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Jäger erschießt vier Muttertiere

Prozess am Amtsgericht Neuruppin Jäger erschießt vier Muttertiere

In einem von Jägern umstellten Rapsfeld hat ein Neuruppiner Jäger zur Erntezeit 2014 vier Bachen erschossen, obwohl sie mit Nachwuchs unterwegs waren. Insgesamt 18 Frischlinge blieben so sich selbst überlassen. Der 58-Jährige muss sich nun wegen Verstoßes gegen das Jagdgesetz verantworten. Die anderen Jäger hatten ihn angezeigt.

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Auch Frischlinge brauchen ihre Mutter, um gefahrlos aufwachsen zu können.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Die vier Bachen hatten keine Chance: Jäger hatten das Rapsfeld zwischen Kränzlin und Storbeck umstellt. Mit geladenen Waffen warteten sie, während das Feld nach und nach abgeerntet wurde. Dann fielen die tödlichen Schüsse. Doch die weiblichen Wildschweine hätten gar nicht geschossen werden dürfen. Denn sie waren mit ihrem Nachwuchs unterwegs. „Insgesamt 18 Frischlinge wurden ihrem Schicksal überlassen.“ An­dreas Sidow ist fassungslos. „Muttertiere genießen grundsätzlich Schutz“, sagt der Sachbearbeiter für Tierschutz, Jagd und Fischerei bei der Kreisverwaltung in Neuruppin. Der 58-jährige Jäger, der die vier Muttertiere im Juli 2014 erschossen hat, muss sich deshalb seit Freitag vor dem Amtsgericht Neuruppin wegen des Verstoßes gegen das Bundesjagdgesetz verantworten. Die anderen Jäger hatten ihn angezeigt. „Sie haben sein Verhalten als unentschuldbar eingestuft“, sagt Sidow.

Das sieht der Landesjagdverband Brandenburg, dem rund 12 000 Jäger in der Mark angehören, ähnlich. „Wenn es Vorsatz war, dann ist das ein grober Verstoß gegen die Rechtslage“, sagt Tino Erstling, Sprecher des Verbandes. „Frischlinge brauchen ihre Bache.“ Erstling ist so ein Fall wie dieser noch nicht untergekommen. Er hält es aber für ein „gutes Zeichen“, dass die Mitjäger den Übeltäter angezeigt und den Fall nicht einfach auf sich beruhen lassen haben. „Das zeigt, dass so ein Verstoß nicht akzeptiert wird“, sagt Erstling.

Fahrlässigkeit gilt als unwahrscheinlich

Nach dem Anhören von drei Zeugen scheint das Gericht nicht an Fahrlässigkeit zu glauben. Davon war die Anklage ausgegangen. Richterin Anke Neumann deutete bereits an, dass möglicherweise von Vorsatz ausgegangen werden müsste. Damit droht dem Jäger, der aus Neuruppin stammt, im schlimmsten Fall eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Schließlich gilt das vorsätzliche Schießen von Muttertieren nicht als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat. Gleichwohl sind kaum Fälle bekannt, in denen Jäger bisher derart hart bestraft wurden. Vielmehr werden Verfahren gegen Jäger immer wieder eingestellt. Beispielsweise am Tegernsee in Bayern. Dort hatte ein Jäger bei einer sogenannten Drückjagd im November 2014 drei Muttertiere erlegt. Obwohl viele Jäger darin eine Straftat sahen, stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Schützen ein. Eine pensionierte Richterin ließ zwar nicht locker und brachte den Fall bis vor den Generalstaatsanwalt. Dennoch hat sich in dem Fall bislang nichts getan. Dabei gibt es für Jäger eine einfache Maxime: Sie müssen verantwortlich handeln und dürfen im Zweifel eben nicht auf das Tier schießen, das vor ihre Flinte läuft.

Wie das Amtsgericht Neuruppin im Fall der vier erschossenen Bachen befinden wird, das wird sich wohl in gut zwei Wochen zeigen. Am Donnerstag, 11. Februar, könnte das Urteil gegen den Neuruppiner Jäger fallen.

Von Andreas Vogel

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