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Ja zu Regenbogen-Ehe in OPR und Prignitz

Pfarrer für Landeskirchen-Idee Ja zu Regenbogen-Ehe in OPR und Prignitz

Wer einen Menschen gleichen Geschlechts liebt, darf sich in den Berlin-brandenburgischen Kirchen segnen lassen, wenn Pfarrer und Gemeinde damit einverstanden sind. Eine Trauung für solche Paare ist allerdings nicht möglich – noch nicht. Dass die Landeskirche das nun in ihrer Frühjahrssynode ändern will, begrüßen viele Pfarrer in Ostprignitz-Ruppin und Prignitz.

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Anna Trapp, neue Pfarrerin von Bad Wilsnack, will selbst irgendwann mit ihrer Partnerin vor den Traualtar treten.

Quelle: Kirchenkreis Prignitz

Neuruppin/Bad Wilsnack. Einen Termin für die Trauung gibt es noch nicht. Für Bad Wilsnacker Pfarrerin Anna Trapp steht aber fest, dass sie mit ihrer Partnerin vor den Traualtar treten will, wenn die Zeit reif dafür ist, und zwar am liebsten in einer der Kirchen der Region. Im Moment wäre ihr das verwehrt. Noch.

Denn die Position der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), die bereits 2002 die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare befürwortet hatte, befindet sich gerade im Umbruch. Die Landessynode der EBKO hat vor einem Jahr der Ehe eingetragener Lebenspartnerschaften grundsätzlich zugestimmt, und zwar fast einmütig, wie Probst Christian Stäblein berichtet. In der aktuellen Frühjahrssynode soll nun ein bindender Beschluss gefasst werden, dass die Trauung homosexueller Paare liturgisch und rechtlich derjenigen von Mann und Frau gleichgestellt wird. Zudem sollen diese Eheschließungen künftig ins Kirchenbuch eingetragen werden. Der Probst ist davon überzeugt, dass dieser Entschluss erneut mit einer großen Mehrheit befürwortet wird.

Der Probst glaubt, dass der Vorstoß auch auf dem Land Anklang findet

Stäblein, der mit Gemeinden vor Ort bei Abendforen über das Thema spricht, hat auch das Gefühl, dass die Menschen das Vorhaben mehrheitlich begrüßen – auch wenn bei den Veranstaltungen Kritiker dabei sind.

Die Berlin-Brandenburgische Landeskirche entscheidet bald, ob auch zwei Männer oder zwei Frauen kirchlich getraut werden  dürfen

Die Berlin-Brandenburgische Landeskirche entscheidet bald, ob auch zwei Männer oder zwei Frauen kirchlich getraut werden dürfen.

Quelle: Peter Geisler

Einen Unterschied zwischen Ballungsräumen und ländlichen Gebieten habe er dabei nicht festgestellt. So habe sich zum Beispiel der Ältestentag in Nauen-Rathenow kürzlich ein Gespräch dazu gewünscht. „Und er war so stark dafür, wie es auch in Berlin hätte sein können.“

In den Kreisen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz scheint diese kleine Revolution gegen eine Jahrhunderte lange Tradition der Verbannung homosexueller Paare aus dem liturgischen Leben gut anzukommen. „Wir sind uns im Pfarrkonvent einig, dass wir gleichgeschlechtliche Paare trauen werden – und zwar mit Freude“, sagt Björn Borrmann, Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Wittstock. Das ist wichtig, denn der Landesbeschluss sieht ein Vetorecht für Seelsorger und Kirchengemeinden vor.

In den Gemeinden gibt es aber auch Kritiker der Öffnung

Immerhin aber soll sich die Rechtslage nun verkehren: Mussten diese die Segnung bislang befürworten, dürfen sie nun in Ausnahmefällen ein Trauungsbegehren ablehnen. Der Superintendent des Kirchenkreises habe dann die Pflicht, eine andere Gemeinde zu finden, in der die Trauung stattfinden kann, so Borrmann. Dass es in Wittstock so weit kommt, glaubt er nicht unbedingt. Denn die Kirchengemeinde hat sich erst 2015 für die Segnung eines Regenbogen-Paares ausgesprochen. Zwar habe es daraufhin Widersprüche aus den Reihen der landeskirchlichen Gemeinschaft gegeben, die von einem eher konservativen Weltbild geprägt ist. Diese wurden aber von der Gemeinde klar abgewiesen.

Björn Borrmann, Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Wittstock, ist davon überzeugt, dass gleichgeschlechtliche Partner, die sich lieben, einander

Björn Borrmann, Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Wittstock, ist davon überzeugt, dass gleichgeschlechtliche Partner, die sich lieben, einander vertrauen und gegenseitig stützen, unter Gottes Segen stehen.

