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Ostprignitz-Ruppin "Neonazis sind auch keine Patrioten"
Lokales Ostprignitz-Ruppin "Neonazis sind auch keine Patrioten"
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12:15 07.05.2015
Anton Hennings Werke sind bunt. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

MAZ: Ihre aktuelle Ausstellung im Neuruppiner Museum heißt „Heimat schaffen – Home is where the heart is“. Was bedeutet Heimat für Sie?
 Anton Henning: Heimat kann ein Ort sein, aber auch ein Gefühl und Erinnerungen.
 
 Kindheitserinnerungen?
 Henning: Nicht ausschließlich Kindheitserinnerungen, überhaupt Erinnerungen. Sie schaffen eine Verbindung mit einem selbst. Landschaften, Menschen, Musik oder Filme können Erinnerungen auslösen. Es muss nicht unbedingt etwas Schönes sein, was Erinnerungen auslöst.
 
 Kann man Heimat erschaffen?
 Henning: Das versuche ich zu hinterfragen. Man muss sich in jedem Fall um Heimat bemühen. Heimat hat für mich sehr viel mit Landschaft und anderen Menschen zu tun. Sie ist da, wo ich mich geborgen fühle.
 
 Für die in den 60-er und 70-er Jahren Geborenen ist der Begriff der Heimat mit Biedermeierlichkeit und Piefigkeit verbunden. Inzwischen scheint Spießigkeit wieder cool zu sein. Erfährt der Begriff der Heimat eine Renaissance?
 Henning: Heimat ist nicht spießig und die Sehnsucht nach ihr natürlich auch nicht. Die Welt ist seit den 70-er Jahren durch Mobilität und Digitalisierung enorm viel kleiner geworden, alles ist viel näher herangerückt. Es gibt einen Mainstream von Pol zu Pol. Ich weiß nicht, ob der Begriff der Heimat eine Wiedergeburt erfährt. Sicher aber suchen Menschen mehr denn je nach kultureller Identität. Wir versuchen, uns zwischen globalen Gesellschaftssystem, virtuellen Netzwerken und unserem konkreten Umfeld zu verankern.
 
 Am 6. Juni wollen rund 500 Neonazis aus ganz Deutschland in Neuruppin aufmarschieren. Sie instrumentalisieren Ängste in der Bevölkerung angesichts der aktuell hohen Zahl an Flüchtlingen, um Stimmung gegen alles vermeintlich Fremde zu machen. Was kann man dem Heimatbegriff der Nazis entgegen setzen?
 Henning: Ich glaube kaum, dass ein Neonazi wirklich einen Heimatbegriff hat, da er sich selbst seiner Position in der Gesellschaft nicht sicher zu sein scheint. Echte Verbundenheit mit der Heimat hat keine ausgrenzende Wirkung. Verbundenheit macht stark. Aus dieser Stärke heraus kann man sich öffnen und kann denen, die ihre Heimat verloren haben, Schutz und eine Perspektive anbieten. Insofern sind Neonazis auch keine Patrioten.
 
 Werden Sie sich an den Gegenveranstaltungen zum so genannten Tag der deutschen Zukunft beteiligen?
 Henning: Mit Sicherheit, ja. Als Neonazis 2011 durch Neuruppin marschiert sind, haben wir auch dagegen demonstriert. Keine der rechtsextremen Parolen ist argumentativ ernst zu nehmen – das Phänomen des Rechtsextremismus allerdings schon.
 
 Sie engagieren sich gegen einen weiteren Ausbau der Windkraft in der Region. Hat das auch etwas mit Heimatliebe zu tun?
 Henning: Ja, natürlich. Die Windkraft hat die Landschaft in den vergangenen zehn Jahren mehr verändert als alle anderen Entwicklungen in den vergangenen 200 Jahren zuvor. Der Ausbau der Windkraft sollte mal etwas mit Ökologie zu tun haben, aber das, was jetzt passiert, ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Das hat nur mit dem vielen Geld zu tun, das mit dem Ausbau der Windkraft auf Kosten anderer gemacht werden kann. Die riesigen Windräder, die jetzt gebaut werden sollen, werden weit, weit zu sehen sein, und es ist kaum anzunehmen, dass die hinterlegten Kautionen für den Rückbau ausreichen werden. Die gesundheitlichen Schäden, die durch den Infraschall verursacht werden können, werden von den entscheidenden Gremien und Behörden runtergespielt.
 
 Sie haben sich vor Kurzem sehr kritisch darüber geäußert, dass auch die Kirche als Eigentümerin vieler Flächen überlegt, ob das Betreiben von Windkraftanlagen sinnvoll sein könnte.
 Henning: Ein winziger Energiezugewinn hat riesige Auswirkungen auf die Landschaft und unsere Gesundheit. Die Kirche könnte hier Vorreiterin sein im Maßhalten – sich also aus freien Stücken für eine 10-H-Regelung für ihre eigenen Flächen aussprechen – und sich eben nicht wie ein skrupelloser Konzern verhalten. In der Frage der Windkraft macht es sich die Kirche bisher leider zu leicht.
 
 Das Museum Neuruppin, in dem Sie derzeit ausstellen, hieß vor seinem Umbau Heimatmuseum. Würden Sie sich den Zusatz „Heimat“ zurückwünschen?
 Henning: Nein, sicher nicht. Dem Museum wirklich zuträglich wären dagegen ein Leitsystem, das Besucher in der Stadt zum Museum führt und ein Banner an der Fassade, das Aufmerksamkeit erregt – Denkmalschutz hin oder her. Leute fahren an dem Museum vorbei, weil sie es schlichtweg nicht sehen. Wünschenswert wäre zudem, dass das Museum als bedeutender Kulturträger auch in der Stadt deutlicher in Erscheinung treten würde. Es ist leider viel zu still um dieses Museum. Das schwungvolle Momentum, das die Wiedereröffnung und die Eröffnung von „Heimat schaffen“ mit sich brachten, droht bereits wieder zu erlahmen. Mit einem solchen Gebäude und einer derartigen Sammlung könnte man durch intensivere Öffentlichkeitsarbeit wesentlich mehr Besucher ins Museum locken. Ein bisschen mehr Elan könnte sicher nicht schaden.
 
 Worauf können Menschen aus dem Ruppiner Land stolz sein?
 Henning: Man kann natürlich nicht allein stolz sein auf Schinkel und Fontane – das ist ein wertvolles Erbe, das es zu pflegen und in den Kontext zur Gegenwart zu führen gilt. Man kann stolz sein auf das, was man selbst und mit anderen gemeinsam erreicht. Ich finde, dass man stolz sein kann auf all die Neuruppiner, die sich mit so viel Kraft für das kulturelle und bunte Leben in der Stadt einsetzen.
 Interview: Frauke Herweg

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