (SPD) hat die Verhandlungen mit dem Investor nach Protesten von Eltern und Schülern gestoppt und das Geschäftsgebaren des Betreibers kritisiert. Dieser habe Kreis und Kommune gegeneinander ausspielen wollen. Das weist dieser zurück.

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Die Reitschüler in Neustadt können weiter im Schloss genannten Internat auf dem Spiegelberg wohnen.

Quelle: Alexander Beckmann

Neuruppin.
Im Streit über die künftige Nutzung des Internats Schloss Spiegelberg in Neustadt hat Landrat Ralf Reinhardt (SPD) die Reißleine gezogen. „Wir werden das Internat nicht als Flüchtlingsunterkunft nutzen“, sagte Reinhardt am Donnerstagabend beim Kreisausschuss in Neuruppin. Grund für die Kehrtwende sei „das Geschäftsgebaren des Investors“, so Reinhardt.

Demnach habe dieser im Sommer die Gemeinschaftsunterkunft angeboten, ohne zu erwähnen, dass es bestehende Mietverträge mit Schülern gebe – und zudem noch weitere Verträge abgeschlossen. Die aus ganz Deutschland kommenden Mädchen und Jungen haben sich extra für die Prinz-von-Homburg-Schule in Neustadt entschieden, weil dort mit dem benachbarten Haupt- und Landgestüt ab der Klassenstufe 7 das Fach „Reiten in der Schule“ angeboten wird. 27 Schüler leben derzeit im Internat am sogenannten Spiegelberg, ihnen war zum 31. Oktober gekündigt worden.

Kündigungen sind hinfällig

Die Kündigungen sind nun hinfällig. „Wir werden nicht in Konkurrenz treten und Asylbewerber gegen Schüler oder andere ausspielen“, betonte Reinhardt. Genauso wenig dürfe es vorkommen, dass Investoren den Landkreis und die Gemeinden gegenein­ander ausspielen.

Diese Vorwürfe wies Jakob Waßmann von der aus Dranse stammenden Betreibergesellschaft am Freitag entschieden zurück. „Das ist ein starkes Stück, wenn der Kreis so tut, als ob er von nichts gewusst hätte.“ Laut Waßmann werden die Mietverträge mit den meisten Reitschülern bereits im November und Februar geschlossen. „Wir haben dem Kreis natürlich gesagt, dass im Internat Betrieb herrscht.“ Doch nach dem Angebot vom Juli, dass das Internat als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt werden könnte und die Reitschüler dafür in das von der Stadt betriebene Internat in der Mühle umziehen, das ausreichend freie Kapazitäten hat, habe sich der Kreis wochenlang nicht gemeldet. Deshalb seien weitere Mietverträge geschlossen worden, so Waßmann. Davon hätten sowohl das Amt Neustadt als auch die Kreisverwaltung gewusst. „Wir haben immer versucht, so transparent wie möglich zu sein“, so Waßmann. Er warf der Kreisverwaltung vor, zu wenig mit dem Betreiber geredet zu haben. Stattdessen habe es im August die Aufforderung vom Kreis gegeben, „zügig“ das Vertragsangebot schriftlich zu fixieren.

Proteste von Eltern und Schülern

Bis zum Mittwoch war die Betreibergesellschaft noch davon ausgegangen, dass der Vertrag auch zustan­de kommt. Wegen des immer stärker werdenden Protestes von Eltern und Schülern wollten die Internatsbetreiber den Vertrag jedoch erst in der nächsten Woche unterzeichnen. „Wir hatten ein schlechtes Gefühl“, sagte Waßmann. Nun bleibt alles beim Alten. „Die Kinder bleiben im Schloss, das Internat wird weitergeführt.“

Darüber informierte Neustadts Bürgermeisterin Sabine Ehrlich (SPD) am Donnerstagabend die Anwohner des Stadtteils Spiegelberg in einer kurzfristig einberufenen Versammlung. Die Nachricht wurde mit Applaus quittiert. Zustimmung gab es zugleich für die Bitte des Landrates, weiterhin Wohnraum zum Unterbringen von Flüchtlingen bereitzustellen. Denn bis Jahresende muss der Landkreis wegen des anhaltenden Flüchtlingsstromes nach neuesten Informationen noch 900 Flüchtlinge aufnehmen, fast 300 mehr, als es noch vor zwei Wochen hieß. Der Kreis sucht deshalb weiterhin verzweifelt Unterkünfte, um nicht Feldbetten in Sporthallen aufstellen und dort Flüchtlinge unterbringen zu müssen. „Wir haben die Grenze erreicht“, betonte Landrat Reinhardt. Die Bürgermeister und Amtsdirektoren der betroffenen Gemeinden wurden bereits informiert.

Nun hat der Betreiber des Internats im Schloss Spiegelberg seinen Rückzug angekündigt. „Das rechnet sich für uns nicht mehr“, sagte Jakob Waßmann. Der Neustädter Amtsausschuss plädierte daraufhin bei einer Sondersitzung am Donnerstag dafür, dass das Amt den Betrieb der Einrichtung übernehmen sollte. Der genaue Weg bis dahin bleibt aber noch zu klären. Waßmann glaubt an eine Zukunft für das Internat – „so lange es den Unterricht ’Reiten in der Schule’ in Neustadt gibt.“

Von Andreas Vogel und Alexander Beckmann

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