Quelle: Peter Geisler

Selbst in den Seniorenkreisen, die zu dem Thema was hören wollten, sei die Stimmung positiv. „Die Leute sagen dort: ,Solche Paare gab es schon immer, man hat nur nicht drüber geredet. Ist doch schön, wenn sie zueinander Ja sagen’“, berichtet der 36-Jährige.

Borrmann rechnet dennoch auch beim nächsten konkreten Antrag mit Einwänden, die er auch irgendwie verstehen kann. Schließlich sei der Zeitraum von Bestrafung über Tolerierung hin zu eingetragenen Lebenspartnerschaften und nun der gleichgestellten Trauung Homosexueller ein Augenklimpern in der Kirchengeschichte. „Daran müssen sich die Leute erst gewöhnen“, sagt Borrmann. „Solche Anfechtungen muss eine intakte Kirchengemeinde aushalten können.“

Mit dem Beschluss wird es leichter, Widersprüchen zu begegnen

Alexander Bothe, amtierender Superintendent des Kirchenkreises Kyritz-Wusterhausen, plädiert zwar für die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare – aber auch dafür, die damit verbundenen Ängste in den Gemeinden ernst zu nehmen und ihnen nicht allein Rückständigkeit vorzuwerfen. Mit dem neuen Beschluss der Landeskirche werde es den Gemeinden immerhin leichter fallen, solche Ehen vor dem Altar gegen einzelne Gegenstimmen durchzusetzen, so der 46-Jährige.

Alexander Bothe,  amtierender Superintendent des Kirchenkreises Kyritz-Wusterhausen, weiß, dass sich viele  Menschen in seinem Kirchenkreis mit

Alexander Bothe, amtierender Superintendent des Kirchenkreises Kyritz-Wusterhausen, weiß, dass sich viele Menschen in seinem Kirchenkreis mit dem Thema noch nicht beschäftigt haben. Das sei aber auch normal. Schließlich sind die meisten nicht wie in Berlin jeden Tag damit konfrontiert.

Quelle: Matthias Anke

Schon vor ein paar Jahren habe es zumindest in seiner Heimatkirche Wusterhausen ein positives Votum für eine Segnung gegeben. Bothe schätzt auch ein, dass alle Pfarrer in Kyritz-Wusterhausen mit ihrer liberalen Grundhaltung das unterstützen werden.

Für Evelyn Tomaske-Fellenberg, Pfarrerin in der Gesamtkirchengemeinde Ruppin, die die Entscheidung der Landeskirche begrüßt, ist es wichtig, dass es für die Gemeinden eine Ausstiegsklausel gibt. Schließlich soll ihr nicht das Recht entzogen werden, über das gottesdienstliche Leben selbst zu bestimmen. Tomaske-Fellenberg glaubt dennoch, dass in Neuruppin und Umgebung eine grundsätzlich positive Stimmung dem Thema gegenüber herrscht. Schließlich haben sich einige Gemeinden schon 2002 trotz kritischer Stimmen zur Segnung bekannt, wie die 56-Jährige sagt.

Menschen haben sich durch Promi-Geständnisse ans Thema gewöhnt

Auch in der Prignitz sei man offen dafür, so das Gefühl von Daniel Feldmann, amtierender Superintendent des Kirchenkreises Prignitz. „Es hat sich viel getan in den letzten 20 Jahren“, sagt der Bad Wilsnacker Pfarrer. Selbst in einer Region, in der es nicht so viele Einflüsse von Außen gibt und das Thema erst einmal fremd ist, seien die Menschen schließlich über Politiker-Coming-Outs oder Promi-Geständnisse an Paare gleichen Geschlechts gewöhnt. Dass haben sie beim offenen und herzlichen Empfang von Anna Trapp bewiesen.

Daniel Feldmann (l), amtierender Superintendent des Kirchenkreises Prignitz, sehnt dem entgegen, dass er ein Paar gleichen Geschlechts vor dem Al

Daniel Feldmann (l.), amtierender Superintendent des Kirchenkreises Prignitz, sehnt dem entgegen, dass er ein Paar gleichen Geschlechts vor dem Altar trauen darf.

Quelle: Michael Beeskow

„Wer soll etwas dagegen haben, wenn zwei Menschen einander guttun und heiraten wollen“, sagt der 37-Jährige, der die bisherige Diskriminierung von heiratswilligen Homosexuellen als Belastung empfindet. „Für mich ist es eine Gemeinschaft, die unter Segen Gottes gestellt wird. Und Kinder bekommt ein Paar über 70, das ich traue, auch nicht mehr.“

Zwar gebe es einige Stellen in der Bibel, die man aus dem Zusammenhang gerissen als Verurteilung homosexueller Liebe verstehen könnte, sagt Alexander Bothe. „Wenn man sie aber genauer betrachtet, merkt man, dass damit nicht gleichgeschlechtliche Partnerschaften gemeint sein können, die auf Achtung und Vertrauen aufbauen.“ Die Trauung sei wunderbar mit dem Glauben und dem biblischen Zeugnis zu vereinbaren, findet auch Probst Christian Stäblein. „Es geht immer nur darum, dass man die Bibel lebendig und von der Mitte ihrer Botschaft aus auslegt.“ So beziehen sich Passagen, die scheinbar die Homosexualität verdammen, auf bestimmte gewalttätige Praktiken, die am ehesten als Pädophilie bezeichnet werden können, aber nichts mit dem füreinander Eintreten gleichgeschlechtlicher Partner.

