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JVA Wulkow: Ein Gefängnis geht neue Wege

Strafvollzug JVA Wulkow: Ein Gefängnis geht neue Wege

Mit sogenannten Wohngruppen für bis zu 15 Personen will das Gefängnis in Wulkow bei Neuruppin die Strafgefangenen besser als bisher auf ihr Leben nach dem Knast vorbereiten. Aber auch für die 134 Bediensteten in der Anstalt wird es Veränderungen geben.

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In der JVA Wulkow gibt es Platz für bis zu 160 Gefangene. In der Anstalt arbeiten 134 Beschäftigte.

Quelle: Peter Geisler

Wulkow. Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Wulkow will ihre Arbeitsstruktur umstellen und damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen sollen die Insassen bessere Möglichkeiten erhalten, sich auf ihr Leben nach dem Gefängnis realistisch vorzubereiten. Damit soll verhindert werden, dass Entlassene schnell wieder straffällig werden. Zum anderen soll die Arbeit der 134 Bediensteten in der JVA Wulkow durch weitere Technik und geänderte Dienstabläufe entlastet werden.

Sozialarbeiter sollen die Wohngruppen leiten

Wolf-Dietrich Voigt, der seit Dezember 2016 neben der JVA in Wriezen  (Märkisch-Oderland) auch die Anstalt in Wulkow leitet, setzt dabei auf einen sogenannten Wohngruppenvollzug. In einer Wohngruppe sollen bis zu 15 Strafgefangene bei einem strukturierten Tagesablauf ihre soziale Kompetenz üben und selbst verantwortlich sein, beispielsweise für das Waschen ihrer Wäsche, das Kochen des Mittagessens oder das Säubern des Raumes, in dem sich die Wohngruppe regelmäßig versammelt und die Geschehnisse auswertet. Zudem soll die Gruppe von Sozialarbeitern betreut und begleitet werden, die damit als Wohngruppenleiter fungieren würden, sagte Voigt am Freitag. Der 61-Jährige will je zwei Wohngruppen im geschlossenen und im offenen Vollzug etablieren, so dass sich bis zu 60 Strafgefangene auf diese Weise auf ihr Leben nach dem Gefängnis vorbereiten können. Im offenen Vollzug sind auch Aktivitäten außerhalb der Anstalt möglich, wie etwa gemeinsames Bowlen.

Wolf-Dietrich Voigt

Wolf-Dietrich Voigt.

Quelle: Peter Geisler

Überhaupt will Voigt, dass sich die JVA mehr in das Leben außerhalb der Gitterstäbe und des Stacheldrahts einbringt. „Die Konzepte zur Integration von Flüchtlingen passen 1:1 für die Integration von entlassenen Häftlingen“, sagte der Anstaltschef, der einige dieser Konzepte gelesen hat. So könnte sich die JVA einmal im Jahr beim Sozialausschuss des Kreistages vorstellen. „Wir haben auch schon eine Kooperationsvereinbarung mit dem Arbeitsamt“, so Wolf-Dietrich Voigt. Eine Vereinbarung mit dem Jobcenter sei geplant. Zudem soll es mehr Arbeitsangebote für geeignete Häftlinge geben. Der Gutshof von Lebensräume in Neuruppin bietet bereits Plätze an.

Mehrstufiges Mediensystem geplant

Am liebsten wäre es Voigt, wenn sich Gefangene, die kurz vor ihrer Entlassung stehen, in einer Art Übergangseinrichtung außerhalb der Anstalt auf ihr Leben in Freiheit vorbereiten könnten. „Als eine Art Training.“ Das ist noch eine Zukunftsvision. Derzeit geht es erstmal darum, Sozialarbeiter sowie einen Arbeitstherapeuten und einen sogenannten Eingliederungsmanager für die Wohngruppen zu finden. Zudem soll in der JVA Wulkow ein mehrstufiges Mediensystem installiert werden, das sich in Wriezen bereits bewährt hat. In einem Haftraum können Gefangene Radio hören und einige bestimmte Fernsehsender sehen, auch Telefonate mit der Frau oder Freundin sind möglich. „Gefangene dürfen maximal 15 Nummern anrufen, die freigegeben werden“, so Voigt. Zusätzlich soll in Wulkow ein elektronischer Einkauf getestet werden. Bisher müssen Häftlinge dafür umständlich Einkaufsformulare ausfüllen und an einen der Mitarbeiter weitergeben.

Voigt: Weniger Beschwerden als vor einem Jahr

In der Vergangenheit war die JVA Wulkow immer wieder in die Schlagzeilen geraten – mal wegen Vorwürfen von Häftlingen über das schlechte Essen, das Öffnen ihrer Briefe oder das Gebaren von Mitarbeitern des Vollzugsdienstes. Diese Unruhe scheint sich gelegt zu haben. Laut Voigt gibt es bereits weniger Beschwerden und Petitionen als vor einem Jahr. Auch der Krankenstand beim Personal soll zurückgegangen sein. Zahlen nannte Voigt aber nicht. Im Sommer 2015 war bekannt geworden, dass jeder Bedienstete in Wulkow im Schnitt 50 Tage krank geschrieben ist.

Von Andreas Vogel

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