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Jack Day spielt die Rüthnicker Orgel

Spannende Duette Jack Day spielt die Rüthnicker Orgel

Zum Jahresbeginn darf es ruhig beschaulich sein: Zum Neujahrskonzert in der Rüthnicker Kirche musizierten der Oranienburger Kantor Jack Day gemeinsam mit der Berliner Cellistin Inken Ewertsen. beide boten einen klangvollen Mix aus Duetten und Soli- von Telemann bis Bach.

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Jack Day an der „Bauernschrank-Orgel“..

Quelle: Regine Buddeke

Rüthnick. Es begann, wie es endete: mit einem Kandidaten für den Posten des Thomas-Kantors zu Leipzig. Georg Philipp Telemann habe sogar den höheren Platz errungen – er wollte aber nicht. So erhielt damals Johann Sebastian Bach den Posten, erzählt es Jack Day zu Beginn des Rüthnicker Neujahrskonzerts, das er folglich mit einer Telemann-Sonate eröffnet – dem „Getreuen Musikmeister“.

Die Berliner Cellistin Inken Ewertsen spielte mit Jack Day im Duett

Die Berliner Cellistin Inken Ewertsen spielte mit Jack Day im Duett.

Quelle: Regine Buddeke

An der Seite des Kantors aus Oranienburg sitzt die Berliner Cellistin Inken Ewertsen. Gut 35 Gäste sind am Sonnabend in die Kirche gekommen, um den beiden zu lauschen.

Jack Day ist in Ruppin kein Unbekannter, schon häufig bespielte er die Orgeln der Region – manches Mal mit Schlagzeugbegleitung, am Sonnabend trat er in den Cello-Dialog. Der studierte Organist, Musikwisssenschaftler und Komponist hat sich sein Cembalo dazu mitgebracht. Nach dem Telemann zaubert er acht Variationen des niederländischen Komponisten Jan Pieterszoon Sweelinck in die Tasten. Der war ein sehr begabter Tastenspieler, erzählt Day. Er habe in der Amsterdamer Oude Kirk lebenslang das Kantoren-Amt ausgefüllt und darüber hinaus Schüler unterrichtet – in Komposition. Auch begabte Schüler von den Höfen in Deutschland seien dabei gewesen – sie hätten im Jahr 300 Gulden dafür berappt, beim Meister zu lernen, Stücke zu komponieren. „Anders als in Deutschland, wo der Geselle vom Meister dafür bezahlt wird, dass er etwas lernt.“ In Holland habe es jedoch zu Sweelincks Zeiten wenig öffentliche Kirchenmusik gegeben, vielmehr hätten reiche Kaufleute sich die Musiker für Konzerte ins Haus geholt, erfährt das Publikum von Jack Day, dessen englischer Akzent seine Auslassungen einmal mehr vergnüglich macht.

„Haben Sie sich ein bisschen an das Cembalo gewöhnt?“, fragt er. Der spezielle Klang des Instruments, das so ganz anders als das Klavier und die Orgel anmutet, sei dem Umstand geschuldet, dass die Saiten nicht mit Hämmerchen geschlagen, sondern mit sogenannten Kielen gezupft werden. „Meine Freundin, die sehr sozial drauf ist, hat mal unsere Nachbarin gefragt, ob sie das Cembalo-Spiel stört.“ Was für ein Cembalo, habe jene erwidert. Das hätte sie nie gehört. Ab und an würde jemand Gitarre spielen, aber das wäre immer sehr nett.

Dann improvisiert Jack Day eine Eigenkomposition über „Wie schön leuchtet uns der Morgen“, bevor eine Sonate von Michel Corrette folgt. „Die ist sehr prononciert“, verspricht Jack Day und weist darauf hin, dass die Cello-Töne mitunter noch unter der des Cembalos liegen. In der Tat ist es hörenswert, wenn Inken Ewertsen ihrem Instrument Töne entlockt, die geradewegs der Unterwelt entsprungen scheinen.

Auch Jack Days Improvisation über „Der Morgenstern ist aufgedrungen“ lässt aufhorchen. Der gebürtige Brite hat mit 16 Jahren begonnen, an der Royal Academy of Music in London Komposition zu studieren. Er musste dafür, sagt er lächelnd, keine 300 Gulden berappen – im Gegenteil, als er später in Manchester und Cambridge Orgel und Musikwissenschaften belegte, habe er sogar Bafög erhalten.

Noch ein Psalm von Sweelinck, ein Stück von Couperin – dann folgt der angekündigte Bach. „Wenn Sie applaudieren möchten – dann bitte ganz am Ende“, mahnt Day mit einem Schmunzeln diejenigen, die sich bei der Corrette-Sonate zwischen den Sätzen nicht zurückhalten konnten.

„Eine sehr liebevoll eingerichtete Kirche“, lobt Jack Day am Ende. Schon der Umstand, dass Rüthnick über eine beheizte Winterkirche verfügt, ist für Musiker, Instrumente und Publikum ein Segen. Einziges Manko für die Orgel, die wie ein Bauernschrank aussieht: die Fußbodenheizung bewirkt, dass einige Tasten etwas schwergängig sind. „Dabei habe ich die mit einem Gummiband extra etwas angehoben“, sagt der Rüthnicker Ralf-Peter Voigt – der sich um die drei Orgeln der Kirche kümmert und sie auch selber spielt.

Von Regine Buddeke

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