Pfarrer in der Region plädieren für eine Ehe für alle

Theologisch mache es keinen Unterschied, ob es sich um Mann und Frau, zwei Männer oder zwei Frauen handelt, die heiraten wollen, pflichtet ihm Borrmann bei. „Es muss eine Ehe für alle geben, davon bis ich so was von fest überzeugt.“

Ann-Kathrin Hamsch, Pfarrerin der Gesamtkirchengemeinde Temnitz, ist froh, dass sie in einem liberalen Kirchenkreis arbeitet, der sich schon frü

Ann-Kathrin Hamsch, Pfarrerin der Gesamtkirchengemeinde Temnitz, ist froh, dass sie in einem liberalen Kirchenkreis arbeitet, der sich schon früh mit dem Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren auseinandersetzte und offen für eine Öffnung ist.

Quelle: Peter Geisler

Diese Meinung vertritt auch Ann-Kathrin Hamsch, Pfarrerin der Gesamtkirchengemeinde Temnitz. „Das ist etwas, was unterstützenswert ist“, sagt die 37-Jährige. „Ich warte schon richtig darauf, bis mich einer nach einer solchen Trauung fragt.“

Wer diesen Schritt gehen will, dem sollte es nicht verwehrt werden, sagt Anna Trapp. „Trauung ist eine Bitte, dass Gott uns in den Anfechtungen und Freuden unseres Lebens beisteht. Dementsprechend ist es ein schönes Zeichen, wenn wir außer Acht lassen, welche Menschen darum bitten“, so die 29-Jährige, die keine Skepsis oder Zurückhaltung in ihrer neuen Gemeinde erfahren hat. „Gott hat diese Welt so unheimlich divers geschaffen – wie können wir so engstirnig sein.“

Kirche könnte bei dem Thema eine Vorreiterrolle spielen

Dass die Landeskirche bei ihren Beschluss eine Einschränkung einbaut, stört Anna Trapp. „Dass die Gemeinden die Trauung ablehnen können, entspricht der demokratischen Verfasstheit unserer Kirche. Vom Symbolgehalt her, der eine verschlossene Tür bedeutet, ist das aber nicht gut. Kirchen sollen keine verschlossenen Türen haben.“ Die Botschaft sei ähnlich der bei der Flüchtlingsdebatte: Motto: „Wir haben grundsätzlich nichts dagegen – aber bitte nicht vor unserer Tür!“ Trapp hofft, dass die Synodalen in diesem Punkt vor der Beschlussfassung doch noch in diesem Punkt nachbessern. So haben sie die Chance der deutschen Regierung, die kein Recht auf Eheschließung bei gleichgeschlechtlichen Paaren zulassen will, zu zeigen, dass ein vollständiges Umdenken möglich ist. „Dann wird vielleicht auch Frau Merkel irgendwann ihr ,ungutes Gefühl’ bei dem Thema verlieren“, sagt Anna Trapp.

Viele Kirchen gestatten lediglich eine Trauung zweiter Klasse

Die Landessynode der Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EBKO) befasst sich mit dem Thema Trauung gleichgeschlechtlicher Paare in ihrer Frühjahrssynode am 8. und 9. April. Das Gremium besteht unter anderem aus 80 Mitgliedern der einzelnen Kirchenkreise und ihren neun Superintendenten.

Das letzte öffentliche Abendforum zu dem Thema findet am Montag, 22. Februar, ab 19 Uhr, im Kloster Lehnin, Klosterkirchplatz 20.

Die Nachfrage nach Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare in der Region ist sehr gering, berichten die Pfarrer. „Die betroffenen Paare wollen keine Trauung zweiter Klasse“, so der Wittstocker Pfarerr Björn Borrmann. „Sie wollen lieber abwarten und dann richtig heiraten.“

In den 20 Landeskirchen Deutschlands gibt es höchst unterschiedliche Regelungen im Umgang mit heiratswilligen Regenbogen-Paaren. Nur zwei evangelische Kirchen haben sich zur Trauung bekannt, die Ekbo wäre die Dritte. 14 Landeskirchen lassen eine Segnung zu, einige aber nur hinter verschlossenen Türen. In Oldenburg und Bayern dürfen diese öffentlich vollzogen werden, unterscheiden sich aber stark von einer Trauung. In manchen Kirchen wie der sächsischen gibt es keine klare Regelung dazu.

Von Celina Aniol

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